6 Insurtech-Trends für 2017 - Swiss Innovation Outpost

Wie Insurtechs den Markt eroberten – und wie es jetzt weitergeht

Die Versicherungsbranche befindet sich im Umbruch. Das anhaltende Zinstief wirkt sich unter anderem auf Systeme für Risikoabsicherung oder traditionelle Geldanlagen wie die Altersvorsorge aus – und damit auch stark auf das Kundenverhalten. Ihr Vertrauen in die Wirksamkeit von Vorsorge und Versicherungen schwindet mehr und mehr. Der Global Trust Report zeigt, dass die Deutschen keiner anderen Industrie so misstrauen wie der der Versicherungen und Banken.

Von diesen Entwicklungen profitiert ein neuer Typ Akteur, der die Dynamiken des Marktes aufgreift und mit digitalen Lösungen kombiniert: Insurtech-Startups. Unzählige Gründer entwickelten in den vergangenen Monaten mit neuen Technologien bestehende Versicherungsangebote weiter, schafften neue Geschäftsmodelle und wirbelten damit den Markt gehörig auf. 2016 erhielten allein deutsche Startups rund 82 Millionen US-Dollar Finanzierung.

Wie wird es in diesem Jahr weitergehen? Welche Themen werden die Branche dominieren?

Diese 6 Trends werden 2017 in der Insurtech-Branche den Ton angeben

1. Blockchain

Die Technologie, die hinter der Internetwährung Bitcoin steckt, macht digitale Verträge und Transaktionen transparent, nachprüfbar und fälschungssicher – und ersetzt so Mittelsmänner im Finanz- und Versicherungswesen.

Könnte das bereits 2017 Realität werden? Einen Schritt in diese Richtung geht die Blockchain-Initiative B3i, die gemeinsam von großen Versicherern initiiert wurde. Das Pilotprojekt soll einen besseren Einblick in die Anwendungsmöglichkeiten von Blockchain und ihrem Änderungspotenzial im Versicherungsmarkt geben. Denn dieses ist schier unendlich: Mit Blockchain können beispielsweise fälschungssichere Zeitstempel erstellt werden, die die Authentizität eines Dokuments beweisen – für Versicherungen eine bahnbrechende Entwicklung.

2. Internet of Things (IoT)

Smarte Geräte, die miteinander verbunden sind und kommunizieren: Das Internet der Dinge hat das Potenzial, die Versicherungsbranche fundamental zu verändern. Denn durch die Vernetzung von Sensoren und anderen Gadgets können moderne Versicherungsanbieter Daten sammeln, die ihnen dabei helfen, Menschen und ihre Gewohnheiten besser zu verstehen. Diese Informationen geben Aufschluss darüber, was Kunden wirklich wollen, und auf Grundlage dessen können die Insurtech-Startups ihre Angebote anpassen und optimieren.

3. Artificial Intelligence

Die Masse macht’s: Durch IoT-Technologien sammelt sich eine nie dagewesene Menge an Daten an, die Startups nutzen sollten, um neue Angebote zu entwickeln oder bestehende zu verbessern. Doch um das zu bewerkstelligen, müssen die akkumulierten Daten angemessen analysiert werden. Genau hier kommt Künstliche Intelligenz ins Spiel, denn sie ist in der Lage, selbst große Datenmengen zu bearbeiten. Das spart nicht nur Zeit und Geld, sondern etabliert vor allem auch automatisierte und verlässliche Prozesse. In Zukunft treffen Anbieter so noch besser Vorhersagen über das Verhalten von Menschen – und die damit verbundenen Risiken.

4. Maßgeschneiderte Absicherung

0815-Angebote sind ein Ding der Vergangenheit. Stattdessen sind hochpersonalisierte Versicherungspolicen auf dem Vormarsch. Die größeren Datenmengen sowie die technischen Möglichkeiten, diese automatisiert auszuwerten, machen neue Versicherungsmodelle möglich – und auch notwendig.

Denn Konsumenten sind häufig nur dann bereit für etwas zu zahlen, wenn sie es auch nutzen. Einige Mobility-Versicherungen bieten dieses Konzept bereits an: Autofahrer zahlen dabei nur die Versicherung für die gefahrenen Kilometer oder die Zeit, die sie tatsächlich hinter dem Lenkrad verbracht haben.

5. Engagement Innovation

„Pull statt Push“ ist die neue Devise, wenn es darum geht, potenzielle Kunden von sich zu überzeugen und zu halten. Was das für Insurtechs bedeutet?

Die Entscheidung für oder gegen eine Versicherung wird zumeist im Alltag oder von einem speziellen Ereignis ausgehend getroffen. In genau diesem Kontext müssen Versicherer für Verbraucher präsent sein – und zwar mit einer Plattform oder einem Ökosystem, das ihnen einen echten Mehrwert bietet. Startups sollten ihre Kunden also mit Angeboten abholen, die ihnen genau die Informationen, Business-Modelle und Dienstleistungen bieten, die sie brauchen.

6. Symbiose zwischen Insurtech-Startups und traditionellen Versicherern

Mit ihren neuen Ansätzen sind Startups eine Inspirationsquelle für traditionelle Versicherer. Doch auch junge Gründer können sich so einiges von ihren alteingesessenen Counterparts abschauen: Weil klassische Versicherer bereits fest im Markt etabliert sind und Verbraucher ihre Namen kennen, fassen sie schneller Vertrauen zu ihnen. Die Insurtech-Szene steht daher auch 2017 im Zeichen der Symbiose zwischen Startups und Corporates. Viele Versicherungshäuser arbeiten bereits mit „Startup-Methoden“ oder tauschen sich in eigeninitiierten Programmen mit spannenden Gründern aus.

So wird der Austausch von Gründern und Unternehmen ergiebig

Die Zusammenarbeit zwischen Startups und Corporates sinnvoll für beide Seiten zu gestalten: Das ist das Ziel des Swiss Innovation Outposts. Der Verbund aus sechs Schweizer Erfolgsunternehmen verbindet als eine Art Matchmaker deutsche Startups mit Akteuren aus zukunftsweisenden Branchen der Schweizer Industrie.

Schweizer Traditionsunternehmen betrachten die deutsche Startup-Szene mit großem Interesse – so konnte der Outpost bereits einige erfolgreiche Kooperationen in die Wege leiten.

Wie vielfältig die deutsche Insurtech-Szene ist, zeigt diese Grafik von AXA Winterthur und TechBridge.

6 Insurtech-Trends für 2017 - Swiss Innovation Outpost

Eine Übersicht der Insurtech-Startups aus der D&CH-Region: Schlummert hier das nächste Unicorn?

Das Signal ist klar: Die Schweizer haben die deutsche Gründerszene fest im Blick und sind auf der Suche nach Partnern.

Deswegen bietet der Verband Office Hours, bei denen Gründer sich unverbindlich beraten lassen und in Kontakt mit spannenden Corporates treten können. Für die nächste Sprechstunde am 22. März 2017 können Interessierte hier einen Termin vereinbaren!

 

Artikelbild: Benjamin Lee / eyeem.com
Schaubild: TechBridge & AXA Winterthur