Anna Bojic Merisier Startup-Helden

Merisier-Gründerin und -Geschäftsführerin Anna Bojic

„Startup-Heldin“ Anna Bojic im Interview

Mit der Idee eines Onlineshops für Geschenke war sie 2011 nicht die Erste, dessen war sich Anna Bojic bewusst. Sie wollte die zahlreichen Präsenteportale vielmehr um eine Seite mit geschmackvoller Auswahl ergänzen. Von Merisier können sich Teilzeit-Ideenlose und Lastminute-Schenker die Gabeninspiration und -versendung abnehmen lassen. Der Onlineshop bietet fertig zusammengestellte Geschenkekombinationen für Männer, Frauen, Kinder und Geschäftsfreunde. Die Produkte verschickt das Startup in einer mit Seidenpapier ausgelegten Box mitsamt persönlicher Grußkarte an den zu Beschenkenden.

Bojic (33) hatte Merisier nach ihrem Kunst- sowie Kulturwissenschaften-Studium zusammen mit Marc Lampe (35) gegründet. Vor einem Jahr zog ihr mittlerweile zehnköpfiges Team auf den neugebauten Gründercampus Factory in Berlin, wo es in Kürze Nachbar von Unternehmen wie Mozilla und SoundCloud wird. Im Interview mit Gründerszene spricht Anna Bojic über die Factory-Bewerbung und ihre eigenen Geschenkevorlieben.

Geschenkeportale gibt es nicht wenige. Was macht Merisier einzigartig?

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Geschenkportale gibt es wie Sand am Meer. Trotzdem haben wir, als wir vor ein paar Jahren nach Geschenken gesucht haben, keinen für uns passenden Allround-Anbieter gefunden. Ich wollte mit Merisier ein Portal schaffen, das einem alle Sorgen abnimmt: Wie finde ich etwas Schönes, ohne ewig in der Gegend herumzufahren? Was schenke ich jemanden, der schon alles hat? Wie drücke ich mich und meine Gefühle aus? Und nicht zuletzt: Wie packe ich das alles ein und wann zum Teufel bring ich es dann auch noch zur Post?

Heute sind unsere wichtigen Beziehungen oft über die ganze Welt verstreut und Geschenke sind der schönste Weg, Nähe zu schaffen – ich fand, dass die Welt Merisier unbedingt brauchte.

Würdest Du Dich nicht freuen, wenn Dir deine Freunde etwas Persönlicheres als ein von anderen zusammengestelltes Paket schenken würden?

Klar! Je persönlicher, desto besser. Ich habe zum Beispiel auch Freunde, die mir Selbstgemachtes schenken, das berührt natürlich am meisten. Kein gekauftes Geschenk der Welt kann damit konkurrieren. Aber es ist wie mit dem Kuchenbacken: Manchmal hat man schlicht keine Zeit oder man ist einfach kein talentierter Bäcker. Deswegen sollte man das Schenken nicht bleiben lassen. Wir sind dafür da, in solchen Momenten zu helfen. Denn am Ende ist das Wichtigste: Was will ich mit dem Geschenk sagen? Die Mittel sind dann fast nebensächlich.

In Kürze steht bei Euch ein Relaunch auf dem Plan. Was soll sich ändern und wieso?

Alles! Es war überfällig. Als wir vor über zweieinhalb Jahren online gegangen sind, hatten wir unser Erspartes zusammengekratzt und den Shop einfach rasch aufgesetzt – quick and dirty sozusagen und mit tausenden Abstrichen. Jetzt haben wir es nicht mehr ausgehalten und geben Merisier endlich den Look, den die Marke verdient. Nicht zuletzt haben wir endlich das neue Backend genau auf unsere Anforderungen hin gehackt. Denn wir haben ein paar spannende technische Features auf unserer Agenda, die das Schenken noch weiter vereinfachen sollen.

Ihr seid in die Factory gezogen. Wie kam es dazu – musstet Ihr Euch bewerben, und wie lautet Euer bisheriges Fazit zum Gründercampus?

Ja, in der Tat, wir haben uns beworben, denn Ziel der Factory ist eine optimale Mischung von Startups, die sich gegenseitig befruchten sollen. Aber das Bewerben bedurfte nur eines wahnsinnig netten Essens mit der damaligen COO Jenny Jung – es passte einfach. Heute ist Jenny eine Freundin und die Factory unser Zuhause. Der Umzug war eine der besten Entscheidungen, die wir je getroffen haben – obwohl wir uns damals die Miete eigentlich gar nicht leisten konnten.

Welche Tipps gibst Du Gründern nach Euren eigenen Erfahrungen mit auf den Weg?

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Ich glaube, das Wichtigste ist, einfach sehr schnell loszulegen. Unbedingt, bevor man ein bis ins Detail ausgefeiltes Produkt hat. Denn erst am User entscheidet sich, in welche Richtung es letztlich geht. Das gilt auch für ganz visionäre und disruptive Ideen. Auch hier kann man durch die Interaktion mit echten Nutzern extrem viel lernen – was nicht heißt, dass man nicht am Ende trotzig an seiner Vision festhalten sollte! Der schnelle Markteintritt ist nicht einfach, denn er ist so wahnsinnig peinlich. Ach so, und nicht zuletzt: Findet das perfekte Team. Das verändert alles.

Hier könnt Ihr die Feier zur offiziellen Eröffnung der Berliner Factory noch einmal in Bildern nachvollziehen:

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500 Menschen sollen auf dem Gelände der Factory arbeiten, bisher haben gerade einmal 100 von ihnen hier ihren Arbeitsplatz. Die überdimensionalen Holzschaukeln vor dem Hauptgebäude sollen auch nach der Feier stehen bleiben.

Titelbild: Merisier, Bilderstrecke: Hannah Löffler