Adjust-Titel

Die Adjust-Gründer Christian Henschel, Paul Müller und Manuel Kniep (von links)

Die App Prisma ist ein gutes Beispiel für einen App-Hype. Vor einiger Zeit geisterte das Progrämmchen mit den verrückten Kunstfiltern durch alle sozialen Netzwerke. Viele konnten sich nicht sattsehen an den geschaffenen Kunstwerken – erstellt innerhalb von Sekunden.

Wenige Monate später reden nur noch wenige von der Kunst-App. In den Rankings der App Stores ist die Anwendung abgesackt – von vielen Smartphones nach kurzem Gebrauch wieder gelöscht, um Platz für neue Bilder und Apps zu schaffen.

Die kurze Episode zeigt: Nur wenigen Apps auf dem Homescreen bleiben wir wirklich treu. Hinzu kommt eine weitere Entwicklung, sogenannte Bots für Messenger-Apps. Über den SMS-Ersatz von Facebook etwa sollen demnächst Online Shops für die Nutzer verfügbar sein: In der Zukunft reicht es dann, in den Chat zu schreiben, welches Shirt man gern hätte, die Auswahl erfolgt automatisch. Eine neue Ära der Bots ist von zahlreichen Experten bereits eingeläutet. Stehen wir also vor einem Ende der Apps?

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Christian Henschel muss die Antwort auf diese Frage kennen. Mit seinem Startup Adjust analysiert er anhand von Milliarden von Datensätzen, wie die Menschen Apps verwenden. Die Technik von Adjust  – das sogenannte SDK – ist in Apps von Uber, Spotify oder Zalando integriert. Insgesamt ist die Technologie des Berliner Unternehmens nach eigenen Angaben auf jedem zweiten Smartphone der Welt zu finden, das wären etwa 1,5 Milliarden Geräte. Mit dem Geschäft der App-Analyse macht das Berliner Startup bereits Millionen-Gewinne. Es ist so erfolgreich, dass Adjust im vergangenen Jahr den 2. Platz des Wachstums-Rankings belegte, mit einem durchschnittlichen Umsatzwachstum von 1.254 Prozent. Ein Ende der Apps wäre schlecht für das Geschäft.

Für Henschel ist die Entwicklung der Smartphone-Programme logisch: „Der Wettbewerb unter den Apps hat drastisch zugenommen – es ist dadurch sehr viel schwerer, eine gute Platzierung in den App Stores zu bekommen.“ Doch entscheidend sei eine andere Erkenntnis: „Bis vor Kurzem bekam ein typischer E-Commerce-Shop noch die Hälfte der Besucher über Smartphones, gekauft haben die Leute dann doch lieber über den Desktop“, sagt Henschel.

Doch mittlerweile würden große Player wie Zalando oder Delivery Hero und Spotify wahrscheinlich mehr als die Hälfte ihrer Umsätze direkt über die Apps machen, sagt Henschel. Auch in der Nische könnten Apps sehr erfolgreich funktionieren. Eine der umsatzstärksten Apps in Deutschland sei übrigens die Blitzer-App.

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Dass die Nutzer in Zukunft automatisch per Bot in einem Messenger Produkte kaufen oder Bankgeschäfte abwickeln, daran zweifelt der Adjust-Gründer nicht. „Das wird kommen.“ Die Frage ist, wann. „Ich sehe bislang noch kein einziges erfolgreiches Beispiel“, sagt Henschel. Er habe sich aber lediglich erste Bots im Gesundheitsbereich angeschaut.

Auf diese neuen Entwicklungen wird sich Adjust einstellen. „Am Ende geht es nur um das Interface, das der Nutzer sieht“, sagt Henschel. Und dort könnten Unternehmen auch ihre Technik einsetzen. Die Vision von Adjust geht noch weiter. „Selbst in einer Drohne sind 80 Prozent der Hard- und Software ähnlich der eines Smartphones, auch in Autos werden immer mehr Apps zum Einsatz kommen“, sagt Henschel. Und Adjust verfolgt dann, wie die Leute Smartphones oder eine App im Auto verwenden.

Als nächsten Ansatz sieht der Adjust-Gründer erst einmal den Fernseher mit Apps kommen. „Den App Store im Apple-TV können wir bereits verfolgen.“ In den kommenden Jahren wollen sie ihr Analyse-Tool auf einen Großteil der vernetzten Fernsehgeräte bringen. „Dadurch wird viel genauer gemessen, was die Leute wirklich schauen“, sagt Henschel. Personalisierte Fernseh-Werbung – seit Jahren ein Traum der Werbeindustrie – könnte dann endlich Realität werden.

AdTech-Startup Adjust: Ein Seismograf für die Welt der Apps

Ein Seismograf für die Welt der Apps

Das Berliner Startup Adjust analysiert, wie Menschen Apps verwenden. Innerhalb von drei Jahren ist es damit zu einem globalen Spieler aufgestiegen.

Bild: Michael Berger / Gründerszene