Wie bitte? Keine Kopfhörerbuchse? Der Aufschrei wird groß sein, wenn das nächste iPhone tatsächlich keine Klinkenbuchse aufweisen sollte. Die Hinweise darauf verdichten sich jedenfalls. Dabei müssten Apple-Kunden eigentlich daran gewöhnt sein, dass Standardanschlüsse oder Features einfach mal wegfallen, wenn eine neue Produktlinie auf den Markt kommt.

Der erste iMac wurde ohne ein Floppy-Disc-Laufwerk gebaut. Damals war das ein mittlerer Skandal. Heute weiß fast niemand mehr, was eine Floppy-Disc ist. Bei den Laptops fiel irgendwann das CD-Laufwerk weg und für das iPhone 5 musste ein neues Ladekabel her.

Was soll das eigentlich? Warum enttäuscht Apple regelmäßig seine Kunden?

Apple hat sich in seiner Produktgeschichte häufig von Altlasten befreit, um fit für die Zukunft zu sein. In diesem Fall heißt der Plan: Die Zukunft der Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik wird irgendwann kabellos sein. Also verzichten wir bereits jetzt auf den Anschluss für das Kopfhörerkabel. Man munkelt inzwischen, dass es einen Adapter für den Lightning-Anschluss geben soll, der dem nächsten iPhone beigelegt wird. Bei der starken Konkurrenz von Samsung und Co. muss jetzt offenbar auch Apple kleinere Kompromisse machen, wenn es um die Zukunft geht.

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Aber die Strategie bleibt trotzdem klar. Man verzichtet lieber auf Abwärtskompatibilität, als auf das Tempo bei der Entwicklung. Ohne Kopfhöreranschluss können die Smartphones noch flacher und wasserdicht gebaut werden. Das verursacht zunächst Schmerzen. Vor allem bei den Kunden. Doch dafür stellt man sich in die erste Reihe der Entwicklung und hat völlig neue Möglichkeiten beim Produktdesign.

Wer glaubt, sein Produkt, so wie es ist, in jeder Ausbaustufe erhalten zu müssen, trägt bald einen unübersichtlichen Koffer voller Altlasten mit sich herum, der dafür sorgt, dass wirkliche Innovation fast unmöglich wird. Was agil gemeint war, wird Stagnation. Im ersten Augenblick sieht der Verzicht auf einen Kopfhöreranschluss beim nächsten iPhone waghalsig und nach einem Fehler aus, ist aber konsequent nach vorne gedacht und wird am Ende für bessere Apple-Produkte sorgen.

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