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Vom Sportfan zum Vermarkter und Piratenjäger: Lukas Klumpe wollte statt Studium lieber etwas Praktisches machen.

Mit 21 Jahren interessierte sich Lukas Klumpe mehr für Fußball als für sein Studium. Der Kölner stellte lieber regelmäßig Videos ins Netz, in denen er die Fußballwelt kommentierte. Statt weiter die Uni in Dortmund zu besuchen, schloss er sich 2012 dem Youtube-Vermarkter-Netzwerk Mediakraft an.

Gemeinsam wurde ein Jahr später ein Ableger gegründet, den Klumpe führte: bei Athletia dreht sich damals alles um die Vermarktung von Sportvideos auf Youtube.

Mittlerweile hat sich Athletia zu einem Dienstleister mit namhaften Kunden entwickelt. Mediakraft ist als Gesellschafter ausgestiegen, Klumpe leitet das Unternehmen allein. Neben der Verbreitung und Vermarktung von Inhalten im Netz über ein großes Netzwerk mit 250 Partnern wie freekickerz, „dem größten Fußball-Channel der Welt“, verwaltet Klumpe mit seinem Team auch Social-Media-Kanäle für Kunden wie die Bundesliga oder Sky Sport.

Das ist nicht alles: Seit einiger Zeit beschäftigt sich Klumpe zudem mit illegal im Netz hochgeladenen Videoclips, deren Rechte zum Beispiel bei Sportverbänden liegen. Mit einem eigenen Tool und der Unterstützung der Plattformen wie Youtube, versucht Klumpe für seine Kunden möglichst viel Material zu entdecken und entfernen zu lassen.

Mittlerweile beschäftigt der nun 26-Jährige ein Unternehmen mit 35 Mitarbeitern von Köln aus. Im Interview erzählt er, warum er sein Studium geschmissen hat und was er mit Athletia vorhat.

Lukas, wie bist Du dazu gekommen, Athletia zu gründen?

Ich war 21 Jahre alt, als ich angefangen habe. Es war nicht so mein Steckenpferd zu studieren, ich wollte immer etwas machen, wovon jemand etwas hat und was danach auch hält. Ich habe für mich damals festgestellt, dass ich zu der Zeit die Chance hatte, etwas auf Youtube aufzubauen. In dem Moment war die Lust zu groß, etwas eigenes zu machen. Es war eine Entscheidung für den Job und nicht gegen das Studium.

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Dann hast Du also mit einem eigenen Youtube-Channel angefangen?

Ja, das war ein Bundesliga-Unterhaltungskanal, auf dem Pressekonferenz-Clips mit Moderationen zusammengeschnitten waren. Sozusagen ein TV Total für Fußball, eine Art Wochenrückblick.

Wie ging es dann weiter?

Irgendwann habe ich Christoph Krachten von Mediakraft getroffen [Gründer und ehemaliger Geschäftsführer von Mediakraft Anm. d. Redaktion] und er hat mich gefragt, ob ich nicht bei Mediakraft mitmachen möchte. Entertainment wollte ich nicht machen, deshalb habe ich überlegt, ein Netzwerk für Sport zu gründen. Dann haben wir gemeinsam eine Firma ausgegründet, ein Mediakraft für Sportkanäle, wenn du so willst: Athletia. Die Anteile lagen zu 50 Prozent bei Mediakraft und zu 50 Prozent bei mir.

Irgendwann haben wir dann festgestellt, dass reine Netzwerkarbeit im Sport einfach nicht ausreicht, weil Verbände ihre Rechte selber vermarkten wollen. Die Verbände und Unternehmen haben allerdings das Problem, dass sie es häufig nicht schaffen, ihre eigenen Channels liebevoll und plattformgemäß aufzubereiten. Deshalb haben wir angefangen, erste Dienstleistungen in diese Richtung anzubieten. Mit der Bundesliga haben wir angefangen. Wir haben das Channel-Management übernommen und das Copyright-Claiming.

Damit unterscheidet Ihr Euch mit dem Geschäft von Mediakraft. Kam deshalb die Trennung 2015?

Mediakraft hat nur die reine Reichenweitenvermarktung gemacht. Und wir haben damals schon viel Agenturleistungen für Fifa und andere Sportverbände gemacht. Dann kam das Thema Claiming dazu, Adtech und Vermarktung, Software. So haben wir festgestellt, dass sich die Unternehmen in unterschiedliche Richtungen entwickeln. Wenn man vernünftig zusammenarbeitet, dann muss man auch realisieren, wenn es nichts mehr bringt und der eine den anderen nur bremst. Es besteht aber nach wie vor eine gute und freundliche Kommunikation.

Etwa zu derselben Zeit wurde Mediakraft von Youtubern stark kritisiert. War das auch ein Grund für den Exit?

Es kam zwar zeitgleich, hatte aber überhaupt nichts damit zu tun.

Neben dem Management von Video-Channels für Unternehmen und der Reichweitenvermarktung betreibt Ihr auch Claiming. Was bedeutet das?

Wir haben früh damit angefangen, uns damit zu befassen, was passiert, wenn Nutzer illegal Lizenzrechte klauen und Clips hochladen. Wie findet man diese? Und wie bekommt man sie wieder runter? Wir hatten gemerkt, dass das Thema für Sportverbände sehr interessant ist.

Wie setzt Ihr das um?

Es gibt zwei Wege, technisch und manuell, beide decken wir ab. Technisch: Es wird bei Youtube eine Referenz von jedem Videofile angelegt. Dann gibt es ein Fingerprinting, das Bild wird also live in Youtube eingespielt und in Farbflächen umgewandelt. Dann wird es mit allen Videos verglichen. Wenn Youtube erkennt, dass der File ähnlich oder gleich ist, wird das Video gesperrt. Es gibt einen automatischen Abgleich des Videos mit allen Videos auf der Plattform, das sogenannte Content-Id. So etwas hat Facebook auch, allerdings ist es vom Funktionsumfang und der Treffsicherheit nicht gut umgesetzt.

Um den technischen Effekt zu verbessern, suchen und claimen wir auch plattformübergreifend manuell, das ist der zweite Weg. Hier finden wir insbesondere verfremdete, gespiegelte oder eingefärbte Inhalte, die an der technischen Erkennung vorbeigehen. In Hochzeiten erkennen und beanspruchen wir 80 Prozente der Piraterieinhalte manuell, 20 Prozent steuern die technischen Systeme bei.

Das klingt, als ob Ihr nach Videos sucht, wie Du sie früher ins Netz gestellt hast.

Natürlich waren bei meinem Channels damals alle Rechte geklärt. Man muss aber unterscheiden: Einmal geht es um Piraterie, also massiv und rein kommerziell hochgeladene Inhalte. Dann geht es um Fans wie einen 15-jährigen Jungen, der wochenlang die schönsten Tore seines Idols zusammenschneidet. Das sollte man, wenn es die Rechtesituation zulässt, ermöglichen.

Wovon ich rede, ist Piraterie. Wenn wir manuell claimen, dann suchen wir die Plattform nach Keywords, Themen oder Torschützen ab, alles was an automatisierten Systemen vorbeigeht. An einem normalen Spieltag mit neun Spielen suchen wir mindestens nach 30 Keywords pro Spiel in 20 Sprachen aus 20 Ländern auf zehn Plattformen. Da kommt schon eine ordentliche Menge an Ergebnissen zusammen, die man nur mit Hilfe von Technologie bewältigen kann.

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Du scheinst kein großer Fan von Facebook zu sein. Glaubst Du, die Plattform wird Youtube als Video-Plattform den Rang ablaufen?

Ich tue mich schwer mit Facebook – auch wenn ich an die Relevanz von Facebook im Video-Bereich glaube. Ich glaube, es ist noch nicht soweit – auch wenn sich jetzt viele auf Facebook stürzen. Youtube ist eine Plattform, die schon lange da ist. Sie hat sinnvolle Messwerte, nach denen man sich richten kann, wie etwa die Watch-Time, also die Zeit, die ein Zuschauer ein Video tatsächlich angeschaut hat und die einzig sinnvolle Größe zu sagen, ob ein Video gut oder schlecht ist.

Viele schimpfen über den View-Einbruch auf Youtube, den wir natürlich auch sehen. Viele schimpfen über geringe Einnahmen auf Youtube und fangen dann an, wenig Einnahmen auf Youtube mit viel Reichweite auf Facebook zu vergleichen. Ich kann nicht wenig Geld mit viel Views vergleichen. Ihr Argument ist aber, dass man das irgendwann besser monetarisieren kann.

Das glaubst Du nicht?

Die nackte Viewzahl hat meiner Meinung nach an sich keinen Wert, mir geht es um die Qualität. Wenn sich ein User ein Video sieben, acht Minuten anguckt, sich mit dem Inhalt auseinandersetzt, ist das doch viel mehr wert als ein Auto-View. Die Klicks zusammenzusammeln ist gar nicht so schwer. Was schwierig ist, ist dass jemand ein Video anklickt und komplett bis zum Ende und danach vielleicht sogar noch ein Video guckt.

Außerdem hat Facebook letztens bekannt gegeben, sich bei der Reichweitenmessung um 30 Prozent nach oben verrechnet zu haben, die Zahlen sind also nicht valide. Und Facebook gibt einen kurzen Autoplay ohne Ton auch als View an, es wird mit dem Verlangen der Leute nach Reichweite gespielt, damit die Plattform an Relevanz gewinnt.

Danke für das Gespräch, Lukas.

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Bild: Athletia