Amen Felix Petersen Startup-Helden

„Startup-Held“ Felix Petersen im Interview

Felix Petersen sorgte mit seiner Meinungs-App Amen (www.getamen.com) bereits vor dem Start im Jahr 2011 für viel Wirbel. Vor dem Launch investierten namhafte Unternehmen wie Index Ventures (www.indexventures.com) und prominente Geldgeber wie US-Schauspieler Ashton Kutcher in das Berliner Startup. Die Geister scheiden sich, ob Amen die große Aufmerksamkeit verdient. Fest steht aber: Das Startup sorgt international für Furore. Erst im Januar erschien die Amen-Schwester Thanks. In der Reihe „Startup-Helden“ spricht Amen-CEO Petersen über Hitlisten, unternehmerische Freiheit und nutzbringende Internetdienste.

Wer bist Du und was machst Du?

Mein Name ist Felix Petersen. Ich habe vor zwei Jahren gemeinsam mit Florian Weber und Caitlin Winner Amen gegründet. Ich bin 1976 in West-Berlin geboren und im Großen und Ganzen dort auch aufgewachsen. Ich mochte das Internet bisher ziemlich gern und habe mich dort seit 1996 herumgetrieben. Vor Amen habe ich eine Firma namens Plazes mitgegründet, die 2008 an Nokia verkauft wurde. 2011 habe ich dann angefangen, an Amen zu arbeiten. Neben Amen unterstütze ich andere Internet-Startups mit Rat und Geld.

Was macht Amen einzigartig?

Mindestens die Hälfte aller Statusupdates auf Twitter und Facebook beinhalten irgendeine Form von Meinung. Würde man diese alle übereinanderlegen und auswerten, könnte man aus ihnen Hitlisten erzeugen. Vom beliebtesten Politiker in Berlin über die besten Steakhäuser in New York bis zur Liste der 100 besten Ostfriesenwitze. Es gibt ja genug Services, um Fotos, Videos, Statusupdates oder Fragen zu teilen. Aber einen Service, in dem ich auf die Meinung von Experten und Freunden zugreifen kann, um schnelle Antworten zu finden, gab es eben nicht. Das hat uns fasziniert. Wie kann man es einfach machen, seine Meinung zu veröffentlichen, wie kann man aus den vielen Einzelmeinungen ein „Best of“ generieren und wie kann man diese Hitlisten extrem einfach zugänglich machen? Das war die Herausforderung, die wir lösen wollten.

Wie bist Du auf die Idee zu Amen gekommen?

Die Leute lieben ja Hitlisten. Nicht umsonst verkaufen sich Blogposts mit den „100 besten Reisezielen für werdende Mütter“ oder das Magazincover mit den „30 besten Dickmachern“ besonders gut. Wir leben in einer Welt, in der Auswahl kein Problem mehr darstellt, sondern eine Bürde. Zuviel Auswahl bereitet uns mentalen Stress. Es gibt zwar Empfehlungsmaschinen, die direkt in Dienste wie Amazon oder Netflix integriert sind. Aber eine universelle Platform für Rankings gab es noch nicht. Das wollten wir bauen.

Was wünschst Du Dir für den Gründungsstandort Deutschland?

Unternehmertum nimmt insgesamt stark zu. Das ist kein deutsches oder gar Berliner Phänomen. Durch die Vernetzung erhalten Menschen Zugriff auf Ressourcen auf der ganzen Welt. Das schafft neue Inspirationen und Möglichkeiten. Freiräume und Freiheiten sind gut für Unternehmertum. Es ist doch nicht verwunderlich, dass Berlin zum Beispiel für junge Menschen im Allgemeinen und junge Unternehmer im Besonderen ein beliebtes Pflaster ist. Hier entstand eine kreative Suppe, die Berlin so attraktiv zum Beispiel für Consumer Startups macht. Das ist aber keinesfalls der Verdienst von gezielten politischen Bemühungen, sondern im Gegenteil, in Produkt der Abwesenheit ebensolcher. Ich wünsche mir von der Politik, dass sie Freiräume schafft und nicht selbst versucht zu gestalten. Der neu-erwachte Enthusiasmus von Wowereit ist genauso niedlich wie nutzlos, PR-Reisen wie Röslers Exkursion nach San Francisco vor zwei Wochen sind grobe Verschwendung von Flugzeugbenzin.

Welche Trends siehst Du im Internet?

Das Web hat sich in den vergangenen Jahren von einem interaktiven Magazin zu einem Publikationsmedium für jedermann entwickelt. Wir haben die Methoden perfektioniert, den Menschen die Daten in Form von Fotos, Statusupdates, Videos und Amens am laufenden Band aus der Nase zu ziehen. Nun geht es darum zu beweisen, dass man diese Daten für den User sinnvoll einsetzen kann. Facebook geht mit seiner kürzlich veröffentlichten Graph Search in diese Richtung, Foursquare mit seiner „Explore“-Funktion und wir bei Amen haben Thanks, die nutzbringende Schwester-App zu Amen, veröffentlicht.

Bild: Felix Petersen

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