Die Investoren Frank Thelen und Jochen Schweizer (v.l.) in ihren Sesseln, Jurorin Lencke Steiner in der Trachtenhose eines pitchenden Unternehmens

Den Sex hebt Vox sich bis zum Schluss auf. Womöglich in der Hoffnung, den Zuschauer wachzuhalten – denn sonderlich aufregend ist die sechste Folge der Startup-Show „Die Höhle der Löwen“ nicht.

Die drei Gründer des Ravensburger Startups Lustblume verteilen im letzten Pitch der Sendung etwas, das aussieht wie die Mischung aus einem Diamanten und einer gelben Quietscheente. Die Juroren sollen jetzt raten, was sie in der Hand halten. Überraschung – es sind Sextoys. Diese Auflösung überfordert den Reiseunternehmer Vural Öger: „Sextoys“, sagt er. „Sextoys.“ Als das Wort Auflegevibrator fällt, verzieht er angeekelt das Gesicht. „Ich finde Sexshops abscheulich“, so der Unternehmer. Investieren will er nicht.

Aber was machen Stefan Blust (32), Markus Gambalat (25) und Wieland Keser (25) eigentlich bei Lustblume? Sie wollen Kunden beraten, die Sexspielzeuge kaufen möchten. Die Gründer glauben, dass die Vielfalt des Angebots Käufer überfordert. Auf ihrer Internetseite soll daher informiert und auf entsprechende Online-Shops verwiesen werden, wo die Interessenten das Toy dann kaufen können. Lustblume will dann eine Verkaufsprovision einstreichen. Für ihre Internetseite verlangen die drei Gründer 90.000 Euro für 15 Prozent der Firmenanteile. Allerdings haben sie erst 200 Euro umgesetzt.

Das überzeugt auch die übrigen Investoren nicht: Jochen Schweizer argumentiert, es seien Millionen Euro für Suchmaschinenmarketing notwendig, um vor den großen Sexshops bei Google aufzutauchen. Frank Thelen stimmt zu, auch Lencke Steiner springt ab. Judith Williams passt ebenfalls und sagt Sätze wie: „Ich komme von der Klosternschwesternschule und halte mich daran. Nur mein Lippenstift ist lüstern, sonst nix.“

Die Gründer sind sichtlich enttäuscht: „Ja, fuck. Die Überzeugungskraft hat da einfach gefehlt.“

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Ebenso erfolglos, dafür mit viel Dampf geht das erste Startup aus der Sendung. Die Gründer von Woop Woop stellen frisches Eis vor den Augen der Kunden her, mit Stickstoff. Das qualmt: Bei minus 156 Grad gefrieren die Zutaten schnell und effekthascherisch. Lencke Steiner ist beeindruckt: Sie findet das Eis „superlecker“, als Kind wollte sie selbst einmal eine Eisdiele aufmachen, erzählt sie. Die Jurorin bietet dem Gründerteam aus Physiker Boris König und dem BWLer Phillipp Niegisch 50.000 Euro für 51 Prozent der Anteile. Die hingegen wollen nur 10 Prozent abgeben, bieten dann immerhin 20. Steiner ist das zu wenig und sie steigt aus.

Teleshopping-Unternehmerin Judith Williams zeigt sich von den Zahlen des Unternehmens wenig beeindruckt: An 56 Tagen im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Woop Woop 21.000 Euro Nettoumsatz. Die Gründer argumentieren, 2014 hätten sie ihr Konzept zunächst getestet. Dieses Jahr verzeichnen sie bereits 210 Verkaufstage. Doch damit können sie Williams nicht umstimmen. Bei den übrigen Investoren haben die Gründer ebenfalls kein Glück: Jochen Schweizer will aus Prinzip keine zuckerhaltigen Lebensmittel unterstützen und Frank Thelen findet Franchise-Modelle doof, da die Qualitätssicherung schwierig sei. Auch Öger investiert nicht.

Fintech im Fernsehen

Das Starnberger Startup Lendstar beschäftigt sich mit einem – laut Vox-Sprecher – trockenen Thema: Online-Banking. Jennifer Fizia (31) und Christopher Kampshoff (37) wollen Überweisungen erleichtern und bieten in ihrer App die Möglichkeit, Geld an Freunde zu transferieren oder zu verleihen und beispielsweise für Gruppengeschenke zu sammeln. Die App wurde laut Startup bisher 30.000 Mal heruntergeladen. Transaktionen im Wert von 1,2 Millionen Euro seien abgewickelt worden. Die Gründer wollen 5 Prozent des Startups für 250.000 Euro abgeben.

Doch Öger ist wieder anti: „Ich bin in der analogen Welt aufgewachsen und bin der Meinung, ich muss nicht alle Apps herunterladen oder mich damit befassen.“ Auch Judith Williams und Lencke Steiner sehen ihre Expertise nicht auf dem Markt und sind raus. Frank Thelen findet zwar Fintechs super, ist aber bei Outbank investiert, einer der erfolgreichsten deutschen Banking-Apps. Er wisse, wie viel Kapital in den Markt fließe und noch fließen werde: „250.000 Euro sind da gar nichts.“ Er ist raus.

Jochen Schweizer aber sieht seine Chance: Er will Geld sparen. Würden seine Kunden die Erlebnis-Gutscheine, die seine Firma verkauft, über Lendstar anstatt per Kreditkarte bezahlen, könnte er die Gebühren sparen. Die Gründer bieten ihm an, zu derselben Bewertung zu investieren, zu welcher auch die Finanzierungsrunde Anfang des Jahres lief: Da bekäme Schweizer für 250.000 Euro 6,1 Prozent der Firma. Er sagt zu, it’s a match.

Ein Matching zwischen dem nächsten Startup, SportyDates, und den Löwen kommt hingegen nicht zustande – dabei geht es bei Carlos Nilgen (36) und Martin Fleck (31) ums Dating, kombiniert mit Sport. Männer und Frauen sollen sich bei einem Workout inklusive Speed-Dating näherkommen. Die Gründer demonstrieren eine der Übungen, „die französische Begrüßung“. Anstrengend sieht das nicht aus.

Für 15 Prozent der Startup-Anteile wollen Fleck und Nilgen 150.000 Euro einstreichen. Lencke Steiner fordert Zahlen: Die beiden Gründer haben bislang sechs Events mit je 14 bis 20 Teilnehmern veranstaltet. Um die 90 Kunden? „Die sind doch keine Million wert“, so Steiner. „Ich bin raus.“ Judith Williams, Jochen Schweizer und Vural Öger schließen sich an. Frank Thelen möchte noch wissen, ob einer der beiden bereits eine App entwickelt habe. Martin Fleck berichtet von seiner Erfahrung und sagt, er habe für Flash für mehrere Plattformen entwickelt. Da verliert Thelen die Fassung – und wird persönlich: „Das ist ungefähr die schlechteste Idee, die es gibt. Das heißt, Du hast jetzt keinen besonders technischen Background. Flash, das ist wie der Trabi bei Autos. Eigentlich ist das noch eine Beleidigung für den Trabi.“ Er sehe nicht die Expertise, die nötig sei, um eine App zu bauen.

Martin Fleck findet das unfair und Thelen merkt wohl, dass er zu weit gegangen ist: „Sorry, ich wollte Dich nicht persönlich angreifen.“ Aber: „Ich hasse Flash.“ An seiner Entscheidung hält der Investor fest: „Ich liebe Technologie und ich liebe Design. Und ich liebe Produkte, die schnell skalieren – ihr habt nichts davon. Das ist nicht meine DNA.“

„Nichts, worin ich gern investiere“

Auch das nächste Startup ist nichts für Thelen: Die lederlose Lederhose von Herbert Bachlers Marke Wundersam will schicke, vegane Trachtenhosen als Alternative zur Lederhose vertreiben. Denn die, so der Gründer, sei mittlerweile ein Massenprodukt und werde am anderen Ende der Welt unter schlimmen Bedingungen produziert. Eine nachhaltige Herstellung aber hat seinen Preis: Der Kostenpunkt für die Hosen liegt bei knapp 300 Euro pro Stück. Für 150.000 Euro würde Bachler 20 Prozent abtreten. Doch: „Das ist ein sehr begrenzter Markt und darin auch noch eine Nische. Nichts, worin ich gern investiere“, so Thelen und erteilt eine Absage.

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Jochen Schweizer glaubt ebenfalls nicht daran, dass er mit einem Investment in Wundersam Geld verdienen könnte. Öger findet die Bewertung im Vergleich zum erzielten Umsatz viel zu hoch. Steiner ist von der Strategie nicht überzeugt und Williams bemängelt das Produkt selbst. Ein herber Schlag für Bachler, der in Österreich produzieren lässt und nur Bio-Baumwolle verwendet. Er wollte etwas besser machen – für DHDL ist seine Marke trotzdem nicht gut genug.

Premium-Erwartungen weckt Gründer Michael Liebl (43) mit dem Namen seiner Firma Gourmetfix. Er verkauft Fertiggerichte und Gewürzmischungen, die frischer und gesünder sein sollen als die Standardprodukte aus dem Supermarkt. Er wünscht sich 250.000 Euro im Tausch gegen 15 Prozent der Anteile und kann bereits einen Deal mit Walmart und eine potentielle Abmachung mit Edeka vorweisen. Gourmetfix hat vergangenes Jahr bereits mehrere hunderttausend Produkte verkauft. In Deutschland gibt es die im Sortiment von Kaiser’s Tengelmann.

Das überzeugt Judith Williams und Vural Öger: Sie bieten an, 250.000 Euro zu geben, fordern aber 30 Prozent der Anteile. Und: Sobald sie Gewinn machen, wollen sie 50.000 Euro wieder aus dem Unternehmen herausziehen. Eigentlich kein sonderlich attraktiver Deal im Vergleich zu den originären Vorstellungen Liebls – doch nach kurzer Rücksprache mit seinem Geschäftspartner per Telefon nimmt er an. Die Freude des Bayern ist groß – Williams kann sich nicht verkneifen, seinen Dialekt nachzuäffen. „Der ist doch süß“, findet sie.

Die Deals im Überblick:

  • Boris König und Phillipp Niegisch wollen für ihr Berliner Eiscreme-Unternehmen Woop Woop 50.000 Euro für 10 Prozent. Keiner der Löwen investiert.
  • Das Fintech-Startup Lendstar erhofft sich 250.000 Euro im Tausch gegen 5 Prozent der Anteile. Mit Jochen Schweizer einigen sich Jennifer Fizia (31) und Christopher Kampshoff (37) darauf, die Unternehmensbewertung von Anfang des Jahres zugrunde zu legen: Schweizer bekommt für die Summe so 6,14 Prozent.
  • Das Startup SportyDates von Carlos Nilgen (36) und Martin Fleck (31) will Speed-Dating und Sport kombinieren und 15 Prozent für 150.000 Euro abgeben. Kein Löwe investiert.
  • Um seine vegane Trachtenhose der Marke Wundersam voranzubringen, wünscht sich Herbert Bachler (49) 150.000 Euro von den Investoren. Dafür würde er 20 Prozent seiner Firma abgeben, doch keiner der Juroren ist interessiert.
  • Gourmetfix von Gründer Michael Liebl (43) hofft, für 15 Prozent der Unternehmensanteile 250.000 Euro zu bekommen. Judith Williams und Vural Öger handeln Liebl herunter: Er gibt doppelt so viele Anteile für die Summe ab.
  • Die drei Gründer der Sextoy-Beratung Lustblume – Stefan Blust, Markus Gambalat und Wieland Keser – wollen für 90.000 Euro 15 Prozent an ihrem Startup abgeben, doch keiner der Investoren geht mit.
Bild: Vox