guy oleary ashton kutcher

Zwei der drei A-Grade-Gründer: Ashton Kutcher (rechts) und Guy Oleary (Mitte)

„Startup-Star Ashton Kutcher“: Das aktuelle Cover des US-Wirtschaftsmagazins Forbes ist die ultimative Krönung des 38-jährigen Ex-Models, Schauspielers, Produzenten und Investors. Das Magazin wirbt mit Kutchers Konterfei für seine jährlich erscheinende Midas-Liste der 100 besten Venture Capitalists.

In die Top 100 hat Kutcher es zwar nicht geschafft. Aber für Forbes hat er erstmals seine Bilanz als Startup-Investor offen gelegt. Und die ist in der Tat eindrucksvoll: Innerhalb von sechs Jahren hat er mit seiner Investmentfirma A-Grade die 30 Millionen US-Dollar des ursprünglichen Fonds mehr als verachtfacht – auf einen derzeitigen Wert von 250 Millionen Dollar.

Das bringt Kutcher und seinen Partnern Guy Oseary und Ron Burkle sogar das Lob eines legendären VCs ein. Marc Andreessen konstatiert gegenüber Forbes: „Wenn man routinemäßig ein Multiple von 3x erreicht, wird man als einer der besten VCs angesehen. Wenn man 5x schafft, ist das ein Home Run. Und so viel Mathematik beherrsche ich: 8x ist mehr als 5x.“

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Dafür verantwortlich sind vor allem frühe Wetten auf zwei heutige Unicorns: 2011 investierte A-Grade 2,5 Millionen Dollar in Airbnb – der Anteil ist mittlerweile etwa 90 Millionen wert. An Uber beteiligte sich A-Grade in der Seed- und mehreren Wachstumsrunden. Bewertung des Anteils heute: mehr als 60 Millionen.

Andere Investments zahlten sich nicht aus. Die VoIP-Firma Ooma war ein Flop, genauso wie das „Uber für Flugzeuge“ BlackJet. Auch in Fab, den deutsch-amerikanischen Design-Online-Shop von Jason Goldberg, steckte Kutcher Geld. Zwischenzeitlich war Fab eine Milliarde Dollar wert – am Ende soll das Startup für 15 Millionen Dollar verkauft worden sein. Das Möbel-Spinoff Hem aus Berlin wurde im Februar losgeschlagen, für weniger als 20 Millionen Dollar, heißt es.

Neben Fab hat Ashton Kutcher in fünf weitere Berliner Startups investiert. Und hier fällt die Bilanz, das zeigt die Gründerszene-Analyse, eher durchwachsen aus:

Zwei Fehlschläge

Im Frühjahr 2011 ist Kutcher bei der Seed-Runde für Amen dabei, zwei Millionen Dollar werden unter der Führung von Index Ventures investiert. Das gehypte Startup mit der Meinungs-App ist da noch im Stealth-Modus, doch Kutcher verhilft den Gründern Felix PetersenCaitlin Winner und Florian Weber zu weltweiter Aufmerksamkeit. Einmal live, gelingt es Amen jedoch nicht, langfristig eine kritische Masse an Anhängern aufzubauen.

2013 gibt es erste Auflösungserscheinungen, im Sommer übernimmt schließlich Tape.tv das Startup für eine unbekannte Summe. Petersen und Weber überarbeiten für Tape-Chef Conrad Fritzsch das Produkt, verlassen aber schon im Jahr darauf das inzwischen deutlich geschrumpfte Unternehmen.

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Im Januar 2012 beteiligt sich A-Grade an der 1,2 Millionen Dollar starken Seed-Runde des Erlebnis-Marktplatzes Gidsy, auch Index investiert wieder. Doch das Gidsy-Wachstum lahmt, eine Folgefinanzierung kommt nicht zustande. Etwas über ein Jahr später schluckt Konkurrent GetYourGuide das Startup und seine zwölf Mitarbeiter für einen ungenannten Kaufpreis.

Drei Mal ungewisse Zukunft

Ebenfalls 2011 kauft sich A-Grade bei SoundCloud ein. Die Musikplattform von Alexander Ljung und Eric Wahlforss steht da bei fünf Millionen Nutzern und etwas über 13 Millionen Dollar Funding, hauptsächlich von Index und Union Square. Heute hat die Plattform 175 Millionen monatliche Nutzer – als Produkt ist SoundCloud erfolgreich. Ob es auch ein tragfähiges Geschäftsmodell gibt, ist bis heute nicht klar. Schwierige Verhandlungen mit der Musikindustrie blockierten die Entwicklung des Unternehmens über Jahre, zuletzt gab es Entlassungen und die Nachricht über einen 40-Millionen-Euro-Verlust im Jahr 2014.

Jetzt ruhen alle Hoffnungen auf dem gestern gestarteten Abo-Dienst SoundCloud Go, mit dem die Berliner Spotify und Apple Music angreifen wollen und aus dem ein verlässlicher Monetarisierungskanal werden soll. Gelingt das, könnte SoundCloud für Kutcher auch ein richtig guter Deal gewesen sein.

Im Sommer 2014 ist Kutcher bei einer Fünf-Millionen-Runde für Wit Dot Media an Bord. Das Berliner Startup von Onno Faber, Leonard van Driel und Jorn van Dijk macht da gerade mit seinem zweiten Produkt Taptalk Furore (die Ursprungsidee nannte sich Ding Dong). Die Instant-Messaging-App für Fotos wird auch dank Kutchers Twitter-Reichweite von 16 Millionen Followern bekannt. Mehr als ein Hype wird daraus aber nicht, nach dem aufsehenerregenden Start hört man lange gar nichts mehr von Taptalk – bis heute.

Mit Tapstack versucht das achtköpfige Team den Relaunch – wieder geht es um One-Klick-Sharing von Fotos, Videos oder dem aktuellen Ort. Statt wie bei Snapchat verschwinden einmal geteilte Inhalte aber nicht, sondern werden in geteilten Alben gespeichert. Ob das angenommen wird? Unklar.

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Ein Jahr später, im Juli 2015, hat sich Kutchers Investmentteam verkleinert: Ohne Ron Burkle gründen Guy Oseary und Ashton Kutcher den VC Sound Ventures, quasi der A-Grade-Nachfolger. Mit diesem Vehikel beteiligen sich Oseary und Kutcher an einem weiteren gehypten Startup aus Berlin: GoButler. Der digitale Assistent ist da gerade in die USA expandiert und bezieht Büros in New York. Doch statt von weiterem aggressivem Wachstum sind die nächsten Monate für GoButler eher von Rückschlägen geprägt: Aus Deutschland zieht sich das Startup ganz zurück, die Mitgründer Jens Urbaniak und Maximilian Deilmann scheiden aus, die Belegschaft wird massiv reduziert.

Seit vergangener Woche hat GoButler auch die händische Beantwortung von Butler-Anfragen eingestellt – das soll ein automatisierter Dienst übernehmen. Den gibt es erst einmal nur für Flugbuchungen. Der Universal-Butler ist bis auf weiteres Geschichte.

Unterm Strich

Natürlich: Zu jedem VC-Portfolio gehören Nieten. Und unterm Strich zählt für Kutchers Deal-Bilanz nur, dass seine Hits deutlich mehr eingebracht haben als er durch Fehlschläge verloren hat. Selbst wenn man Uber und Airbnb aus seinem Portfolio herausrechnet, bleibt laut Forbes ein Multiple von 3,3.

Was dennoch auffällt: Die deutschen Kutcher-Startups haben immer das Zeug zum viralen Kurzzeit-Hit – aber ihnen fehlt es häufig an Durchhaltevermögen. Und es ist gut möglich, dass Ashton Kutcher selbst dafür die Erklärung ist: Mit seiner Reichweite und seinem Netzwerk ist er der perfekte Marketing-Gehilfe zum Start. Aber wer auf Hilfe für die Entwicklung eines tragfähigen Geschäfts setzt, der ist mit anderen VCs vielleicht besser bedient.

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von TechCrunch