Fissenwert_Friedlein

Die beiden Gründer Peter Fissenewert (links) und Robin Friedlein

Klagen durchfechten oder Anwaltsarbeit erledigen: Das Legaltech-Segment boomt. Mit Abfindungsheld aus Berlin betritt ein weiteres Startup den Markt. Dieses konzentriert sich auf eine Nische: Abfindungen für Arbeitnehmer, wenn diesen gekündigt wurde.

Das Konzept: Das Startup arbeitet mit Anwälten zusammen, die für den Nutzer im Fall einer rechtswidrigen Kündigung eine Klage beim Arbeitsgericht einreichen. „Viele Arbeitnehmer wissen nicht, dass ihnen eine Abfindung zustehen kann, wenn die Kündigung unrechtsmäßig ist“, erklärt Gründer Robin Friedlein gegenüber Gründerszene. Gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Peter Fissenewert gründete er das Portal.

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Nutzer füllen online einen Fragebogen aus, anhand der Antworten kann das Startup einschätzen, ob es für den gekündigten Mitarbeiter eine Abfindung erreichen könnte. „So sehen wir, bei wem eine Abfindung überhaupt möglich ist“, sagt Friedlein. „Andere lehnen wir ab.“ 

Denn ein gekündigter Arbeitnehmer bekommt nicht automatisch eine Abfindung, es muss eine Vielzahl an Vorraussetzungen erfüllt werden. So übernimmt das Startup nur Fälle, in denen der gesetzliche Kündigungsschutz greift und die Entlassung nicht sozial gerechtfertigt war. Der Mitarbeiter muss auch mindestens sechs Monate in dem Betrieb angestellt und die Kündigung nicht länger als drei Wochen her gewesen sein. Wenn sich der Arbeitgeber dann vor Gericht auf eine Zahlung einlässt, um etwa Gerichtskosten und eine Weiterbeschäftigung des Mitarbeiters zu vermeiden, kommt es zur Abfindung.

Für den Nutzer ist Abfindungsheld zunächst kostenlos – bis tatsächlich eine Abfindungszahlung vorliegt. Davon bekommt das Startup dann 25 Prozent. Verliert der gekündigte Arbeitnehmer vor Gericht, zahlt der Kunde nichts.

Gegründet wurde Abfindungsheld im Mai dieses Jahres von Fissenewert und Friedlein, der bereits beim Legaltech-Startup FragRobin arbeitete. Auch dort kann man online prüfen, ob einem eine Abfindung zusteht. Die beiden Gründer haben gemeinsam mit ihren fünf Mitarbeitern seit dem Start im Juni zehn Kunden betreut. Ergebnisse lägen noch nicht vor, erzählt Friedlein. Das dauere im Schnitt sechs bis acht Wochen.

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