Alexander straub gruender empora group

Technologie und Fashion

Alexander Straub hat bei diversen Startups seine Hände im Spiel: Der Gründer von Mondus und Mitgründer von Truphone investierte unter anderem in die Beschaffungssoftware IBX und den E-Invoicing-Anbieter OB10. Aktuell widmet sich der umtriebige Seriengründer jedoch einzig der Empora Group. Die 2010 gegründete Unternehmensgruppe mit Sitz in Wismar ist mit verschiendenen Projekten im Mode-Bereich aktiv. Zum Unternehmensportfolio gehört auch die Mode-Community Fashionfreax, die im September eine neue App gelauncht hat. Mit ihr können Nutzer beispielsweise via Bildschirmberührung eine Mode-Suchanfrage starten.

Im Interview mit Gründerszene erzählt Alexander Straub von seiner Technologie-Affinität, weshalb sich Empora vor allem an eine weibliche Zielgruppe richtet und wieso Webseiten heutzutage ein alter Hut sind.

Alex, Du bist doch eigentlich Seriengründer aus dem Tech-Bereich. Bist Du besonders modeinteressiert oder warum der starke Fashion-Fokus?

Ich bin zwar inzwischen jemand, der auch auf Mode achtet, tatsächlich bin ich aber mehr an den Datenmodellen darunter und an der Technologie dahinter interessiert. Es gibt da sehr viele technische Fragen, die nicht so einfach lösbar sind – das finde ich hochinteressant. Beispielsweise mussten bei der neuen App für die Mustererkennung komplexe Algorithmen erarbeitet werden. Ein Computer kann beispielsweise nicht – wie das menschliche Auge – Schatten sehen und hat extreme Schwierigkeiten, ein Karomuster zu erkennen. Dem Computer das beizubringen, ist unfassbar aufwändig und kompliziert – es macht zugleich aber auch unglaublich viel Spaß.

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Ihr hattet bereits im letzten Jahr die iOS-App Fashionfreax Lens gelauncht, mit der Nutzer farbbasiert nach Kleidung suchen können. Die neue App kann nun eben auch Muster erkennen – ist das die einzige Neuerung?

Nein, bei Lens benutzt man für Suchanfragen die Kamera vom Smartphone oder Tablet. Jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter und zeigen: Man kann auch auf dem virtuellen Screen etwas anfassen und daraus eine Suche entwickeln. Diese Erweiterung ist eine spannende Sache und noch total neu. Wer heute etwas suchen will, gibt vermutlich hauptsächlich Texte in eine Suchmaschine ein. Ein kleiner Teil der Leute spricht dafür vielleicht auch mit dem Computer oder dem Telefon. Jetzt werden gewissermaßen noch weitere Sinne eingebunden.

Zum Portfolio der Empora Group gehören neben Fashionfreax ja auch noch weitere Projekte, die sich mit dem Thema Mode befassen, zum Beispiel Avenue7 oder FashionZoom. Welches Geschäftsmodell verbirgt sich hinter diesen verschiedenen Komponenten?

Wir arbeiten mit Affiliate-Modellen und binden so unsere Partnershops ein. Das Monetarisierungskonzept, das aber viel weiter vorsteht, ist Werbung. Die Plattform ist dafür quasi wie geschaffen: Wir basteln an etwas, das ich Product Recommendation Engine nenne – wir wollen da einen Mehrwert generieren, ohne die Nutzer mit nerviger Werbung oder der ungezielten Abfeuerung von Newslettern zu verfolgen.

Gibt es neben Empora noch weitere Projekte, an denen Du zur Zeit arbeitest?

Nein, ich betreue Empora gerade in Vollzeit. Die anderen Firmen sind inzwischen schon so groß geworden. Truphone beispielsweise, das ich mitgegründet hatte, beschäftigt heute rund 1.000 Mitarbeiter. Da bin ich letztes Jahr auch aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden, um mich auf kleinere Geschichten stürzen zu können. Das sind also alles alte Kamellen – ich kann mir zwar durchaus vorstellen, dass aus meiner Schublade noch ein paar neue, spannende Projekte kommen könnten – zur Zeit ist Empora aber mein einziges Augenmerk. Mich interessieren immer Projekte, die sich in der Entwicklung befinden, mit denen man was machen kann.

Bei Empora gibt es also noch einiges zu tun?

Es geht schon alles in die richtige Richtung, wir lernen eigentlich in jeder Stufe dazu. Ich denke, wir haben mittlerweile das richtige Geschäftsmodell für uns gefunden. Wir haben bewiesen, dass eine sehr große weltweite Personengruppe dafür in Frage kommt – nämlich eine Gruppe von potenziellen 250 Millionen Nutzern.

Inzwischen sind wir auf gutem Wege, bei unseren Nutzerzahlen die Millionenmarke zu knacken – und zwar ohne jegliche Marketingausgaben. Außerdem haben wir eine ganz gute Position erreicht gegenüber anderen sozialen Plattformen, auf denen man sich austauscht. Auch und gerade, weil unsere Fokussierung so spitz ist: Wir richten uns ja vorrangig an Frauen zwischen 18 und 35 Jahren.

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Warum ist das so? Es gibt doch auch viele modeinteressierte Männer.

Ach, eigentlich ist es nicht so sehr der Fall, dass wir uns strikt auf Frauen fokussieren, sondern die Frauen haben vielmehr uns gefunden. Das Thema Mode wird natürlich für Männer auch immer größer, das merken wir auch und haben deshalb auch schon eine Men’s Style Section aufgemacht. Aber Fashion ist einfach etwas, das Frauen viel mehr interessiert. Ich glaube, der Männeranteil wird immer unter zehn Prozent bleiben.

Ihr arbeitet schon seit vier Jahren an und mit Fashionfreax, daher muss die Frage gestattet sein: Warum sieht die Seite immer noch so sehr nach Web 2.0 aus?

Das ist ganz einfach zu erklären. Weil wir noch keinen Designer haben! (lacht) Sicherlich präsentiert sich unsere Webseite noch nicht im schönsten Design – dies soll sich jedoch in Kürze ändern. Die Funktionalität stimmt aber. Zudem liegt unser Fokus momentan mehr auf unseren Apps, da der allergrößte Teil unserer User täglich darüber auf unsere System zugreift. Außerdem darf man nicht vernachlässigen, dass man sehr auf die Nase fallen kann, wenn man zu früh zu stark am Design arbeitet und die Bandbreiten außer Acht lässt. Wenn man eine große Zielgruppe anspricht, muss man lange Zeit sehr einfach bleiben. Das sieht man beispielsweise auch bei Twitter. Wir machen das also nicht ganz unbewusst.

Generell kann man ja sagen, dass Websites schon ein alter Hut sind. Trotz allem ist unsere Website sogar schon neu gelauncht worden – davor war sie sogar noch viel schlimmer! Die Funktionalität dabei stimmt aber voll und ganz. Gute Designer dürfen sich trotzdem gerne bei uns melden.

Danke für das Gespräch, Alex.

Bild: Alexander Straub