Ein durchtrainierter Typ stemmt Gewichte, ein Wintersportler springt spektakulär von einer Sprungschanze, ein Mann im Karateoutfit zerschlägt Ziegelsteine: Diese Szenen stammen aus einem Video aus dem Jahr 2006. Der Mann ist stets derselbe: Der mittlerweile verstorbene Aleksey Vayner war da gerade 22 Jahre jung, ein Yale-Student mit usbekischen Wurzeln.

Das Ganze ist ein Bewerbungsvideo: Vayner will damit einen Job bei der Investmentbank UBS in New York bekommen. Großspurig hat er das Video mit „Impossible is nothing“ betitelt. Die meiste Zeit ist er in einem typisch amerikanischen Talkshow-Ambiente zu sehen: Aus einem Wildledersessel beantwortet er Fragen aus dem Off, in feinstem Bankerjargon.

Die Bewerbung unterscheidet sich von den sonst üblichen Papier-Handouts mit Anschreiben und Lebenslauf. Aber sie hält sich im Prinzip auch an die Regeln der Bewerbungscoaches: sich präsentieren, auffallen, aus der Masse der Bewerber herausstechen. Video-Bewerbungen sind inzwischen ein echter Trend, in den USA gang und gäbe und langsam auch in Europa en vogue. Experten warnen aber: Die Videos sollten einen gewissen Grad an Professionalität aufweisen.

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An der hatten die Banker bei UBS offenbar Zweifel. Sie befanden das Video für eher kurios und leiteten es an Kollegen weiter. Irgendwie fand das Machwerk seinen Weg auf das zu der Zeit noch junge Portal YouTube: Es ging viral. Etliche Nutzer stellten Parodien online, sogar die TV-Serie „How I met your mother“ bezog sich auf das Phänomen. Widerstand schien zwecklos. Je mehr Vayner versuchte, mit Klagen gegen YouTube und andere Blogger vorzugehen, desto heftiger eskalierte die Situation. Dann begann einer der Blogs – die Klatschseite IvyGate – in Vayners Vergangenheit zu wühlen.

Er fand heraus, dass Vayner ein Buch über Frauen im Holocaust publiziert hatte, das offenbar zu weiten Teilen plagiiert war. Vayner hatte eine Charity-Organisation gegründet, die er mit einem Gütesiegel bewarb, das nie an die Organisation vergeben worden war. Unter Kommilitonen wurde gemunkelt, er habe sich seinen Platz an der Universität erschlichen. Vayner selbst soll behauptet haben, seine Zulassung durch ein Empfehlungsschrieben des Dalai Lama erhalten zu haben.

Vayner verließ Yale schließlich ohne Abschluss, später unterrichtete er Tennis und gründete verschiedene Unternehmen. Laut seiner ehemaligen Facebookseite arbeitete er auch für Morgan Stanley und besuchte die London School of Economics. Nachweise dafür gibt es nicht.

Aleksey Vayner war eines der ersten Opfer des Internet-Shitstorms, er wurde von Millionen Nutzern verlacht und für wahnsinnig erklärt. Aber nicht nur wegen seiner spektakulären Video-Bewerbung hatte er auch Bewunderer, für sein Durchhaltevermögen und seine Entschlossenheit. 2013 starb Vayner im Alter von nur 29 Jahren.

Bild: Screenshot