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Der ehemalige Bertelsmann-Manager Thomas Hesse hat die Führung von Auctionata im vergangenen Jahr übernommen

Schon vor wenigen Tagen war klar: Das Online-Auktionshaus Auctionata kämpft ums Überleben. Der einstige Börsenkandidat verhandelte um eine dringend benötigte Finanzspritze. Eine Insolvenzanmeldung stand zu dem Zeitpunkt bereits im Raum, wie mehrere Quellen gegenüber Gründerszene bestätigten.

Wie nun aus dem Insolvenzregister hervorgeht, hat das Startup schon am Montag vorläufige Insolvenz angemeldet. Auctionata-CEO Thomas Hesse bestätigte den Vorgang gegenüber der Wirtschaftswoche.

„Dies war notwendig, weil eine nötige Finanzierung nicht ausreichend schnell sichergestellt werden konnte“, sagte Hesse dem Wirtschaftsmagazin. Ziel des Verfahrens sei die Sanierung des Unternehmens. Er sagte gegenüber der WiWo weiter: „Das Ziel ist die Rekapitalisierung.“ Es gebe „vielversprechende Gespräche“ mit Investoren, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Als Insolvenzverwalter ist Christian Graf Brockdorff aus Potsdam bestellt, heißt es im Insolvenzregister.

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Zwei Entscheidungen stehen laut Hesse jetzt schon fest: Von dem Schwesterunternehmen Paddle8 will sich Auctionata wieder trennen. Erst im Frühjahr 2016 hatten sich die beiden ehemaligen Konkurrenten zusammengetan. Ohne eine große Finanzierung werde auch die Integration nicht funktionieren, sagte Hesse der WiWo. Derzeit sei dies „zu ambitioniert“. Auch von seiner US-Tochter will sich Auctionata trennen und sich fortan auf Berlin konzentrieren.

Sowohl die US-Tochterfirma als auch Paddle8 befänden sich bereits in „fortgeschrittenen Verhandlungen über deren Ausgliederung im Zuge eines Management-Buy-Backs durch das New Yorker Management-Team“, teilt Auctionata mit. Unterstützung gebe es durch eine internationale Investorengruppe. Aus rechtlicher Sicht bleibe das „operative Geschäft von Paddle8 unbetroffen“.

Auch Auctionata werde seine Auktionen fortführen. Sämtliche Verkaufserlöse würden treuhänderisch verwaltet und stünden „unter dem Schutz des vorläufigen Insolvenzverwalters“. Waren, die sich derzeit in den Lagerräumen des Berliner Startups befinden, blieben Eigentum ihrer Einlieferer.

Beide Unternehmen – Paddle8 und Auctionata – haben bislang insgesamt 130 Millionen Dollar Risikokapital von Investoren eingesammelt. Das Geld stammt von namhaften Kapitalgebern, darunter EarlybirdHoltzbrinck Ventures und der German Startup Groups.

Lange Zeit galt Auctionata als vielversprechendes Investment. 2014 wies das Auktionshaus zwar noch einen Jahresfehlbetrag von rund 27 Millionen Euro bei einem Nettoprovisionserlös von sechs Millionen Euro aus – 2015 stieg der Erlös jedoch schon auf 21 Millionen Euro an. Für 2016 war Auctionata sogar als Börsenkandidat im Gespräch.

In einem Brief an die Belegschaft – der Gründerszene vorliegt – hatte Thomas Hesse seine Mitarbeiter bereits vor Weihnachten auf schwierige Zeiten eingeschworen.

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Auctionata galt als Börsenkandidat, später häuften sich Probleme. Nach Informationen von Gründerszene droht nun eine dringend benötigte Finanzierung zu platzen.

Bild:Getty Images / Sean Gallup