Auctionata_Studio

Auctionata hat schwierige Zeiten hinter sich: schlechte Geschäftszahlen, Entlassungen, Managementwechsel. Wie Gründerszene nun aus mehreren voneinander unabhängigen Quellen erfuhr, soll das Unternehmen möglicherweise kurz vor dem Aus stehen. Demnach drohe eine dringend nötige Finanzierung in zweistelliger Millionenhöhe zu platzen. Die Geschäftsführung suche derzeit nach Wegen, das drohende Ende abzuwenden. Die Wirtschaftswoche berichtet, das Unternehmen habe die Gehälter seiner Mitarbeiter im Dezember nicht mehr ausgezahlt.

Auf Anfrage von Gründerszene teilt das Unternehmen mit, derzeit „mit dem Abschluss einer vielversprechenden Finanzierungsrunde beschäftigt“ zu sein. Spekulationen wolle man nicht kommentieren.

Der Grund für die akuten Probleme sollen nach Informationen von Gründerszene schlechte Geschäftszahlen sein. Um die selbst gesteckten, hohen Wachstumsziele trotzdem zu erreichen, habe das Unternehmen seinen Umsatz und die Frequenz der Auktionen in der Vergangenheit stark erhöhen müssen, sagt ein Kenner des Unternehmens gegenüber Gründerszene. Der Verkauf von Premium-Artikeln hätte jedoch nur noch begrenzt den Umsatz des Unternehmens steigern können. Es sei schlicht nicht mehr gute Ware im Markt vorhanden, um täglich Auktionen durchzuführen. Üblicherweise veranstalten traditionelle Auktionshäuser wie Christie’s ein bis zwei Versteigerungen pro Quartal.

Auctionata habe daraufhin begonnen auch Produkte aus niedereren Segmenten anzubieten, so der Experte. Die neue Strategie scheint jedoch wenig Erfolg gehabt zu haben. So hatte die Wirtschaftswoche berichtet, der Außenumsatz pro Auktion habe 2016 nur noch bei 90.000 Euro gelegen – ein Rückgang von über 60 Prozent.

Börsengang war für 2016 im Gespräch

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Auctionata hatte nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Entlassungen im März 2015 den US-Konkurrenzen Paddle8 Anfang 2016 übernommen. Beide Unternehmen hatten zuvor insgesamt 130 Millionen Dollar Risikokapital von Investoren eingesammelt. Das Geld stammt von namhaften Kapitalgebern, darunter Earlybird, HV Holtzbrinck Ventures und der German Startup Groups.

Dabei galt Auctionata lange als vielversprechendes Investment. 2014 wies das Auktionshaus zwar noch einen Jahresfehlbetrag von rund 27 Millionen Euro bei einem Nettoprovisionserlös von sechs Millionen Euro auf. 2015 stieg der Erlös jedoch auf 21 Millionen Euro. Für 2016 war Auctionata sogar als Börsenkandidat im Gespräch.

Seit Anfang September wird das Auktionshaus nun von dem früheren Bertelsmann-Vorstand Thomas Hesse geführt. Er löste den vormaligen CEO und Gründer Alexander Zacke ab, der in die Kritik geraten war. Laut eines Reports der Wirtschaftsprüfer KPMG hatten der Geschäftsführer und seine Frau Susanne Zacke selbst bei Auktionen mitgeboten, teilweise unter Pseudonymen. Nach der Gewerbeordnung für Auktionshäuser ist das nicht erlaubt.

Bild: Auctionata