5 Dinge, an denen Digital-Health-Startups scheitern - SCALE11

Digitale Gesundheit in Deutschland: Auch 2017 noch Mangelware

Mit 80 Millionen potenziellen Kunden ist der Digital-Health-Markt in Deutschland ein wahres Business-Paradies für Startups. Theoretisch jedenfalls. Denn tatsächlich schaffen es nur wenige Gründer, hier Fuß zu fassen. Woran liegt das? Welche Hürden machen Gründern das Leben schwer? Und wie können sie ihre Versuche, den Markt zu erobern, noch effektiver gestalten?

5 Hindernisse, über die deutsche Gründer stolpern

1. Ihre Geduld wird durch die intensiven Markt-Anforderungen strapaziert

Euphorie, Tatendrang, Schnelligkeit: Nur drei der Charakteristika, die Startups so erfolgreich machen. Doch gerade im deutschen Gesundheitssystem können diese Eigenschaften nicht wirklich zum Einsatz kommen. Warum?

Die hiesige Gesundheitswirtschaft ist finanziell in zwei Bereiche aufgeteilt: den ersten und den zweiten Gesundheitsmarkt. Die Produkte und Dienstleistungen des ersten Gesundheitsmarktes werden zum Großteil von den Krankenversicherungen finanziert, für die des zweiten Marktes müssen Privatpersonen selbst aufkommen. Da die Mehrheit der deutschen Bevölkerung gesetzlich krankenversichert ist, sind Deutsche kaum bereit, für Gesundheitsleistungen zusätzlich zu zahlen. Deswegen peilen die meisten Gründer den ersten Gesundheitsmarkt an.

Doch: Sich den Weg in dieses System zu ebnen, ist nicht immer leicht.

Der Markt ist sehr anspruchsvoll. Wollen Gründer ihre Innovationen in die Regelversorgung, den ersten Gesundheitsmarkt, aufnehmen lassen, müssen sie wissenschaftlich und medizinisch nachweisen, dass diese Produkte einen Nutzen haben. Besonders für junge Unternehmen stellt dies einen großen und zeitintensiven Aufwand dar.

Ein Alternativweg? Direkt den Kontakt zu einer bestimmten Krankenkasse aufzunehmen, die dann im Rahmen eines Selektivvertrages ihren Versicherten das Startup-Produkt anbietet. Doch auch das kann sich lange hinziehen. Zudem kommt es nach Vertragsverhandlungen meist nur zu zeitlich begrenzten Pilotprojekten.

Gründer sollten also Geduld mitbringen, ausreichend Zeit einplanen und bereit sein, mit ihrem Startup auf dem medizinwissenschaftlichen Prüfstand zu stehen.

2. Sie sind nicht vom Fach – oder beratungsresistent

Und solch eine gründliche Untersuchung kann einem Digital-Health-Projekt schnell den Garaus machen. Denn Gründer, die mit ihren Produkten in die Regelversorgung des ersten Gesundheitsmarktes aufgenommen werden wollen, müssen noch vor dem Markteintritt beweisen, dass ihr Produkt auch einen medizinischen Nutzen hat. Doch das notwendige Fachwissen ist bei vielen Gründern nicht vorhanden.

Ist ein medizinischer Hintergrund notwendig, um als Digital-Health-Entrepreneur erfolgreich zu werden? Nein. Stattdessen können Gründer einen Fachrat, ein sogenanntes „Medical Advisory Board“ hinzuziehen. Diese Experten beraten Gründer umfassend und sind in der Lage, bei Nachfragen schnell zu reagieren. Ein solches Gremium schafft nicht nur einen intensiven Wissenstransfer, sondern steigert auch das Vertrauen in das Produkt – und damit die Reputation des Startups. Patienten können sich also darauf verlassen, dass die Anwendung auch aus medizinischer Sicht einen Nutzen bietet.

3. Sie unterschätzen die rechtlichen Anforderungen

Eigentlich keine Überraschung im Land der Dichter, Denker und Dienstvorschriften: Von Vorgaben zur Einführung von Medizinprodukten über Datenschutzgesetzen bis hin zu Richtlinien, die die Behandlungsqualität sichern, ist das hiesige Gesundheitswesen besonders stark durch Vorschriften reguliert. Diese schützen zwar die Patienten, bremsen aber digitale Innovationen oft aus. Rechtliche Normen haben also direkte Auswirkungen auf die Produktentwicklung.

Gründer, die mit ihrem Angebot eine der zahlreichen Lücken des Systems füllen wollen, sollten sich daher unbedingt um juristische Beratung kümmern – oder sich vielleicht sogar einen Spezialisten ins Team holen. Der Aufwand lohnt sich: Hat ein Startup es hierzulande geschafft, wird eine Expansion in andere, leichter regulierte Märkte, wie zum Beispiel in den USA, vergleichsweise einfach sein.

4. Sie ziehen die Patienten nicht in die Entwicklung mit ein

Patienten haben sich mittlerweile zu Akteuren gewandelt, die als informierte Stakeholder einen gewissen Einfluss auf das Gesundheitssystem haben. Deswegen haben insbesondere B2C-Startups nur dann Erfolg, wenn sie Patienten auch einen echten Mehrwert bieten.

Doch noch immer arbeiten viele Gründer an ihren Bedürfnissen vorbei.

Digital-Health-Startups sollten sich also unbedingt intensiv mit diesen Endkonsumenten auseinandersetzen, um ihr Produkt anwenderfreundlicher zu machen. So lässt sich zum Beispiel mit IoT-Technologien eine nie dagewesene Fülle an Informationen sammeln. Anwendungen aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz können diese Datenmengen automatisiert auswerten – und damit einen besseren Einblick in das Verhalten von Patienten geben. Das wiederum schafft Wettbewerbsvorteile.

5. Ihnen geht das Geld aus

Die Zurückhaltung von Investoren macht Deutschland zu einem besonders harten Pflaster für Digital-Health-Innovationen. Finanzierungen im Gesundheitswesen gestalten sich zäher und schwieriger als in anderen Branchen. Gründer müssen sich also darauf einstellen, dass einige Zeit ins Land gehen kann, bis das Projekt finanziert ist.

Diesen Umstand sollten sie also unbedingt einplanen, um nicht auf einmal auf dem Trockenen zu sitzen. Hilfestellungen leisten hier viele Acceleratoren und Initiativen, bei denen Startups zum Beispiel von Corporates mit Kapital, Kontakten und Know-how versorgt werden.

Für Gründer, die sich einen Überblick über die Marktanforderungen verschaffen wollen, bieten sich aber auch Fachmessen an: So wird sich beispielsweise die Startup-Area der CeBIT SCALE11 mit einem speziellen Ausstellungsbereich dem Thema Digital Health widmen. Hier erhalten Gründer unter anderem die Möglichkeit, potenzielle Corporate-Partner oder Investoren kennenzulernen.

SCALE11 hilft digitalen Gründern dabei, einflussreiche Mistreiter zu finden

Obwohl das deutsche Gesundheitswesen von digitalen Innovationen durchaus profitieren könnte – sind sie doch ein geeignetes Mittel, um Behandlungskosten zu senken – hinkt Deutschland noch stark hinterher. Grund dafür ist, dass viele der tonangebenden Akteure keine Digital Natives sind und dass Deutsche digitalen Lösungen in Hinsicht auf Datenschutz oftmals misstrauisch gegenüberstehen.

Wie können diese Differenzen überbrückt werden? Was sind die nächsten Schritte, die zu einem digitalen Gesundheitssystem führen? Mit diesen und weiteren Fragestellungen wird sich vom 20. bis zum 24. März 2017 die SCALE11 beschäftigen.

Sie wird Startups in 17 verschiedenen Themenclustern, den sogenannten Community Areas, die Möglichkeit geben, sich mit relevanten Industriegrößen zu vernetzen, andere Gründer kennenzulernen und ihre Ideen einem interessierten Fachpublikum näherzubringen. In der Community Area für Digital Health können sich Gründer unter anderem auf Best-Practice-Vorträge von anderen Startups sowie Workshops von und mit etablierten Unternehmen aus ihrer Branche freuen. Außerdem warten Coworking-Spaces, Networking-Lounges und Abend-Events auf alle Teilnehmer.

Wer die spannendsten Newcomer der Branche erleben oder sein eigenes Startup auf der weltweit größten Messe für Informationstechnik vorstellen möchte, kann hier noch Tickets ergattern!

 

Artikelbild: Katra / eyeem.com