Talisman oder Luxus-Accessoire? Der alte Mac steht auch heute noch im Büro von Andreas Skorski

Es muss ja nicht immer das Silicon Valley sein. Oder Berlin. Das hat sich zumindest Andreas Skorski gedacht. Und in Dubai das kleine Startup The List gegründet. Das will sich vor allem zwei Faktoren des Landes zunutze machen: Die Internationalität und die vermögende Klientel.

The List soll exklusive Nobelprodukte ins Netz bringen. Im Angebot: Ein chinesischer Sekretär aus dem 18. Jahrhundert oder schwer zu bekommende Hermes-Taschen. Ganz Verrückte können sich sogar einen Privatjet über die Plattform kaufen. Ob das alles allerdings wirklich so klappt, wie es der Gründer verspricht, konnte Gründerszene leider nicht testen. „Ich habe überall auf der Welt schöne Dinge gesehen – im Netz ließen die sich dann aber kaum finden“, erzählt der 25-Jährige. Während sich Massenware heute bequem per Klick bei Amazon oder Ebay bestellen lässt, stellte der gebürtige Nürnberger fest: Je exklusiver die Produkte, desto geringer die Chancen, sie online aufzutreiben.

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Es geht also um Luxus-E-Commerce. Und damit um eine Branche, der viel Potenzial vorhergesagt wird. Etwa von McKinsey, die für den Verkauf von Luxuswaren im Internet bis 2025 eine Verdreifachung erwarten – und damit ein Gesamtvolumen von 70 Milliarden Euro pro Jahr. Um diesen Wachstumsmarkt zu bearbeiten, glaubt Skorski, sei Dubai genau das richtige Pflaster. „Kleiner Markt, große Kaufkraft – Dubai ist ein guter Markt zum Einsteigen“, sagt der Gründer.

Dabei ist ihm eine andere Besonderheit des Landes fast noch wichtiger. „90 Prozent der Leute hier sind Expats, also Ausländer“, betont Skorski. Nirgendwo anders könne man das Kaufverhalten so vieler unterschiedlicher Nationen beobachten wie in Dubai. Das soll später einmal bei der Expansion in andere Länder helfen. Zuerst soll sich The List im Mittleren Osten ausbreiten, dann vielleicht nach Indien oder in die USA expandieren. Der Sitz von The List, da ist sich der Gründer sicher, werde aber immer Dubai bleiben.

Nach Dubai verschlagen hat es Skorski durch Zufall. Seine Mutter, die im Medizinbereich tätig war, sei dorthin gegangen – vorher hatte er in Berlin gewohnt. Heute sagt er, es „war eine gute Entscheidung“ ihr zu folgen.

Seine Idee für The List funktioniert so: Es gibt eine monatliche Listing-Gebühr, die für jedes Produkt vom Händler bezahlt werden muss – Verkaufsprovisionen kassiere das Unternehmen dafür nicht. Die Darstellung der Produkte passe das Startup gemäß den Wünschen der Kunden an, zumindest in einem gewissen Rahmen. „Man soll immer noch merken, dass man bei The List ist“, sagt Skorski. Ob er derzeit schon zahlende Kunden hat, will der Deutsche nicht verraten.

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Der wohl bekannteste Wettbewerber im Luxus-Segment ist das im vergangenen Jahr für fast 800 Millionen Dollar von der Yoox Group übernommene Net-a-porter aus London. Aus Deutschland hat sich das 2006 in Berlin gestartete Mytheresa in dem Geschäft positioniert. Von beiden soll sich sein Angebot vor allem dadurch unterscheiden, erklärt Skorski, dass sich The List vom schnellen Modemarkt fern hält und auf zeitlose Gegenstände setzt. Will heißen: Einrichtungsgegenstände, Fotografien oder Uhren.

Gegenüber auf die jeweiligen Bereiche spezialisierten Anbietern wie etwa den Chronext sieht sich Skorski vor allem deshalb im Vorteil, „weil sich Kunden, die sich gezielt eine teure Uhr aussuchen, sicher auch Kandidaten für schöne Einrichtungsgegenstände sind“. Und umgekehrt. In Dubai – und dem ganzen mittleren Osten – wähnt sich Skorski allerdings noch ohne nennenswerte direkte Wettbewerber.

The List sei „lean“ aufgestellt. „Es ist erst einmal eine Plattform und wir besitzen kein eigenes Lager“, erklärt der Gründer. „Wir müssen erst einmal zu unserem Geschäftsmodell finden und noch viel finetunen.“ Entsprechend ist das Team auch überschaubar: Derzeit arbeiten zwölf Mitarbeiter und Freelancer für das Unternehmen, behauptet Skorski, bald sollen es mehr werden. Während von Dubai aus vor allem Händler angesprochen werden, hat Skorski Programmierer in Deutschland und Polen beauftragt.

Bislang war The List gebootstrappt, sagt Skorski. Das Kapital für den Anfang steuerte er selbst bei, vor seinem Umzug nach Dubai hatte er mit dem Verkauf einer von ihm gestarteten Marketingagentur etwas Geld verdient. Um erste Kunden auf die Plattform zu locken und so die ersten Umsätze zu generieren, hatte er sich folgendes ausgedacht: Wer genug Freunde über soziale Medien auf die Plattform brachte, bekam einen Gutschein für spätere Einkäufe. Bezahlt wurde das von The List. Wie viel Geschäft derzeit über das Portal läuft, will Skorski nicht verraten. Allerdings werden es noch keine nennenswerten Summen sein – das Startup befindet sich derzeit noch in den allerersten Kinderschuhen.

Derzeit ist Skorski deshalb dabei, erstes Kapital für The List einzusammeln. Mit dem neuen Geld soll The List dann irgendwann auch vom reinen Vermittler zum E-Commerce-Anbieter werden, aber das liegt ganz offenbar in weiter Ferne. Dann können Kunden die Waren auch direkt kaufen und bekommen sie von The List geliefert. Das ist zumindest Skorskis Ziel. Bis das passieren kann, muss allerdings erst einmal die notwendige IT und Logistik aufgebaut werden – kein geringes Vorhaben. Irgendwann sollen dann Produktjäger des Startups in den Edel-Einkaufsstraßen dieser Welt die coolsten Produkte finden und gezielt auf die Plattform holen, träumt Skorski.

Bild: Andreas Skorski