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Im Zeichen des E-Commerce-Riesen: Ralf Herbrich von Amazon, Miriam Meckel von der Wirtschaftswoche, Moderator Richard Gutjahr, Dietmar Grichnik von der Uni St. Gallen und Markus Reithwiesner von der Haufe Gruppe (von links).

Einfach nur ein riesengroßer Online-Laden, in dem es alles zu kaufen gibt? Nein, damit gibt sich Amazon nicht zufrieden. Man möchte etwas mehr sein. Der Deutschland-Chef von Amazon, Ralf Kleber, sagt: „Wir wollen digitales Unternehmertum ermöglichen.“ Aha. Der große Ermöglicher. Auf der sogenannten Amazon Academy in Berlin trafen sich jedenfalls 500 Teilnehmer, die sich Vorträge anhörten und in Workshops erarbeiteten konnten, wie man als Autor, Händler, Kreativer oder Entwickler am besten mit Amazon zusammenarbeitet, um Erfolg zu haben.

„Die vielen kleinen Händler sind lebenswichtig für Amazon“

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Der Onlinehändler positionierte sich dabei als Motor der Digitalisierung in Deutschland. Kleine Händler sollen die Infrastruktur des US-Giganten nutzen, um Geld zu sparen. Eine eigene IT-Abteilung sei nicht nötig, man erreiche mit Hilfe von Amazon innerhalb von ein paar Minuten 300 Millionen Kunden von Amazon. Für 39 Euro im Monat. Heißt es. Gleichzeitig seien die vielen kleinen Händler aber auch „lebenswichtig“ für Amazon, räumte Kleber bei seiner Begrüßung ein. Das hörten die versammelten Gäste natürlich gerne. Sie wollen ja auch wichtig sein.

Das Geheimnis der E-Book-Königin

Die „E-Book-Königin“ von Amazon, Poppy J. Anderson, durfte kurz erzählen, wie sie mit Hilfe der Plattform millionenfach ihre Bücher unter das Volk gebracht hat. Die Firma von Jörg Loebner handelt seit mehr als 330 Jahren mit Spielzeug. Sogar die DDR hat das Torgauer Traditionsunternehmen Carl Loebner überlebt. Mittlerweile macht das Offline-Geschäft nur noch fünf Prozent der Umsatzes aus. Der Rest komme inzwischen durch das Geschäft auf Amazon zustande, berichtet der Chef.

Ein neues Förder-Programm von Amazon soll ab jetzt auch kleinere Händler unterstützen. Sie erhalten Hilfe für ihren Einstieg in den Online-Handel und die internationale Expansion. Erfahrene Profis stehen als Berater zur Verfügung. Es wird ein E-Commerce-Business-Plan erarbeitet und umgesetzt. Außerdem werden die technischen Gegebenheiten der Händler gecheckt und gezielt verbessert. Das Programm startet Anfang 2017.

Was ist eigentlich ein Two-Pizza-Team?

Doch für die Unternehmer gibt es weitere Hürde, wie der FDP-Chef Christian Lindner in seiner Rede deutlich macht. In seiner Keynote erwähnte er, dass die Berliner Verwaltung die schlechteste in ganz Europa sei. Hier werde in weiten Teilen noch auf Windows XP gearbeitet. Hinter Berlin lägen nur noch Rom, Neapel und Palermo. Nicht der Sozialismus sei die größte Gefahr für Deutschland, sondern der Bürokratismus. Man erkennt die Berliner im Publikum sofort am zustimmenden Kopfnicken.

Amazon selber will diese Bedrohung mit schlanken Arbeitsabläufen abwehren. Ralf Herbrich, Geschäftsführer des Entwicklungszentrum, sieht seinen Arbeitgeber in Teilen immer noch als Startup. „Wir arbeiten in sogenannten Two-Pizza-Teams.“ Die bestehen aus sechs bis sieben Angestellten, die von zwei Pizzen satt werden. Diese Teams entwickeln eigenständig ihre Features. Experimente seien erlaubt, scheitern auch – und man dürfe auch von zu Hause arbeiten.

Richtige Ansätze für die digitale Wirtschaft

Das sind alles tolle Erfolgsgeschichten und richtige Ansätze für die digitale Wirtschaft, die hier im Kaffee Moskau an der Karl-Marx-Allee in Berlin einen ganz besonderen Sound haben. Turbo-Digital-Kapitalismus für alle. Direkt an der Prachtallee, die die Kommunisten in der Hauptstadt der DDR bauen ließen. Amazon will eben mehr sein als ein einfacher Händler.

Bild: Gründerszene/Frank Schmiechen