Hansa

Polizei-Humor: Operation Bayonet hat Hansa und Alphabay versenkt

Drogen, Waffen und Computerviren ließen sich mit wenigen Klicks kaufen, gezahlt wurde in Krypto-Coins. Nun ist damit Schluss: Zwei der größten Darknet-Seiten,
Alphabay und Hansa, sind offline. Ein Allianz aus diversen Polizeibehörden hat die Seiten übernommen und die Betreiber ermittelt.

Das FBI, die US-Drogenbehörde DEA, die Dutch National Police, Europol sowie auf deutscher Seite das BKA und die hessische Staatsanwaltschaft waren an „Bayonet“, wie die Operation ironisch betitelt wurde, beteiligt.

Der Gründer soll Selbstmord begangen haben

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Alphabay galt als die größte Handelsseite im nur über das Tor-Netzwerk erreichbaren Teil des Internets. Hansa nahm bisher Platz drei ein. Gehandelt wurden neben Drogen und Waffen auch verschreibungspflichtige Medikamente, Hehlerware, Pornographie und gestohlene Kreditkarten. Gezahlt wurde in Bitcoins oder Monero. Bereits Anfang des Monats war die Alphabay-Seite nicht mehr aktiv. Nach Berichten des Independent hatte die thailändische Polizei auf Bitten von US-Ermittlern einen 26-jährigen Kanadier namens Alexandre Cazes festgenommen, der unter dem Pseudonym DeSnake als Gründer der Seite gilt. Sein Vermögen in Höhe von 18 Millionen Dollar sei beschlagnahmt worden, berichtete die Deutsche Welle. Nach Darstellung der thailändischen Behörden soll sich der Beschuldigte eine Woche nach der Verhaftung in der Gefängniszelle das Leben genommen haben.

Vor der Zerschlagung hatte Alphabay nach Angaben von Europol rund 200.000 Nutzer und 40.000 Verkäufer gelistet. Seit der Gründung im Dezember 2013 sollen rund eine Milliarde Dollar über die Plattform den Besitzer gewechselt haben.

Zehntausende Nutzerdaten liegen nun bei der Polizei

„Diese versteckte Seite wurde beschlagnahmt“, schreibt die Niederländische Polizei auf den zwei nun abgeschalteten Seite und schiebt als kleine Drohung hinterher: „Sie wurde von uns seit dem 20. Juni überwacht.“

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Denn die Ermittler hatten Hansa-Server in den Niederlanden beschlagnahmt und die teils illegalen Geschäfte auf der Webseite nicht unterbunden, sondern die User vorerst gewähren lassen. Nach der früheren Abschaltung von Alphabay sollen die Aktivitäten auf Hansa sogar noch von 1.000 Transaktionen auf 8.000 pro Tag gestiegen sein. Durch die Überwachung sollen die Ermittler Zehntausende unverschlüsselte Nachrichten zwischen Käufern und Verkäufern abgefangen haben. Rund 10.000 Lieferadressen seien ebenfalls unter den Daten, die nun von Europol ausgewertet würden. Hinter den Betreibern der Hansa-Seite sollen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt zwei 30- und 31-jährige Deutsche aus Siegen stecken.

Es dürfte aber nicht lange dauern, bis andere Handelsplattformen die Marktposition von Hansa und Alphabay übernehmen dürften. Auf Behörden-Seite ist man sich dessen bewusst, gibt sich aber selbstbewusst: „Wir haben eine klare Botschaft gesendet, dass wir Kriminalität identifizieren und zurückschlagen – auch im Dark Web“, warnte Europol-Direktor Rob Wainwright die Darknet-Community, „Mehr solcher Einsätze werden kommen.“

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Bild: Screenshot / Hansa