NÜWIEL-Anhänger-3

„Fast alle Pakete werden mit einem Lkw oder Pkw ausgeliefert. Das ist doch in urbanen Zentren absolut nicht effektiv! “ Natalia Tomiyama, 31 Jahre alt, halb Koreanerin, halb Japanerin, aufgewachsen in Russland, übt klare Kritik an unserem modernen Verkehrsnetz. So wie es aktuell laufe, funktioniere es künftig nicht mehr. Durch den wachsenden Online-Handel würden Lkw und Transporter bald alle unsere Straßen verstopfen.

Mit ihrem Startup Nüwiel hat Tomiyama deswegen eine Alternative entwickelt: Einen smarten und elektrisch betriebenen Fahrradanhänger, der groß genug ist, um damit mehrere Pakete zu transportieren. Der Prototyp, an dem das Team mit Sitz in Hamburg gerade arbeitet, hält aktuell bis zu 100 Kilogramm aus. „Mit dem Fahrrad können Pakete schneller und effizienter ausgeliefert werden“, ist Tomiyama überzeugt. Im Sommer hat Nüwiel eine mehrmonatige Pilotphase durchlaufen. Vier Kooperationspartner testeten den Lastenanhänger für ihre Auslieferung, darunter auch UPS. Weitere Namen will die Gründerin nicht verraten. Sie hat ihren Partnern auf Wunsch Verschwiegenheit zugesichert. Vorerst sollen aber nur Geschäftskunden den Anhänger kaufen können, für „mehrere tausend Euro“.

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Ihren Mitgründer Sandro Rabbiosi (33), gebürtig aus Südafrika, lernte Tomiyama, die 2009 für ihr Studium nach Deutschland zog, in Hamburg kennen. Bei einem Workshop an der Technischen Universität trafen die beiden Fahad Khan (33), aufgewachsen in Pakistan. Zu dritt gründeten sie 2016 das Mobility-Startup. Fahad Khan ist verantwortlich für die Technologie und Produktentwicklung.

Er weiß, was den Anhänger von Nüwiel von anderen Anhängern auf dem Markt unterscheidet. „Das Besondere ist, dass der Fahrradfahrer kaum bemerkt, wie viel Gewicht er hinter sich her zieht“, erläutert er. „Denn unser Anhänger passt sich der Geschwindigkeit an und stoppt automatisch, wenn das Fahrrad bremst und wird ebenfalls automatisch schneller. “ Sein Ziel sei es, dass der Anhänger irgendwann dem Fahrrad autonom hinterherrolle. Aber das kann noch einige Jahre dauern. Immerhin lässt sich das Produkt aktuell an jedes Fahrradmodell ankoppeln. Bisher kommt Nüwiel mit knappen Ressourcen zurecht.

Ein paar hunderttausend Euro haben die Gründer an Fördergeldern eingestrichen. Derzeit sind sie auf der Suche nach Investoren. Allerdings sind Geldgeber bei neuer Hardware-Technologie üblicherweise zögerlich – häufig dauert die Entwicklung lange, schluckt viel Geld und niemand kann vorhersagen, ob das Produkt am Ende wirklich von den Kunden akzeptiert wird. „Es ist schon etwas gewagt, mit einem Hardware-Produkt an den Start zu gehen“, ist sich Natalia Tomiyama bewusst. Aber die Vision, unsere Städte sauberer, leiser und effektiver zu machen, treibe sie und ihre Mitgründer immer wieder an.

Bild: Nüwiel