Freitags wird im Neuköllner Büro gekocht: die Gründer der Fitness-App 8fit, Pedro Solá und Pablo Villalba.

Vor rund drei Jahren durchlebte Pablo Villalba eine tiefe Lebenskrise. „Ich war übergewichtig und ich habe meine Arbeit gehasst“, erzählt uns der gebürtige Spanier rückblickend. Zu der Zeit baute er gerade sein erstes Startup Teambox auf, das alles andere als schlecht schlief. Heute heißt die B2B-Produktivitätssoftware Redbooth, wird vom kalifornischen Redwood City aus betrieben und ist mit 20 Millionen Dollar Wagniskapital ausgestattet.

Doch Villalba hatte schnell genug von B2B. Er wollte etwas machen, das ihn wirklich überzeugt. Etwas, wo er völlig dahinter stehen konnte. Also verließ er nach fünf Jahren sein Startup, trennte sich von seiner Freundin und ging auf Reisen.

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Schließlich landete Villalba in Berlin. Er entschied sich, neu anzufangen – und nahm 15 Kilo ab. Freunde waren davon beeindruckt, Villalba begann, einige von ihnen per Mail zu coachen. Er erkannte ein Geschäft. Eines, mit dem er sich identifizieren konnte. Also holte er Pedro Solá, mit dem er bereits bei Redbooth arbeitete, als Mitgründer dazu. Beide begannen Anfang 2014, ihre Fitness-App 8fit aufzubauen. Und die schlug ein: Laut Villalba hat die App heute 2,5 Millionen Downloads und im vergangenen Jahr fünf Millionen US-Dollar umgesetzt.

In Deutschland ist das Startup, das mittlerweile 30 Mitarbeiter hat, bisher völlig unter dem Radar geblieben. Denn der überwiegende Teil der 8fit-Kunden kommt aus den USA. Bisher hat der 30-jährige Villalba noch nicht viel Geld in Werbung gesteckt – lediglich in Performance-Marketing hat der Gründer investiert.

Die App liefert einen Ernährungsplan

Warum hat 8fit trotzdem einen so guten Start hingelegt? Die App scheint zu vereinen, was viele gesundheitsbewusste Nutzer suchen. Sie bietet einen Plan mit verschiedenen Trainingseinheiten an: Wie häufig pro Woche Sport gemacht wird, legt der Nutzer selbst fest, ebenso das Trainingsziel wie Muskelaufbau oder Fettverbrennung.

Für die Übungen benötigen die Sportler keine Geräte, sie basieren ausschließlich auf dem Effekt des eigenen Körpergewichts – ähnlich wie bei der erfolgreichen Münchner Fitness-App Freeletics. In beiden Apps werden die Übungen per Video erklärt. Während das Freeletics-Training für seine Härte bekannt ist, geht 8fit die Sache etwas sanfter an. Das erklärt vielleicht, warum 70 Prozent der Nutzer weiblich sind. Freeletics hingegen wird häufiger von Männern genutzt.

Schließt ein Nutzer in der 8fit-App sein Workout ab, muss er angeben, wann er das nächste Mal Sport treiben kann. „Dieses Commitment kommt sehr gut an“, sagt Villalba. Bald möchte er ermöglichen, dass sich Nutzer diese Sport-Planung im Kalender anzeigen lassen können. Bisher werden sie per Push-Nachricht daran erinnert.

Screenshots aus der 8fit-App

Gleichzeitig gibt es in der 8fit-App einen Ernährungsplan mit gesunden und kalorienarmen Gerichten und die Rezepte dazu. Die Gerichte können gewechselt werden, wenn einem ein Vorschlag nicht passt. Hat man brav gekocht und gegessen, kann die Mahlzeit abgehakt werden. Ihre Fitness-Fortschritte können die Nutzer in der App festhalten.

„You better be happy“

Einige Funktionen von 8fit sind kostenlos verfügbar, für eine größere Zahl verschiedener Workouts und die Ernährungspläne zahlen die Nutzer. Die Preise rangieren, von 15 US-Dollar pro Monat bis zu 60 US-Dollar für ein Jahr. Der Umsatz, den Villalba damit erzielt, ist mit fünf Millionen Dollar bereits beachtlich für das zweite Geschäftsjahr. Profitabel sei 8fit allerdings noch nicht: „Wir investieren noch massiv in unser Wachstum und wollen unser Angebot verbessern“, sagt der Gründer. Bisher haben der spanische Seed-Fonds Vitamina K und einige Business Angels wie der langjährige Booking.com-CMO Arthur Kosten insgesamt 2,5 Millionen US-Dollar in 8fit investiert.

Für sein Startup kann Villalba sich noch einige neue Geschäftsfelder denken. Er würde gern die Zutaten für die gesunden Gerichte direkt zu den Kunden liefern lassen. Dafür stellt er sich zunächst Partnerschaften vor, zum Beispiel Marley Spoon findet er gut. Eigene Läden mit 8fit-Sportzubehör wie Hanteln schweben ihm ebenfalls vor.

Der Gründer will sich erst einmal weiter auf die USA konzentrieren: „Der Markt funktioniert für uns“, sagt der 30-Jährige. Plant er, mit seinem Startup wieder nach Kalifornien zu ziehen? Nein, lautet seine klare Antwort. „Uns gefällt es in Berlin. Und wenn Du etwas mindestens für die nächsten fünf Jahre machen willst – then you better be happy.“

Bild: 8fit