Meg He und Nina Faulhaber zeigen sich gerne in Aday

Rumhängen, in den Tag hineinleben, einen Gang zurückschalten – das ist nichts für die Gründerinnen Nina Faulhaber und Meg He. Die Freundinnen lernten sich nach dem Studium bei der Investmentbank Goldman Sachs kennen. Bis tief in die Nacht saßen sie dort gemeinsam vor ihren Rechnern, analysierten Zahlen, bauten Tabellen. „Wir haben uns sofort gut verstanden, weil wir beide viele Leidenschaften außerhalb der Arbeit hatten – beispielsweise Reisen. Außerdem haben wir viel über die Zukunft und neue Ideen gesprochen“, erzählt Nina Faulhaber bei unserem Gespräch. Wir erreichen die Gründerin in New York.

Die gebürtige Frankfurterin studierte an der EBS in Oestrich-Winkel. Nach einigen Jahren bei Goldman Sachs wechselte sie zu dem VC Index Ventures in London. Zuständig für E-Commerce-Modelle sah sie viele Businesspläne, lernte erfahrene Gründer kennen. Ihre Freundin Meg He legte parallel im Silicon Valley ein Studium an der Stanford University drauf.

Die beiden blieben in Kontakt und machten sich auf die Suche nach einem Modell für ein gemeinsames Unternehmen. Die Idee für ihr erstes eigenes Label kam den Gründerinnen schließlich, weil sie mit dem Problem zu kämpfen hatten, das vielen Arbeitnehmerinnen bekannt vorkommen dürfte: Beide saßen viele Stunden an ihrem Arbeitsplatz, wollten parallel aber auch Sport machen, um fit zu bleiben und zwischendurch abzuschalten. Andererseits wollten sie nicht ständig mit einer riesigen Sporttasche durch die Gegend laufen – viel zu unpraktisch.

„Als Kind war ich begeisterte Turnerin und habe sogar auch mal die Hessenmeisterschaft gewonnen“, erzählt Nina Faulhaber. „Sport war immer ein sehr wichtiger Teil meines Lebens, bis er bei Goldman Sachs schließlich auf der Strecke blieb.“ Als Konsequenz habe sie Rückenschmerzen bekommen. Sie begann zu verstehen, wie wichtig Sport und Balance für ihren Alltag und damit auch den beruflichen und persönlichen Erfolg ist. Ihre Mitgründerin Meg He entdeckte während ihres Studiums an der Westküste ihre Leidenschaft für Yoga und ließ sich schließlich zur Yoga-Lehrerin ausbilden.

Für Faulhaber und He, beide 28 Jahre alt, wurde ein Ziel klar: Sie wollten es vielbeschäftigten Frauen ermöglichen, Sport so einfach wie möglich in den stressigen Alltag zu integrieren. Mitte Mai vergangenen Jahres legten sie los. Herausgekommen ist Aday, ein Label für Sportkleidung, die elegant und schlicht ist, sodass sie auch im Büro getragen werden kann.

Die Bestseller-Leggings

Zu der aktuellen Kollektion zählt beispielsweise eine Trackpants in schlichtem Schwarz mit goldenen Reißverschlüssen für 95 US-Dollar. Oder eine glänzend blaue Laufjacke für 155 US-Dollar. Der Bestseller ist die sogenannte „Throw & Roll Legging“ in schwarz oder dunkelblau. Kostenpunkt: 125 US-Dollar.

Das Besondere an den Teilen von Aday: Die einzelnen Stoffstücke werden zusammengeklebt, nicht genäht – eine neue Technologie, mit der zuerst der Sportausrüster Nike arbeitete. So sind die fertigen Kleidungsstücke elastischer und bequemer. Nur wenige Fabriken arbeiten mit dieser Technologie. „Wir wollten unbedingt mit einem Produzenten in Portugal arbeiten, dessen Maschinerie und Expertise uns die Möglichkeiten gab, komplett neue innovative Designs zu kreieren“, erzählt Faulhaber. „Doch die wollten uns erst nicht. Wir haben also immer wieder angefragt, haben uns schließlich einen Flug nach Portugal gebucht und haben gepitcht. Nach sechs Monaten haben sie dann endlich zugesagt.“

Angefangen haben die Gründerinnen in London. Eine siebenstellige Dollar-Finanzierung sammelten sie zum Start von zahlreichen Business Angels ein, darunter auch mehrere Deutsche. Den Umsatz wollen die Gründerinnen nicht nennen. Nur so viel: Jede Kundin kaufe für durchschnittlich 176 Euro ein, sagen sie. Bisher verschickt Aday nur in die USA und nach England; bald soll der Versand nach Deutschland starten.

Mittlerweile pendelt das Team von Aday, das aus acht Frauen besteht, zwischen New York und London. Ein kleines Büro mit Showroom hat Aday im hippen New Yorker Stadtteil Soho. „Wir sind im Oktober mit unserem ganzen Team nach New York gezogen, weil der Großteil unserer Kundinnen in den USA ist. Die meiste Innovation findet doch noch hier statt. Leute sind offener und stellen den Status quo in Frage“, erzählt Faulhaber und verweist auf andere New Yorker Marken wie das Matratzen-Startup Caspar, die häufig miteinander kooperieren. Außerdem sei es ihr wichtig, dass das Team flexibel bleibt. „Meistens sind wir alle zusammen im Büro, aber unsere Mitarbeiter können arbeiten, wo sie wollen. Viele verbringen noch viel Zeit in London. Uns ist wichtig, dass sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen, dass sie ihre Zeit kontrollieren und dadurch nicht nur super Arbeit produzieren, sondern auch glücklich sind.“

„Whereever the day takes you“, lautet auch das Motto von Aday. Die Zielgruppe: Frauen zwischen 25 bis 40 Jahren, spontan und flexibel. Die moderne Globetrotterin. Stylisch und erfolgreich. „Unsere Kundinnen trennen nicht so stark zwischen Freizeit und Arbeit und fühlen sich überall zuhause. Sie sind oft busy, sehnen sich aber nach Simplification, nach Werkzeugen, die ihnen helfen, ihr Leben besser zu navigieren. Damit sie ihre Zeit mit den Dingen verbringen können, die wirklich wichtig sind“, fasst Faulhaber zusammen.

Nina Faulhaber und Meg He kennen ihre Kundinnen, denn sie sind selbst ihre besten.

Nina Faulhaber mit ihrem Team.


Nina Faulhaber ist auch auf der „30 under 30“-Liste von Forbes. Hier könnt ihr sehen, wer noch dabei ist:

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Jonas Drüppel, Daniel Taschik und Roland Grenke (von links) entwickelten die App Dubsmash. Viele Promis haben dafür gesorgt, dass die Berliner einen viralen Hit landeten. Das Konzept: Nutzer können vorgefertigte Ton-Schnipsel mit einem eigenen Video versehen.

Bild: Aday