Auszeit Erfahrungen Su Song

Seit 2011 gehört Su Song zum Vertical-Media-Team. Im  Mai organisierte sie erfolgreich die HEUREKA Conference, um dann drei Monate lang einfach mal abzuschalten. Hier bei einer Kayak-Tour auf Koh Rong.

Ich bin dann mal weg!

Su Song war schon immer sehr reiselustig – bereits während ihres Studiums ging es für ein Jahr nach England und zweimal für je sechs Monate nach Argentinien und Südkorea. Nachdem sie vor drei Jahren ihr Studium abschloss, wollte sie eigentlich eine Pause einlegen, die Welt bereisen und herausfinden, was sie eigentlich machen wollte.

Dann kam alles doch ganz anders: Es ergab sich das lukrative Angebot, ihre bisherige Werkstudentenstelle bei Vertical Media in eine Vollzeitstelle umzuwandeln. Die Findungsphase holte sie nun in diesem Sommer nach und berichtet uns von Zögermomenten, und davon, wie schön es sein kann, die Welt auf eigene Faust zu erkunden.

Zum Einstieg erzähl uns bitte, wer du bist und was du machst.

Ich heiße Su und ich arbeite seit Mai 2011 bei Vertical Media. Als Projekt-Managerin bin ich für verschiedene Projekte verantwortlich, die intern oder auch mit externen Partnern anfallen. Mein Hauptprojekt ist die HEUREKA Conference, die jedes Jahr im Mai stattfindet. Neben meinem Job bei Vertical Media betreibe ich mit meiner Freundin Rebecca auch einen Foodblog namens Fraeuleinchen.

Was hast du in deiner Auszeit gemacht und für wie lange?

Ich hatte Anfang des Jahres eine Auszeit von drei Monaten beantragt und bin von Anfang Juni bis Anfang September auf Reisen gegangen. Für zwei Monate ging es mit dem Rucksack durch Südostasien, genauer gesagt Indonesien, Thailand, Myanmar, Kambodscha und Vietnam; und für den dritten Monat habe ich meinen Rucksack gegen einen Koffer eingetauscht und bin nach New York und Vancouver gereist.

Wie sah deine Arbeitssituation vor der Auszeit aus?

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Die war vor der Auszeit im Grunde sehr gut, aber auch mit recht viel Stress verbunden. Die HEUREKA Conference hatte mir einige schlaflose Nächte bereitet. Aber der Stress hatte sich gelohnt, da wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden waren.

Wie war der Wunsch nach einem Jobausstieg bei dir motiviert?

In meiner Studienzeit war ich sehr viel in aller Welt unterwegs. Ich hatte für ein Jahr in England studiert, war für ein Praktikum für sechs Monate in Seoul, Südkorea, und weitere sechs Monate für ein anderes Praktikum in Cordoba, Argentinien. Meine Semesterferien hatte ich immer wieder dafür genutzt, meinen Rucksack zu packen und fremde Kulturen in Asien und Südamerika kennenzulernen. Für mich stand fest, dass ich nach meinem Studienabschluss keinen festen Job annehmen würde, sondern erst einmal für weitere sechs Monate auf Reisen gehen würde, um mir Gedanken darüber zu machen, wie es mit mir weitergehen soll. Doch dann kam nach meinem Abschluss das Angebot von Vertical Media, als Festangestellte im Team zu bleiben.

Da ich das Team von Vertical Media, wo ich zuvor als studentische Hilfskraft angefangen hatte, sehr mochte und außerdem einen Studienkredit abzuzahlen hatte, dachte ich, dass es vielleicht vernünftig wäre, erst einmal Geld zu verdienen und die Reisepläne ein wenig zu vertagen.

Aus „ein wenig“ wurden dann drei Jahre. Aber der Gedanke an eine längere Reise hatte mich nie richtig losgelassen. Das Jahr 2013 war für mich nicht nur professionell, sondern auch privat ein sehr ereignisreiches Jahr, das sehr viele Veränderungen mit sich brachte, und der Wunsch nach einem Tapetenwechsel wurde immer stärker.

Eines Tages, als ich mit meinem Chef Mark ein Gespräch über meine Zukunft bei Vertical Media hatte, habe ich das Thema angesprochen. Mark hat viel besser auf die Angelegenheit reagiert, als ich gedacht hätte. Er hatte glücklicherweise keine großen Einwände gegen meinen Wunsch, für drei Monate den Schreibtisch zu verlassen.

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Was haben deine Freunde und Familie zu deinen Plänen gesagt?

Meine Freunde haben sich sehr für mich gefreut. Viele hätten wahrscheinlich selbst gerne die Möglichkeit, eine so lange Pause einzulegen. Meine Eltern waren zunächst gar nicht begeistert. Sie waren noch nie sehr viel auf Reisen und konnten nicht nachvollziehen, dass ich einfach losziehen würde, ohne dass irgendwo in den Ländern ein Job oder ein Studium auf mich wartet.

Mein Vater meinte: „Aber ich kann dich ja eh nicht aufhalten.“ Womit er auch Recht hatte. Während meiner Reise habe ich aber meinen Eltern über KakaoTalk regelmäßig Bilder zugeschickt, wodurch sie sehr viel Interesse für die Orte entwickelt haben, in denen ich mich aufgehalten habe. Irgendwann fing meine Mutter sogar an, die Orte über Google zu erforschen und mir Tipps zu schicken. Als ich nach der Reise zurückgekehrt war, meinte sie sogar: „Jetzt musst du mal wieder ein bisschen arbeiten und Geld sparen für deine nächste Reise.“

Gab es vor deiner Reise Zögermomente?

Ja, auf jeden Fall! Kurz vor meiner Reise war ich super gestresst. Die Arbeit hatte mich völlig eingenommen, privat war dadurch auch einiges liegen geblieben und das mit dem Sparen hatte ich mir auch irgendwie einfacher vorgestellt. Da habe ich mich schon ab und zu gefragt „Warum will ich eigentlich weg? Ich könnte ja auch einfach in Berlin bleiben und den Sommer hier genießen. Berlin ist ja auch schön im Sommer.“ Aber dann wäre ich sicher sehr enttäuscht von mir gewesen und meine Hummeln im Hintern wären dadurch auch nicht verschwunden.

Wie verlief die Planung deiner Auszeit?

Um meine Reise finanzieren zu können, hatte ich mir ein gewisses Budget angespart. Ehrlich gesagt habe ich sonst nicht viel geplant. Ich habe meine laufenden Projekte abgeschlossen oder pausiert, habe meine Wohnung untervermietet und meine Sachen gepackt.

Mit welchen Erwartungen bist du an deine Auszeit heran getreten? Was hat dich erschreckt? Was hat dich positiv überrascht?

Ich hatte keine großen Erwartungen. Ich hatte nur gehofft, komplett abschalten zu können und meine ständige Anspannung lösen zu können. Im Grunde wollte ich einfach eine Vollbremsung einlegen und meinen Blick, der sonst immer nur nach vorne gerichtet ist, auch mal wieder nach links und rechts und besonders auch nach hinten lenken.

Erschreckt hat mich eigentlich nichts. Besonders positiv überrascht war ich darüber, wie toll es war, auch zwischendurch komplett alleine unterwegs zu sein. Das war eine völlig neue Erfahrung für mich, vor der ich vorher ziemlich viel Respekt hatte. Nicht nur, dass ich nicht besonders groß und Angst einflößend bin, sondern auch, weil ich eigentlich nicht gerne alleine bin und ich manchmal auch einiges verplane.

Dass ich lange Zeit nur auf mich alleine gestellt sein sollte, machte mir Sorgen. Aber es hat zum Glück alles wunderbar geklappt und ich habe sehr viele hilfsbereite und so unfassbar herzliche Menschen getroffen. Besonders die Einheimischen begegnen einem auch ganz anders, wenn man alleine unterwegs ist.

Ab wann hast du dich wieder auf die Arbeit gefreut?

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Eine Woche, bevor ich von der Reise zurückgekehrt bin, hatte ich ein Skype-Gespräch mit Mark, bezüglich einer Kooperation. Zuerst dachte ich „Oh no, ich mag gar nicht an Arbeit denken, geschweige denn darüber sprechen.“ Aber nach dem Gespräch hatte ich wieder richtig Lust, mich an die Arbeit zu machen. Ich habe mich auf die kommenden Projekte gefreut und ganz besonders darauf, das ganze Team wieder zu sehen.

Was ist das Fazit deiner Auszeit?

Diese dreimonatige Auszeit war eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe. Ich konnte wieder einmal richtig tief Luft holen und habe so viel Ballast abgeworfen und neue Energie getankt. Davon werde ich ganz sicher noch einige Zeit zehren. Außerdem habe ich gelernt, wirklich auf mein Bauchgefühl zu hören und einfach das zu tun, wonach mir der Sinn steht, auch wenn es eventuell anders geplant war. Nach dem Motto „let’s be crazy“. Ich denke, dass diese Einstellung auch im Berufsalltag manchmal sehr hilfreich sein kann.

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Hast du persönliche Veränderungen an dir fest gestellt?

Ja, ich denke, dass ich mit einer gewissen Leichtigkeit zurückgekehrt bin. Ich habe wundervolle Menschen kennengelernt, die so herzlich und lebensfroh waren, obwohl sie kaum etwas besessen haben. Manche schliefen jeden Abend auf einer Liege am Strand und hatten noch nicht einmal ein richtiges Dach über dem Kopf. Und trotzdem haben wir viel zusammen gelacht und keiner war verzweifelt. Davon habe ich mir versucht, so viele Scheiben wie möglich abzuschneiden. Meine eigenen vier Wände habe ich schon sehr vermisst auf der Reise. Aber solange ich die habe, kann mir eigentlich nichts Schlimmes passieren.

Wie war der Wiedereinstieg in den Job?

Außer dass ich in der ersten Woche mit dem Jetlag zu kämpfen hatte, war der Wiedereinstieg ziemlich gut. Ich freue mich, wieder zurück in diesem wundervollen Team zu sein und auch wieder mit tollen Partnern aus der Szene zusammen zu arbeiten.

Ich bin jetzt sehr motiviert und denke, dass ich in manchen Dingen weniger verbissen bin. Das erhoffe ich mir zumindest. Ich bin jetzt wieder dabei, die HEUREKA Conference für 2015 vorzubereiten. Ich freue mich darauf und hoffe, dass ich meine neu gewonnene Energie gut dafür einsetzen kann.

Vielen Dank für dieses Gespräch, Su.

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In Ho Chi Minh City (Vietnam) wurden vorbeigehende Touristen auf der Straße gefragt, ob sie einer vietnamesischen Studentengruppe eine Englisch-Stunde geben könnten. Da war Su natürlich gerne mit von der Partie!

Bilder: Su Song