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Startups und Social Networks feiern regelmäßig neue Rekorde. Erst im Juni verkündete Snapchat, dass sich täglich über 150 Millionen User einloggen würden. WhatsApp feierte im Februar, dass weltweit über eine Milliarde Menschen den Messenger nutzen. Und Netflix ließ wissen, dass mittlerweile 75 Millionen Kunden sein Film- und Serien-Angebot schauen.

Imposante Zahlen. Allerdings könnten sie schon in wenigen Jahren recht mickrig erscheinen – verglichen mit Apps und Startups aus Fernost. Denn in asiatischen Ländern wächst die Zahl der Internet- und Smartphone-Nutzer so rasant wie nirgendwo sonst. Gleichzeitig tun sich westliche Konzerne dort vielfach schwer – aufgrund von unterschiedlichen Mentalitäten, Nutzungs- und Designansprüchen oder auch Zensur.

Über die vergangenen Jahre hat sich in asiatischen Ländern ein ganz eigenes digitales Ökosystem entwickelt. Manche Firmen sind mittlerweile weltweit ein Begriff, der Suchmaschinen- und Technologiekonzern Baidu etwa, das chinesische Amazon Alibaba, Japans Facebook Mixi und der Twitter-Klon Weibo. Aktuell sind es jedoch ganz andere, die den asiatischen Markt ähnlich aufwirbeln, wie hierzulande Snapchat oder WhatsApp. Das sind die Namen, die viele von euch vielleicht noch nie gehört haben – die ihr aber kennen solltet:

Kakao Talk

2010 startete die südkoreanische Kakao Corporation die App Kakao Talk als simplen und kostenfreien Instant Messenger mit Telefoniefunktion. Heute ist die App ein Alleskönner und einer der großen WhatsApp-Konkurrenten. Text-, Sprach-, Video- und Bildnachrichten lassen sich ebenso verschicken wie Standorte, natürlich auch in Gruppen. Zusätzlich können Channels von Stars abonniert werden – statt Kim Kardashian etwa die Boy- und Girlbands Super Junior oder Girls’ Generation.

Statt nur als Kommunikations-Tool taugt Kakao Talk in Südkorea auch als Zahlungsmittel. Vor allem bei Franchise-Marken wie Starbucks können mit ihr unkompliziert Käufe getätigt werden. Während hierzulande trotz deutscher Fassung kaum jemand Kakao Talk kennt, hat die App in Asien mittlerweile mehr als 200 Millionen Nutzer. In Südkorea ist sie auf 93 Prozent aller Smartphones installiert und damit quasi Monopolist. Daneben existieren mit Kakao Story auch ein Instagram-Klon, eine Taxi-App und einiges mehr.

Ingkee

Was für uns Periscope, Meerkat oder Facebook Live ist, ist in China für viele Nutzer Ingkee. Die App ist eine von mittlerweile mehr 90 verschiedenen Live-Streaming-Anwendungen im Land. Mit derzeit über 55 Millionen Nutzern ist sie vor Konkurrenten wie Huajiao, Yizhibo oder Xiandanjia die klare Nummer eins. Ingkee rühmt sich damit, dass hunderte Stars und Internetberühmtheiten den Dienst nutzen würden.

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Ähnlich wie Twitch ist auch Ingkee für viele Streamer eine Möglichkeit zum Nebenverdienst oder gar eine profitable Einnahmequelle. Mit echtem Geld werden digitale Tokens gekauft, die den Nutzern in Margen von 15 Cent bis zu 180 Euro gespendet werden können. Die Streams werden allerdings von Moralwächtern der Regierung stichprobenartig überwacht. Schon mehrere Streamer wurden wegen der Übertragung „geschmackloser oder pornografischer Bilder“ belangt.

Douyu

Twitch kennen auch chinesische Gamer, senden und konsumieren ihre Matches aber lieber auf landeseigenen Streaming-Diensten. Der beliebteste ist Douyu. 2013 als Teil der Webvideo-Plattform AcFun gestartet wurde er zwei Jahre ausgegliedert. Ob League of Legends, World of Warcraft, StarCraft 2 oder CrossFire: Bei Douyu sind die erfolgreichen Gamer des Landes zu sehen und erreichen laut – oft gefälschten – Statistiken bis zu 700.000 Zuschauer. Der größte Herausforderer in China ist Longzhu.

Auf beiden Plattformen wird nicht nur gespielt. Junge Chinesinnen und Chinesen chatten dort oft auch einfach nur. Manche schminken sich live vor der Kamera, basteln Schiffsmodelle, erzählen von ihrem Leben oder zeigen den Blick auf eine Kreuzung in ihrem Dorf, wo gerade ein LKW mit einer Ziegenherde kollidiert ist. Wie bei Twitch oder auch Ingkee kann man den Streamern neben Likes auch Spenden zukommen lassen, wovon einige Profi-Gamer bereits leben können.

iFlix

Unschwer zu erkennen: iFlix ist ein Netflix-Klon. Optik, Handhabung und auch auch die technische Umsetzung erinnern frappierend ans US-Vorbild. 2014 ist der Streaming-Dienst hauptsächlich mit koreanischen und einige lokalen Produktionen in Malaysia und den Philippinen an den Start gegangen – und war ein echter Hit. Binnen weniger Monate verzeichnete iFlix 200.000 neue Kunden. Im Juli 2016 sollen es vier Millionen gewesen sein.

Attraktiv macht den Dienst, der in diesem Jahr auch in Sri Lanka und Indonesien an den Start ging, neben einem Monatsbeitrag von nur rund 2,50 Euro, dass sich Filme und Serien herunterladen sowie Mitgliedschaften problemlos mit anderen teilen lassen. Im Angebot sind mittlerweile auch zahlreiche westliche Serien. Unter anderem Fargo, Mr. Robot, Big Bang Theory, Sherlock und Minority Report. In den kommenden Jahren soll iFlix auch in Brasilien, China und Nahost Fuß fassen.

Pairs

Tinder ist weltweit populär. Dennoch sind in vielen Länder immer noch lokale Dating-Apps erfolgreicher. Ihnen gelingt es besser, auf nationale Mentalitäten und kulturelle Besonderheiten einzugehen. Das Tinder für Japan ist die App Pairs. Sie soll nicht den schnellen Flirt organisieren, sondern wie traditionellere Partnerbörsen bei der „Suche nach Liebe und Heirat“ helfen.

Die App matcht ihre Mitglieder neben den üblichen Angaben auch basierend auf Daten wie Blutgruppe, Schulbildung, Jahreseinkommen und „persönlichen Lastern“. Damit ist der Service mittlerweile auch in Taiwan sehr erfolgreich und will bis Ende 2016 über zehn Millionen Mitglieder erreichen. Der Entwickler, das Tokioter Startup Eureka, wurde 2015 vom Tinder-Erfinder Match aufgekauft.

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