„Großartige Unternehmen werden in jeder Art von Umfeld gegründet.“ Accel-Partner Harry Nelis bleibt optimistisch für 2016.

Er trägt den unspektakulären Namen Accel London V. Für deutsche Gründer soll der stolze 500 Millionen Dollar schwere Fonds allerdings große Bedeutung haben: Ein guter Teil des Kapitals soll ganz explizit hierzulande investiert werden, der Rest im verbleibenden Europa und in Israel. Konkrete Ziele für die einzelnen Länder gebe es aber nicht, erklärt Accel-Partner Harry Nelis gegenüber Gründerszene. Stattdessen wolle der VC opportunistisch vorgehen.

Der neue Fonds soll sich auf Investitionen in Jung- und Wachstumsunternehmen konzentrieren, so Nelis weiter. Während es keinen besonderen Branchenfokus gebe, liege ein besonderes Augenmerk auf Marktplätzen, SaaS-Angeboten und neuer IT-Infrastruktur.

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Woher das Geld für die Investitionen des neuen Accel-Fonds kommt? Laut Nelis gibt es fünf grundsätzliche Arten von Geldgebern: Stiftungen, Gelder von (US-)Universitäten, Pensionsfonds, Dachfonds und Staatsfonds. Regional betrachtet stamme das Kapital vor allem aus den USA und Großbritannien, der Rest aus Festland-Europa. Der Gesamtwert der von Accel in Europa und in Israel verwalteten Fonds beträgt nach eigenen Angaben damit 2,5 Milliarden Dollar. Zu den bisherigen Investments gehören der Online-Vergleichsdienst Check24 in Deutschland, der Essens-Lieferservice Deliveroo, das Fintech-Unternehmen Funding Circle aus Großbritannien oder die Mitfahr-Plattform Blablacar in Frankreich.

Zuletzt war immer wieder davon zu hören, dass es in diesem Jahr vor dem Hintergrund der Abwertungen in den USA und an den europäischen Börsen schwer für junge Gründer werden könnte, eine Finanzierung zu bekommen. Nelis zeigt sich entspannt: „Großartige Unternehmen werden in jeder Art von Umfeld gegründet. Jedenfalls wird es 2016 nicht schwerer, Geld von uns zu bekommen.“

Die eingeknickten Unternehmensbewertungen etwa bei Dropbox, Yelp oder Snapchat seien vornehmlich ein Problem in späteren Unternehmensphasen. „Wenn man Geld zu solch hohen Bewertungen aufnimmt, sollte man sich sicher sein, dass es die letzte Runde ist“, sagt Nelis. Anders formuliert: Es sollte ein Exit in Aussicht stehen, damit die Investoren Gewinne realisieren können.

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Währenddessen sieht Accel-Investor Nelis noch deutliche Unterschiede zwischen dem deutschen und amerikanischen Markt. Zum einen hinsichtlich der hierzulande vergleichsweise eingeschränkten Vielfalt von Finanzierungsmöglichkeiten sowie der höheren Liquidität bei Börsengängen. Zum anderen aber auch auf einer ganz praktischen Ebene: „In den USA gibt es viel stärker standardisierte Term-sheets. In Europa sind die Verträge sehr unterschiedlich und dann gibt es auch noch länderspezifische Eigenarten.“ Auch die Gesetzgebung sei nicht immer hilfreich. „In Deutschland ist es immer noch sehr schwer, Mitarbeiterbeteiligungsprogramme aufzusetzen.“

Ob man sich als deutscher Gründer ab einer gewissen Unternehmensgröße unbedingt einen US-amerikanischen Investor suchen sollte? „Bei Unternehmenssoftware kann das schon hilfreich sein“, sagt Nelis. „Die USA sind der größte Markt und die Unternehmen schauen gerade bei Startups darauf, ob bekannte Investoren hinter dem Unternehmen stehen.“

Bild: Accel Partners

 

Triff Andrei Brasoveanu, Investor bei Accel, auf der HEUREKA Founders Conference am 20. Juni in Berlin.

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