karin schroeder

Bakerware fühlt sich für Karin Schröder wie ein Familien-Startup an

Karin Schröder ist 73 Jahre alt, aber an Rente denkt sie nicht. Seit 30 Jahren ist sie selbständig und will das auch bleiben. Was in den 1980er Jahren mit einem Marktstand für Backsachen begann, ist heute ein Onlineshop, den sie gemeinsam mit ihrer Familie betreibt.

Schröder ist eigentlich ausgebildete Krankenschwester und Zahnarzthelferin. Ihren Onlineshop Bakerware.de gründete sie Anfang 2014, dort verkauft sie Backzubehör und Tortendekorationen. Ihre Kunden sind junge Mädchen, die Lust auf Deko haben. Zudem betreibt sie die Webseite Backseminare.de, über die sich Nutzer zu Back- und Deko-Workshops anmelden können.

Karin, wie ist Deine Geschichte als Unternehmerin?

Mit 45 Jahren habe ich mich mit einem Marktbetrieb selbständig gemacht. Mein erstes Produkt war eine Dauerbackfolie – ein häufig verwendbares Backpapier – aber das Sortiment hat sich ständig erweitert. Mit 72 habe ich dann gemeinsam mit meinem Sohn entschieden, mit einem Onlineshop ins Internet zu gehen, um mehr Menschen anzusprechen. Den Marktbetrieb mache ich immer noch, aber nur ein paar Mal im Jahr.

Wie haben sich Deine Kunden dadurch verändert?

Sehr. Vor drei, vier Jahren wurde es modern, dass junge Mädchen sich für Cupcakes interessieren und sie zum Beispiel mit kleinen Blümchen verschönern. Die Zielgruppe ist kreativ. Bei unseren Backseminaren, die hier vor Ort stattfinden, nehmen teilweise Mädchen ab zwölf Jahren teil.

Kannst Du Dich in diese junge Zielgruppe hinein versetzen?

(lacht) Doch, auf jeden Fall. Und wir hatten diese Produkte schon immer im Programm.

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War der Wechsel ins Internet eine Notwendigkeit?

Der Onlineshop war keine Notwendigkeit. Ich habe einfach überlegt, was ich noch machen könnte. Das Alter spielte keine Rolle. Ich wollte einfach etwas Neues beginnen, denn Stillstand ist der Tod. Der Hintergedanke war auch, etwas mit der Familie zu machen. Mein Sohn hat mir beim Verstehen des Internets und dem Aufbau des Onlineshops sehr geholfen, da er sich im Internet viel besser auskennt als ich. Und zu meinem 70. Geburtstag bekam ich ein iPad geschenkt, damit erschloss sich mir eine komplett neue Welt.

Die ganze Familie ist involviert?

Neben meinem Sohn macht auch mein Mann Jürgen mit. Er kümmert sich um die Zahlen, mein Sohn um die Technik. Daneben gibt es natürlich viele Dinge, bei denen es Überschneidungen gibt, die wir gemeinsam besprechen und umsetzen.

Kommen die meisten Umsätze über den Onlineshop?

Noch verteilen sich die Umsätze sehr homogen auf alle drei Bereiche: Online, Markt und Seminare. Man baut ja nicht einfach mal eben einen Onlineshop auf und sofort rasen Tausende von Bestellungen rein. Wir geben dem Ganzen bewusst Zeit.

Wie setzt ihr euch gegen Wettbewerber wie Amazon durch?

(lacht) Ganz schwer. Auf der einen Seite sind wir deshalb mit vielen Produkten auch auf Amazon vertreten. Auf der anderen Seite geben wir uns bei Themen wie Versandgeschwindigkeit einfach Mühe, dass die Pakete schnell rausgehen und liebevoll verpackt sind. Wir versenden erst ab 60 Euro versandkostenfrei. Damit gehen wir absichtlich nicht den Trend mit, alles versandkostenfrei zu verschicken. Denn das gebündelte Angebot, wie Anleitungen für Dekorationen, gibt es nur bei uns. Der direkte Wettbewerber ist deshalb nicht etwa Amazon, sondern es sind ähnliche Shops.

Die meisten Menschen in Deinem Alter sind in der Rente. Wie lange willst Du Das noch machen?

So lange es geht. Ich bin niemand, der die Hände in den Schoß legen kann. Das wäre unmöglich. Ich muss etwas tun. Über das Aufhören denke ich gar nicht nach. Es geht hierbei auch eher um meine Familie als um ein Startup. Wir wollen gemeinsam Abenteuer erleben.

Bild: Bakerware