Navid Hadzaad

GoButler- und Angel.ai-Gründer Navid Hadzaad

Der Hype war ganz, ganz groß. Als TV-Komiker Joko Winterscheidt vergangenes Jahr Mitgründer und Investor des Startups GoButler wurde, berichteten zahlreiche Medien über das Berliner Unternehmen. Die Idee: Kunden sollten per SMS ihre Wünsche äußern, ein persönlicher Butler würde sie dann erledigen. Zum Beispiel einen Flug buchen. Als schließlich im Sommer 2015 Hollywood-Star Ashton Kutcher bei einer 8-Millionen-Runde in GoButler investierte, war die PR-Story perfekt: Auch international war das Medienecho groß.

Doch der Start war die glamouröseste Episode im Bestehen GoButlers. Schnell wuchs die Mitarbeiterzahl auf 120 an, dann wurde aber Ende vergangenen Jahres das Berliner Büro geschlossen. Auch die Mitgründer Jens Urbaniak und Maximilian Deilmann schieden aus. Das Startup zog mit dem CEO Navid Hadzaad nach New York, wo es bereits länger eine Niederlassung unterhielt. Hadzaad sagte damals zu Gründerszene: „Der Schritt ist für alle nicht einfach. Aber auf den Umzug können wir stolz sein, nicht viele deutsche Startups schaffen den Schritt in die USA. Und als Gründer muss ich dahin gehen, wo das Unternehmen die beste Zukunft hat.“

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Bald zeichnete sich ab, dass GoButler auch in New York sein größtes Problem nicht beheben konnte: die Monetarisierung. Das Geschäft blieb teuer. Um zahlreiche Anfragen der Kunden zu beantworten, brauchte es eine Menge Mitarbeiter, die bezahlt werden mussten. Auf der anderen Seite waren die Anfragen für die Kunden meist kostenlos. Der Versuch eines Abo-Modells und auch eine App konnten die Zahlungsbereitschaft offenbar nicht ausreichend erhöhen.

Die Lösung sollte eine Automatisierung des Concierge-Diensts bringen. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz wollte GoButler die Anfragen der Kunden beantworten. Statt einem teuren Heer aus SMS-Schreibern wollte Gründer Navid Hadzaad auf Technologie setzen. Im Januar sagte er zu Gründerszene: „Wir sind nun eine komplett andere Company als zu dem Zeitpunkt, an dem wir gestartet sind. Tech zu entwickeln, die zum Beispiel Sprachen erkennt oder manuelle Prozesse automatisiert, dauert natürlich länger, als ein Startup so schnell wie möglich mit viel Manpower ausrollen zu wollen.“ Dafür sei das Vorgehen aber auch nachhaltiger.

Die Automatisierung solch unterschiedlicher Kundenanfragen scheint kompliziert gewesen zu sein. Schließlich folgte ein Pivot: Das Unternehmen reduzierte das Angebot erst ausschließlich auf Flugsuchen und taufte sich dann in Angel.ai um. Einige erfahrene Entwickler wurden angeheuert, danach wurde es um das Startup ruhig.

Bis jetzt. Nach Gründerszene-Informationen hat der US-Konzern Amazon nun einen Teil des zuletzt noch siebenköpfigen Teams von Angel.ai übernommen – in einem sogenannten Acqui-Hire. Bei einem solchen Deal wird ein Startup wegen der kompetenten Mitarbeiter gekauft. Üblicherweise fließt dabei weniger Geld als bei einem regulären Exit. Aus Investorenkreisen heißt es, die Marke Angel.ai werde nicht bestehen bleiben, mit der Technik solle aber weiter gearbeitet werden.

Update, 23. September, 14:30 Uhr: Eine Amazon-Sprecherin dementiert jetzt auf Nachfrage, dass es einen Acqui-Hire gegeben habe. Amazon habe lediglich Navid Hadzaad angestellt. Hadzaad hat seinen Jobtitel zwischenzeitlich geändert und ist nun „Product Leader, New Initiatives“.

Was mit dem Unternehmen Angel.ai geschieht, ist Gründerszene derzeit nicht bekannt. Sobald es Erkenntnisse gibt, wird der Artikel aktualisiert.

Dieser Artikel erschien zuerst am 20. September um 18:20 Uhr.

Weiter heißt es, das Startup habe sich zwar zuvor an weiterem Fundraising versucht und auch ein paar Angebote erhalten. Allerdings seien diese nicht hoch genug gewesen, um im Bereich künstliche Intelligenz ernsthaft mit Konzernen wie Facebook, Amazon, Google oder Apple mithalten zu können. Also habe man versucht, eine andere Lösung zu finden.

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Auf Nachfrage äußert sich Navid Hadzaad nicht zu dem Verkauf, verweist aber auf eine Amazon-Sprecherin. Sie bestätigt gegenüber Gründerszene, dass Hadzaad nun für den Konzern arbeite. Auf weitere Fragen wie zu den anderen Teammitgliedern und zur Höhe des Übernahmepreises antwortet Amazon nicht. Laut LinkedIn ist Hadzaad seit heute offiziell „Head of New Bot Products“ bei Amazon.

Für das US-Unternehmen könnten neben den Angel.ai-Entwicklern auch die Daten des Startups interessant sein: Die stammen nämlich von Nutzern, die digitale Assistenten ausprobieren möchten. Amazon setzt sehr auf die eigene Lösung Echo, die bald auch nach Deutschland kommt. Über einen Lautsprecher hört Echo Unterhaltungen im Raum mit und reagiert auf Ansprachen mit „Alexa“. Der Assistent beantwortet beispielsweise Fragen und greift dazu auf Informationen aus dem Internet zurück. Außerdem kann der Nutzer damit Musik oder Podcasts abspielen oder auch seinen Kalender verwalten.

Eine turbulente Geschichte geht für den Gründer Navid Hadzaad nun recht milde zu Ende. Eine „Milliarden-Dollar-Company“ zu werden, wie er es sich einmal wünschte, hat er mit GoButler und Angel.ai nicht geschafft. Teil eines Milliardenkonzerns zu werden, schon.

Bild: GoButler