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Adam Braun kann sich noch gut erinnern. An den Moment vor einigen Jahren, als er mit einem Investor in einem Hotelzimmer saß und diesem erzählte, er suche Geld für ein Non-Profit-Business. „Sein Blick hat sich deutlich verändert“, schildert der 33-Jährige die Szene. Als er klar machte, dass er es mit seinem Vollzeit-Projekt wirklich ernst meinte, sei der Investor gleich aus dem Gespräch ausgestiegen.

So sei es ihm häufig ergangen, erzählt Braun weiter: Sobald Profite aus dem Spiel waren, verabschiedeten sich die Investoren. Seitdem bezeichnet Braun sein Geschäft lieber als „For-purpose“-Unternehmen, aber das ist nicht der Grund, warum es ihm heute einfacher fällt, Investoren erfolgreich auf seine Ideen anzusprechen.

Denn Braun hat bewiesen, dass man etwas verändern kann in der Welt – ganz ohne Geldgier. Mit seinem ersten Projekt Pencils of Promise hat er bereits mehr als 400 Schulen in der Welt gebaut, die meisten davon in armen Gegenden Lateinamerikas, Afrikas oder Asiens, wo der Mangel am größten ist. Angefangen hatte alles im Jahr 2008 – mit 25 Dollar in bar und etwa 30.000 Dollar an Spenden. Ein Jahr später sammelte Braun 80.000 Dollar ein. 2010 knackte er die Million und zwei Jahre später die Fünf-Millionen-Marke.

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Der New-Yorker, der übrigens sehr an die Marktwirtschaft glaubt, hat gezeigt, dass sich soziale Unternehmen durchaus rentieren können – wenn man den Gewinn nicht unbedingt in Geld misst. Pencils of Promise hat Firmen wie Google, Dolce & Gabbana, Versace, AOL, Vogue, AEG Live oder Birchbox überzeugt, die jetzt nicht nur ihre Spenden steuerlich absetzen, sondern auch Bewusstsein für ihre unternehmerische Gesellschaftsverantwortung – CSR – zeigen können. „Heute können die Unternehmen damit auftreten, um Talente anzuwerben. Denn die suchen immer mehr nach Arbeitgebern, die sich sozial engagieren“, glaubt Braun.

Seine Idee habe er bei einer Reise durch Indien gehabt. „Ich fragte einen Jungen, was er sich am meisten wünscht. Und er antwortete: einen Stift.“ Damit war nicht nur die Idee für sein Projekt in Brauns Kopf geboren, sondern auch der Name. Dass er sich nicht in die „verträumte Gutmenschen“-Ecke drücken lassen will, hat seinen Grund: „Wenn ein soziales Business erfolgreich sein will, muss es nach den gleichen Regeln geführt werden wie ein marktwirtschaftlich arbeitendes Unternehmen“, formuliert Braun seine Überzeugung.

Mittlerweile hat Braun den Chefposten bei Pencils of Promise abgegeben. Nicht, weil er des Geschäfts müde wäre. Sondern, weil er ein Buch geschrieben hat, mit dem er soziales Unternehmertum fördern will. Sein Erfolg, seine Auftritte und sein Buch haben ihn zu einer Art Social-Business-Rockstar gemacht. Er schaffte es in Unternehmer-Bestenlisten von Business Insider und Wired, gehört zu den zehn vom World Economic Forum ausgezeichneten Global Shapers. Mit dem Rockstar-Image weiß Braun umzugehen.

Braun hat sein erstes Projekt für sich aber auch abgeschlossen, weil er bereits an seinem nächsten gearbeitet hat, das gerade in den Startlöchern steht: „Mit Mission U habe ich versucht, meine ursprüngliche Idee weiter zu denken“, erklärt Braun. Sein Ziel ist es, die Hochschulbildung in den USA zu verändern.

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Vor allem die Schulden, die sich während des Studiums für jene anhäufen, die auf Kredite angewiesen sind, hat Braun im Visier. „Die halten die Menschen später davon ab, ihre Gemeinschaft zu unterstützen oder unternehmerisch tätig zu werden“, sagt Braun. Dass er selbst keine Schulden nach dem Studium hatte, habe ihm den Schritt ins Unternehmertum einfach gemacht. Etwas Eigenes zu starten, dürfe nicht das Privileg einzelner Personen aus wohlhabender Herkunft sein – ein Problem, das gerade das Silicon Valley sehr plagt

Um seine Vision umzusetzen, will Braun vor allem genau herausfinden, was die führenden Arbeitgeber im Lande suchen. Wie sieht die Arbeitnehmerschaft des 21. Jahrhunderts aus? Welche Fähigkeiten werden gebraucht? Auf dieser Basis will er einen Bildungsweg aufbauen, der die Zeit von Ausbildungsbeginn bis zur Anstellung verkürzt – damit die Mission-U-Studenten nach einem Jahr in Lohn und Brot stehen. „Studiengebühren wird es nicht geben, dafür ein strenges Auswahlverfahren“, erklärt er.

Das Geschäftsmodell? „Die Studenten geben uns drei Jahre lang 15 Prozent ihres Gehalts ab, wenn sie mehr als 50.000 Dollar verdienen“, so Braun weiter. Will heißen: Wer nach der Ausbildung gut bezahlt wird, bringt Brauns Projekt mehr Geld ein. Das sporne an, glaubt der US-Amerikaner. Auch bei seinem neuesten Projekt geht es übrigens nicht um Profit. Aber Investorengespräche dürften diesmal wohl erfolgreicher verlaufen als vor neun Jahren.

Bild: Alex Hofmann / Gründerszene