adblock plus kritik

Till Faida, Geschäftsführer von Eyeo

Medienhäuser gehen gegen Werbeblocker vor

Klingt eigentlich gut: Adblock Plus will Nutzer „vor nerviger Werbung schützen“ und blockiert deswegen einen Großteil der Werbeanzeigen auf Internetseiten. 50 Millionen Nutzer vertrauen nach Angaben des Unternehmens auf das Angebot. Das Problem ist nur: Werbetreibende verlieren damit Anzeigenflächen, Nachrichtenseiten und Blogs sehen ihr Geschäftsmodell gefährdet. Nun gerät der Adblock-Betreiber Eyeo von verschiedenen Seiten unter Beschuss.

Denn zum einen gibt es für Werbetreibende offenbar durchaus einen Weg, den Adblock-Filter zu umgehen: Ende vergangener Woche deckte der Tech-Blogger Sascha Pallenberg auf, dass sich Google für 25 Millionen US-Dollar einen Platz auf der sogenannten Whitelist erkauft haben soll. Adblock hingegen behauptet auf seiner Homepage: „Es ist nicht möglich, sich einen Platz auf der Whitelist zu kaufen.“ Allein im Jahr 2012 soll Google 887 Millionen US-Dollar Umsatz durch die geblockten Werbeanzeigen verloren haben, wie Business Insider berichtete. Laut Pallenberg sollen auch Amazon oder eBay Millionen an das Kölner Unternehmen Eyeo gezahlt haben, das den Werbeblocker betreibt.

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Aus Unternehmenskreisen heißt es zu den Vorwürfen, dass die von Pallenberg genannten Zahlen „überhaupt nicht stimmen“. Es sei allerdings richtig, dass rund zehn Prozent der Unternehmen auf der Whitelist als zahlende Partner fungierten.

Auf der anderen Seite gehen die ersten Medienunternehmen gegen den Adblocker vor. SevenOne Media (ProSiebenSat.1), IP Deutschland (RTL) und Axel Springer Media Impact prüfen derzeit rechtliche Schritte gegen Eyeo.

„Wir beobachten die Entwicklungen hier sehr genau und prüfen derzeit sowohl rechtliche als auch technische Schritte gegen die Eyeo GmbH als Betreiber von Adblock Plus“, sagt Marcus Prosch von SevenOne Media. Auch Cordelia Wagner von IP Deutschland, der Vermarktungsgesellschaft von RTL, bestätigt: „Es werden rechtliche Schritte geprüft.“ Mit einer ähnlichen Aussage lässt sich auch eine Sprecherin von Axel Springer zitieren: „Wir prüfen stets alle Optionen.“

Eine Klage gegen Eyeo habe man allerdings noch nicht eingereicht, erläutert Porsch von SevenOne Media. Er widerspricht damit einem Bericht des Focus, wonach Klagen mehrerer Online-Werber gegen Adblock Plus bereits unterwegs seien.

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Auch bei Eyeo will man von den Vorhaben der Medienhäuser noch nichts gehört haben: „Wir haben von den Plänen der Online-Vermarkter aus den Medien erfahren. Bisher wurden aber weder wir, die Eyeo GmbH, noch unsere Anwälte in dieser Angelegenheit kontaktiert“, so die Macher von Adblock Plus. Wir sehen einer eventuellen Klage durch die Online-Vermarkter jedoch gelassen entgegen.“ In der Vergangenheit hätten Juristen „die rechtliche Zulässigkeit unseres Geschäftsmodells bestätigt“.

Dass man bei Adblock für einen Platz auf der Whitelist bezahlen kann, stößt den Vermarktern zusätzlich sauer auf. Kürzlich beschwerte sich SevenOneMedia-Geschäftsführer Thomas Port bei Horizont: „Während sie bei den Usern stolz einen Adblocker als die Rettung vor nerviger Werbung im Internet promoten, halten dieselben Schlauberger hinter dem Rücken die Hand auf: Wer brav seinen Obolus entrichtet, hat schnell wieder freien Durchmarsch zum User.“ Port appellierte an seine Branchenkollegen, das Thema nicht zu vernachlässigen, „um den unseriösen Angeboten der digitalen Türsteher den Garaus zu machen“.

Bild: Adblock Plus