Startups übernehmen Einkaufen, Putzen, Kochen

Es geht immer noch einfacher. Wieso eigentlich im Freundeskreis nach einer Reinigungskraft fragen, wenn man von überall und spontan online eine Putzkraft buchen kann? Wieso überhaupt noch einkaufen gehen, wenn die Lebensmittel innerhalb weniger Stunden geliefert werden können? Und wieso aufwendig kochen lernen, wenn perfekt portionierte Zutaten in einer Tüte inklusive Rezept für Dummies geliefert werden?

Diese Fragen haben sich 2014 offenbar gleich eine ganze Reihe von Gründern gestellt. Startups, die ihren Kunden im Haushalt helfen, sind in diesem Jahr fast im Monatstakt entstanden. Der wohl größte Boom im Frühling: Putzkraft-Startups. Das kleine Berliner Unternehmen CleanAgents startete bereits 2013 mit einem Portal für Reinigungskräfte. Richtig viel Wirbel und Aufmerksamkeit erzeugte dann aber erst das Rocket-Startup Helpling, das im April 2014 launchte. Vorbild für das Konzept sei das US-Startup Homejoy, erklärten die Gründer Benedikt Franke und Philip Huffmann im Interview mit Gründerszene.

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Doch Homejoy wollte dem Rocket-Konkurrenten das Feld nicht kampflos überlassen und startete im Juni in Deutschland mit einem eigenen Team. In der Zwischenzeit hatte sich dort sogar noch ein weiterer Player etabliert: Book A Tiger von den beiden Lieferheld-Gründern Nikita Fahrenholz und Claude Ritter. Im Sommer dann zog Putzfee nach, ein Ableger der Betreuungsplattform Kinderfee. Unkompliziert und spontan eine Reinigungskraft buchen zu können, das sollte also nun zumindest Deutschlands Großstädten kein Problem mehr sein.

Doch nicht nur beim Putzen unterstützen Startups neuerdings ihre Kunden, auch das Beliefern mit Lebensmitteln soll künftig übers Netz möglich sein. In Deutschland hatte der Online-Lebensmittel-Einkauf lange Zeit mit Problemen zu kämpfen. Doch die US-Vorbilder Google Express und Amazon Fresh könnten nun den Weg bereiten. Große Supermarkt-Ketten wie Rewe (Rewe Lieferdienst), Edeka (Edeka24) und Tengelmann (Bringmeister) sind in dem Feld bereits präsent, außerdem Portale wie Food.de oder Lebensmittel.de. Nun zieht Rocket Internet – wie könnte es anders sein? – mit dem Einkaufsservice Shopwings nach. Erst im Dezember wurde das Investment von Tengelmann Ventures bei Shopwings bekannt.

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Andererseits scheint vielen Gründern schon das „normale Einkaufen“ und das anschließende Kochen nach Großmutters Rezepten zu kompliziert. Während HelloFresh, Kochzauber und Kochhaus schon seit einigen Jahren den Kochmarkt umkrempeln wollen und portionierte Zutaten inklusive Rezept anbieten, zogen in diesem Jahr noch mal weitere Startups nach: Ex-Delivery-Hero-Chef Fabian Siegel schaffte sich mit dem Koch-Abo-Service MarleySpoon eine neue Spielwiese. Mit rund zwölf Euro pro Gericht ist der Service allerdings ein ziemlicher Luxus. Etwas billiger will es das erste von Coca-Cola in Deutschland unterstützte Startup, Home eat Home: Eine Tüte mit Zutaten für ein unkompliziertes Abendessen soll rund vier bis acht Euro kosten und in Kühlschränken über die ganze Stadt verteilt bis zur Abholung bereit stehen.

Was kommt 2015?

Zumindest einige der Putzkraft-Startups – insbesondere Helpling – haben zum Jahresende genug Geld gesammelt, um 2015 weiter durchzustarten und das Konzept mit agressivem Marketing im ganzen Land bekannt zu machen. Sollte die Vision der Gründer wahr werden, buchen die meisten Haushalte ihre Reinigungskraft bald online – davon würden dann natürlich auch die Wettbewerber profitieren. Trotzdem bleibt die Frage: Wird bei der Anzahl der Player nicht schon 2015 eine Konsolidierung stattfinden?

Ein anderes spannendes Thema ist der Preis. Helpling beispielsweise verlangt teilweise nur 12,90 Euro pro Stunde. Dabei bleibt nicht nur kaum Geld bei den beauftragten Putzkräfte, sondern auch in den Kassen des Unternehmens – insbesondere in einem so hoch kompetitiven Umfeld. Es ist davon auszugehen, dass es 2015 nicht bei den Kampfpreisen bleiben wird.

Außerdem gut möglich, dass gerade die Putzkraft-Startups im kommenden Jahr in die Vermittlung von beispielsweise Babysittern, Handwerkern oder Klempnern expandieren. Denn die Vision der Gründer ist wohl eher eine Plattform für haushaltsnahe Dienstleistungen zu schaffen als lediglich den vergleichsweise margenarmen, aber großen Putzkräfte-Markt zu dominieren. Es wird spannend, welcher der Wettwerber hier den ersten Schritt wagen wird.

Lebensmittel-Lieferung wird auch – oder gerade – wenn die Nachfrage wächst, schwierig bleiben. Zu aufwendig ist derzeit noch die Logistik, um die Ware innerhalb weniger Stunden gekühlt und unbeschadet zum Kunden zu transportieren. Die großen Supermarktketten und E-Commerce-Händler suchen jedoch fieberhaft nach einer Lösung, was auch für kleinere Startups Nischen eröffnen könnte.

Bei den Koch-Startups wird sich zeigen, ob tatsächlich genügend Kunden bereit sind, viel Geld für portionierte Zutaten auszugeben. Während das Kochhaus beispielsweise weiterhin von den stationären Filialen profitiert, bleibt die Logistik für Startups wie HelloFresh oder MarleySpoon schwierig, weil viele Kunden gerne spontan entscheiden, was sie essen wollen und nicht Tage im Voraus bestellen. Startups wie Home Eat Home, die deswegen Abholstationen aufbauen, werden hingegen nur erfolgreich sein können, wenn sie es schaffen, schnell genug vielerorts Kühlschränke aufzustellen – sonst bleibt der Gang zum Supermarkt um die Ecke unkomplizierter.

Weitere Startup-Trends des Jahres 2014 finden sich in der folgenden Übersicht.

Bild: © panthermedia.net / Philip Lange