Lea_von_Bidder

Lea von Bidder ist Mitgründerin von Ava

„Ich bin sehr visionsorientiert“, sagt Lea von Bidder auf die Frage, wie sich selbst beschreiben würde. „Und ich habe bei meiner Firma etwas gefunden, bei dem es mir wirklich, wirklich wichtig ist, dass das Produkt auf dem Markt ist.“ Die Gründerin ist gerade einmal 26 Jahre alt, eigentlich kommt sie aus Zürich, hat in St. Gallen BWL studiert. Mittlerweile arbeitet sie für ihr eigenes Startup namens Ava in San Francisco. Mehr als zwölf Millionen US-Dollar an Investorengeld stecken insgesamt in dem Unternehmen.

Mit ihrem Team hat Lea von Bidder ein hellblaues Armband entwickelt, dass die fruchtbaren Tage von Frauen erkennt. So hilft es ihnen dabei, schneller schwanger zu werden. Das Armbad muss dafür nachts am Handgelenk getragen und am kommenden Morgen mit einer dazugehörigen App synchronisiert werden, um dann anzuzeigen, in welcher Phase des Zyklus die Frau sich gerade befindet. „Unsere Technologie misst neun Parameter, mit denen wir Veränderungen bei den zyklusrelevanten Hormonen Estradiol und Progesteron erkennen“, erklärt von Bidder. „So können wir das fruchtbare Fenster definieren.“

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Zu den neun Parametern, die das Armband nachts misst, zählen laut von Bidder unter anderem die Pulsfrequenz, Atemfrequenz, Schlafdauer, Hauttemperatur, Wärmeverlust und Durchblutung. „Dass die Pulsrate bei der Messung des Zyklus eine große Rolle spielt, ist bisher kaum bekannt“, sagt die Gründerin. Mithilfe der vielen Parameter würde das Armband 5,3 fruchtbare Tage im Zyklus mit einer Sicherheit von 89 Prozent erkennen.

„Wir haben als Gesellschaft gelernt, diese Themen zu ignorieren“

Von Bidder gründete Ava gemeinsam mit Philipp Tholen, Peter Stein und Pascal Koenig. In der Gründungsphase lasen die Vier Hunderte Studien zu dem Thema Fruchtbarkeit. Mit der Universitätsklinik in Zürich führten sie schließlich eine Studie durch, die auch staatlich gefördert wurde, um die neun Parameter bestätigt zu bekommen. „Das ganze Thema Zyklus oder Periode ist immer noch ein Tabu“, sagt von Bidder bei unserem Skype-Telefonat. „Denn wir haben als Gesellschaft gelernt, diese Themen zu ignorieren und isolieren Frauen deswegen häufig.“ Bisher gebe es viel zu wenig Forschung und Entwicklungen in dem Bereich der Frauengesundheit, findet die Unternehmerin, die über sich sagt, dass sie „definitiv aus der Feministenecke“ komme.

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Auf die Idee für Ava kam Lea von Bidder allerdings nicht selbst, sondern einer ihrer Mitgründer. Seine Frau wollte schwanger werden und fand alle vorhandenen Methoden, um die fruchtbaren Tage zu erkennen, nicht ansprechend. Täglich die Temperatur zu messen sei ihr beispielsweise zu mühsam gewesen, erzählt Lea von Bidder. Ohnehin ist diese Messmethode ihrer Meinung nach nicht besonders sinnvoll. „Die Temperatur steigt immer erst nach dem Eisprung an, aber dann ist es eigentlich zu spät, weil die Tage bis zum Eisprung viel wichtiger sind“, argumentiert sie. „Deswegen haben wir uns gefragt, wie man den Anfang der fruchtbaren Phase erkennen kann.“

Seit Juli hat Ava tausende Armbänder verkauft

25 Mitarbeiter basteln mittlerweile an Ava, die meisten sind Datenwissenschaftler oder Entwickler. Sie sitzen in Büros in San Francisco oder Belgrad oder in dem Hauptsitz der Firma in Zürich. Seit Juli ist das Armband auf dem Markt, 199 US-Dollar kostet es. „Ein paar tausend“ davon seien bereits verkauft worden, so die Gründerin – bisher allerdings nur in den USA. Dort wurde das Armband bereits von der FDA, der Behörde für Lebens- und Arzneimittel, als Medizinprodukt registriert. In Deutschland soll es Anfang des kommendes Jahres verfügbar sein, Vorbestellungen können auf der Webseite des Startups abgegeben werden. Einen genauen Umsatz will von Bidder nicht nennen, ihr Team strebe aber die baldige Profitabilität an, sagt sie.

Vor wenigen Wochen konnte Ava mehr als neun Millionen US-Dollar einsammeln. Zu den Geldgebern des Startups zählen die Schweizer Investoren Polytech Ecosystem Ventures und Swisscom. „Wir haben es geschafft, eine Technologie genau zum richtigen Zeitpunkt zu entwickeln“, sagt von Bidder. „Und die Investoren finden es spannend, dass wir in einen Bereich reingehen, in dem seit 50 Jahren nichts mehr passiert ist.“ Die Technologie für Ava hat das Startup komplett alleine entwickelt. Hergestellt werden die Armbänder in Deutschland.

Bisher ist der Algorithmus darauf trainiert, den Nutzerinnen zu sagen, wann ihre fruchtbaren Tage sind. Sprich, wann eine Schwangerschaft wahrscheinlich ist. Als Verhütungsmethode funktioniert Ava nicht – „noch nicht“, betont die Gründerin. Langfristig möchte sie das ändern. „Unser Produkt soll für jede Frau relevant sein und sie in jeder Phase begleiten. Das ist das Ziel.“


Dieses Video des Startups zeigt, wie das Armband aussieht und funktioniert.

Bild: Ava