Aufforstung, BaumInvest, Weforrest

Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind Themen, die oft eher weniger mit Ertrag einbringenden Kapitalinvestitionen in Verbindung gebracht werden. Nichtsdestotrotz gibt es solche Projekte, mit denen gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden können: Etwas für die Natur und das Klima tun, ein festes Einkommen für Kleinbauern generieren und gleichzeitig selbst Gewinne einfahren. Auch wenn Aufforstungsfonds für Internetgründer zuhnächst ziemlich off-topic scheinen, bieten sie doch interessante Anlage-Möglichkeiten und haben auch einige bekannte Gründer bereits angezogen.

BaumInvest und WeForrest setzen auf Aufforstung

BaumInvest und WeForrest sind gleich zwei Beispiele für Aufforstungsfonds, bei denen nicht nur Geld verdient werden kann, sondern auch Internet-Gründer aktiv involviert sind. Bill Liao zählte zu jenen Unternehmern, die Xing mit groß gemacht haben, nun bastelt er mit WeForrest zwar an einer weniger hübschen Seite, dafür aber an einem nachhaltigen Thema.

Und auch Leo Pröstler, der den Aktivposten bei BaumInvest markiert, konnte schon Internet-Erfahrung sammeln und engagiert sich nun wirtschaftlich für die Umwelt. Leo Pröstler, seines Zeichens Gründer des Freiburger Waschbär Umweltversands, hat vergleichweise früh an die Umwelt gedacht – bereits 1987 gründete er seinen Shop mit dem Fokus auf nachhaltige Produkte, suchte in den 1990ern nach Aufforstungsprojekten in Costa Rica und gründete 1995 zusammen mit der Umweltorganisation Ojoche eine Baumschule für bedrohte lokale Edelhölzer.

Im Jahr 2007 folgte dann das Umweltschutzprojekt BaumInvest. Mit BaumInvest ermöglicht Pröstler es Interessierten in die Wiederaufforstung der costaricanischen Wälder zu investieren und dabei selbst eine Rendite zu erzielen. Der Fokus des Projekts liegt sowohl auf ökologischen als auch sozialen Maßstäben.

Aufforstung am Beispiel BaumInvest

BaumInvest ist 2010 bereits in die zweite Investitionsrunde gegangen, nachdem Runde eins recht erfolgreich war. Im ersten Anlagezyklus fanden sich für BaumInvest zwischen Oktober 2007 und September 2009 insgesamt 330 Investoren, die zusammen 4,5 Millionen Euro zusammenbrachten. Die Erste Ausschüttung wird im Jahr 2022 erwartet. Bis dahin sind die Bäume so groß, dass sie geerntet werden können. Für Anleger bedeutet dies, einen langen Atem zu haben und nicht auf das Geld angewiesen zu sein.

Anbauort der neu entstehenden Wälder ist durch BaumInvest erstandenes Weideland, wo Jahrzehnte zuvor tropische Regenwälder gedeihten. Auf diesem Land werden durch einheimische Bauern hochwertige tropische Edelhölzer angebaut. Beim Anbau wird allerdings nicht auf Monokulturen gesetzt, sondern es werden Mischkulturen angebaut, wie es Auflage seitens des WWF ist. Zwischen den parallel angepflanzten Baumreihen ist noch genug Platz, um Waldfeldbau zu betreiben.

Ein Ausstieg aus der Investition ist nicht ohne Weiteres möglich, es ei denn, man findet einen Käufer für seinen Anteil. Hält man den langen Zeitraum durch, kann sich die Rendite allerdings sehen lassen, denn es wird ein Gesamtrückfluss von 326 Prozent des Einlagevermögens in Aussicht gestellt. Ein Einstieg in den Fonds BaumInvest II ist ab einem Betrag von 5.000 Euro möglich, höhere Einlagen müssen durch 1.000 teilbar sein.

Pro und Contra von Aufforstungsfonds

Es ist interessant zu beobachten, das ehemalige Internetgründer – wobei Bill Liao sicher etwas bekannter sein dürfte, als der Waschbär Umweltversand – hier auf Umweltthemen setzen. Aufforstungsfonds können also nicht nur eine interessante Geldanlage sein, sondern Tech-Gründern bietet sich auch die Möglichkeit, der Umwelt etwas zurückzugeben. Gründerszene hat sich deshalb einmal die Mühe gemacht, und Pro und Contra von Aufforstungsfonds abgewägt.

Pro von Aufforstungsfonds

  • Aufforstungsfonds sind eine stabile Anlageform: Holz ist weitgehend unabhängig von den Schwankungen der Aktienbörsen.
  • Ökologische Aufforstung hilft nicht nur der Geldbörse, sondern auch der Umwelt und beruhigt das Gewissen.
  • Waldfeldbau zwischen den Bäumen ermöglicht Nutzungen auch jenseits der Wachstumszyklen.
  • Naturreservate können erhalten und um 20 bis 30 Prozent ausgebaut werden.
  • Finanzielle Rendite: Der Kapitalrückfluss nach 24 Jahren beträgt bis zu  326 Prozent.
  • Ökologische Rendite: Bedrohte Tier- und Pflanzenarten werden geschützt und CO2 gebunden.
  • Soziale Rendite: Langfristig werden Arbeitsplätze zu fairen Bedingungen gesichert.

Kontra von Aufforstungsfonds

  • Der Wechselkurs beim Verkauf der Rohstoffe ist ungewiss.
  • Ebenso ist auch der Preis von Teak-Holz in 24 Jahren ungewiss.
  • Es gibt keinen Einlagensicherungsfonds.
  • Vernichtet ein Waldbrand das eigene Rohstoff-Invest, ist das investierte Geld verloren. Es kommt also zu einem Totalverlust der Einlage, wenn es zu einem Verlust der Ernte kommt.
  • Aufforstungsfonds sind insgesamt ein riskantes Investment.

Die Auflistung der Vor- und Nachteile zeigt in der Anzahl ein leichtes Übergewicht auf der Pro-Seite. Betrachtet man die positiven Punkte genauer, so zeigt sich recht schnell, dass mit einer Investition von 5.000 Euro viel erreicht werden kann. Selbst wenn nach 24 Jahren keine Rendite abspringt, so hat der Investor etwas Gutes für die Umwelt getan. Allerdings sollte man diese Art der Investition nicht als Ablassbrief betrachten, um weiterhin im Alltag mit der Umwelt gleichgültig umzugehen.

Bildmaterial: Lightfoot