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Die Apoly-Gründer im Merck-Accelerator: Christian Höh, Luca Christel und Pascal Jankowicz (von links).

Die meisten Apotheken sind wenig online-affin. Zwar dürften sie, rein rechtlich, in den Versandhandel einsteigen, belassen es aber meist beim regulären Geschäft. Das Leipziger Startup Apoly will nun erreichen, dass mehr Apotheken ihre Ware ausliefern – und stellt ihnen dazu eine Online-Plattform zur Verfügung.

Hier können Nutzer rezeptfreie Arzneimittel von der nächstgelegenen Partner-Apotheke bestellen. Der sogenannte Pillen-Konfigurator soll nach der Angabe von Krankheitssymptomen und inhaltlichen Präferenzen, zum Beispiel homöopathisch oder pflanzlich, das richtige Mittel empfehlen. Eine Beratungsleistung stelle dieser Konfigurator jedoch nicht dar, so die Gründer. Stattdessen würden dem Kunden auf der Rechnung die Kontaktdaten des Apothekers mitgeteilt – für Rückfragen.

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Durch die Anbindung an das Warenwirtschaftssystem weiß Apoly, welche Mittel die Apotheke aktuell vorrätig hat. Was da ist, wird noch am selben Abend zum Kunden geliefert, verspricht das Startup. Das müssen die Apotheken aber weiterhin selbst übernehmen: In der Regel besitzen sie eigene Zusteller, die Medikamente etwa ins Nachbardorf bringen. „Wir bieten Apothekern einen Kanal, durch den der Botendienst zusätzlich zum Medikamenten-Verkauf monetarisiert wird“, so Apoly-Mitgründer Christian Höh. Die Lieferkosten übernimmt der Kunde. Außerdem erhält das Startup von den Apotheken für jede erfolgreiche Bestellung eine Transaktionsgebühr.

Als weitere Einnahmequelle plant Apoly, seine Partner im Online-Marketing zu beraten. „Große Online-Versandapotheken machen den lokalen Apotheken Druck. Online-Marketing ist da ein akutes Thema für sie“, erklärt Höh. Mit diesem Ansatz wolle man sich von der Konkurrenz abgrenzen, zu denen ApoNow oder das Pillentaxi zählen. 2013 musste der einst von SevenVentures unterstützte Apotheken-Lieferdienst Dedendo Insolvenz anmelden.

Bislang finanziert sich Apoly über Fördergelder und Eigenmittel. So haben die Gründer, zu denen neben Christian Höh auch Luca Christel und Pascal Jankowitz gehören, ein Technologie-Gründerstipendium der sächsischen Aufbaubank bekommen. Außerdem gab es zur Accelerator-Teilnahme 25.000 Euro von Merck. Vor der Gründung wurde das Team von der Stiftung der Deutschen Wirtschaft unterstützt.

Apoly möchte seinen Service in den nächsten zwei Jahren deutschlandweit ausrollen. Doch nicht jede Apotheke ist automatisch ein potenzieller Apoly-Partner: Wer im Versandhandel aktiv sein möchte, der muss nach dem Apothekengesetz eine spezielle Erlaubnis haben. Und die haben bei Weitem nicht alle: Von insgesamt 20.000 Apotheken in Deutschland hatten sich Ende 2015 nur knapp 3.000 Apotheken eine solche Erlaubnis besorgt. Hinzu kommt, dass es immer weniger Apotheken in Deutschland gibt: 2014 erreichte die Zahl der Apotheken in Deutschland den niedrigsten Stand seit den frühen Neunzigern.

Vor etwa einem Jahr nahm der Pharmakonzern Merck Apoly in den ersten Durchlauf seines Accelerator-Programms auf. Das Programm endete im Dezember. Im Januar 2016 gründeten die Apoly-Macher dann offiziell eine GmbH. Inzwischen kooperiert Apoly mit sieben Apotheken, bislang allerdings nur in Leipzig.

Bild: Apoly