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Weder Galerie noch Luxuswohnung: Axel Hesse im pompösen Berliner ClueList-Büro

Axel Hesse und …

Axel Hesse ist mehr als Gutscheinpony und Trash TV. Während der letzten Monate arbeitete er kontinuierlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit an mehreren Startups und Projekten, die nun nach und nach zum Vorschein kommen und – für viele vielleicht überraschend – durchaus Potenzial haben könnten.

Axel Hesse und die Nightlife-App ClueList

Seit 1,5 Jahren arbeitet Axel Hesse mit einem großen Team hinter den Kulissen bereits an seinem nächsten Fokusprojekt, der Nightlife-App ClueList, die unter anderem eine Gästelistenverwaltung für Clubbesitzer und Clubgänger beinhaltet. Klingt simpel, ist aber nach den Worten von Hesse, der bereits unter anderem zwei Discotheken führte, eine Innovation. „Die Discotheken und Clubs arbeiten alle sehr mittelalterlich. Es gibt außer neuen Schnaps-Richtungen keine technischen Neuerungen in diesem Segment. Die Leute machen Veranstaltungen und haben keine großartige Interneterfahrung und das technische Know-how”, so Hesse.

Die digitale Gästeliste von ClueList schafft nicht nur handgeschriebene Listen ab, sondern zentralisiert und importiert auch bereits andere vorhandene Listen wie etwa von Facebook und CSV/Excel. Zudem gibt es dem Clubbesitzer auch die Möglichkeit, zu schauen, wer tatsächlich auf der Party wer, wer wen mitgebracht hat und wie sich der Gast verhalten hat.

Er kann über Push-Nachrichten Gäste auch während der Party etwa über Specials unterrichten oder zum Beispiel potenzielle Gäste, die sich noch nicht im Club befinden, durch einen spontan dazugestoßenen Stargast zum Partygang animieren. „Man baut sich einen Gästepool und ein Gästeverhältnis am Wochenende auf und kann das für das nächste Wochenende nutzen“, sagt Hesse dazu.

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Daneben wird in wenigen Wochen auch die Community-Funktion weiter ausgebaut, indem Nutzer unter anderem Fotos hochladen und sich mit anderen darüber austauschen können. Der Clubgänger wird dadurch an den Club gebunden und der Club bekommt kostenfreie Promo. Die Gästelisten-App will sich damit langfristig als Nightlife-Portal positionieren, das auch eine Umkreissuche für Events und den Ticketverkauf integrieren möchte.

Man merkt ClueList schnell an, dass es sich um kein Hobbyprojekt handelt. Allein das ClueList-Büro strotzt mit seiner üppigen Ausstattung – es gibt sogar einen Mini-Zen-Garten – vor Selbstvertrauen. Ob dieser Ambition wurde sich auch direkt zur Gründung für eine AG entschieden. „Wir sind eine AG, weil es eine großangelegte Sache ist. Wir werden zeitnah in Europa loslegen und dann auch global durchstarten“, sagt Axel Hesse.

Überraschenderweise ist die App für den Endverbraucher kostenfrei und kostet auch den Club selbst keinen Cent. ClueList monetarisiert sich über „E-Commerce beziehungsweise Vermittlungsprovision“. Darüber hinaus sind In-App-Purchases geplant und Clubs sollen die Möglichkeit bekommen, sich über einen kleinen Obulus besser in der App vor anderen Mittbewerbern positionieren zu können.

Axel Hesse und das Versicherungs-Startup Traumschutz

Neben seinem derzeitigen Hauptprojekt hat es Hesse auch in die Versicherungsbranche verschlagen. Startup Nummer zwei ist der Versicherer Traumschutz. Das Berliner Unternehmen, das im Dezember seine Büroeröffnung feiert, will individuelle Versicherungskonzepte für Elektronik bieten und unter anderem Handyschutzbriefe an den Mann und die Frau bringen.

Hesse setzt dabei klar auf emotionale Produkte, da er Versicherungen selbst als wenig anpreisbar sieht. „Elektronikgeräte wie das iPhone oder iPad sind für Menschen wichtige Gegenstände des täglichen Lebens und damit emotional darstellbar.“

Warum widmet sich Hesse aber gerade Versicherungen? Den Kontakt zum Thema stellte Dominik Groenen her – hier kürzlich im Video-Interview mit Gründerszene -, der über 15 Jahre Berufserfahrung in diesem Segment hat und in dessen Startup, Mobinco, Hesse investiert ist.

Zudem bietet das Thema Innovationspotenzial, das das Internet und Mobile mit sich bringt: „Es wird immer weniger Außenmitarbeiter geben, die Versicherungsbranche ist voll im Umbruch – die Versicherer müssen sich jetzt anpassen“, so Axel Hesse und führt fort: „Heutzutage stehst du mit nem Snowboard auf nem Berg und kannst sagen: Ich will jetzt noch eine Unfallversicherung haben“.

Auch haben „alle Berliner Firmen Synergien zueinander“, sagt Hesse. So steht zum Beispiel fest, dass Nutzer der App ClueList über ein modernes Handy verfügen, das man mit der Traumschutz-App versichern und so cross promoten kann.

Axel Hesse und der IT-Recruiter Recruitland

Hesses Startup Nummer drei läuft derzeit auf Sparflamme beziehungsweise befindet sich noch in Gründung. Es ist das HR-Unternehmen Recruitland, das sich der Vermittlung von IT-Personal verschrieben hat. Damit will Hesse nicht nur unter anderem einen Markt mit einem großem Verlangen nach programmiertechnisch versierten Fachkräften beliefern, sondern wagt sich auch in ein ein Gebiet vor, dass zum schwierigsten im (Startup-)Recruiting-Umfeld gehört.

Axel Hesse und das Gutscheinpony

Auch wenn die meisten Axel Hesse als das Gesicht des Gutscheinponys sehen, dürfte den wenigstens bekannt sein, dass Hesse mittlerweile nicht mehr aktiv im Unternehmen, sondern lediglich Gesellschafter ist. Zu den Gründen des Auscheidens äußert sich Hesse wie folgt:

„Für mich ist es wichtig, dass alles mit einer positiven Energie zusammenhängt. So, dass man das, wofür man lebt, auch mit anderen Menschen teilen kann. Wenn man aber merkt, dass diese Menschen eine andere Auffassung haben, ist das eine extreme Reibung – das blockiert, hält auf und man konzentriert sich eher auf positive Dinge: wie ClueList oder Traumschutz“.

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Will heißen: Es gab wohl innerbetriebliche Auseinandersetzungen, die dann zum Ausscheiden des ehemaligen Geschäfsführers und Gründers führten. Die beiden neuen geschäftsführenden Gesellschafter sind Jürgen von Schwerin und Leonard Quack.

Axel Hesse und seine Holding Cake Capital

Neben den eigenen Unternehmungen ist Hesse mit Beteiligungen auch bei anderen Startups involviert. Über seine Holding Cake Capital investiert er seit einigen Monaten auch kleinere Beträge in junge Unternehmen.

Axel Hesse und das Buch

Ab 2014 darf man zudem auf ein Buch gespannt sein, in dem Hesse Ratschläge rund um das Thema Gründen geben möchte – und dabei auch gleichzeitig auf eigene begangene Fehler und Missstände hinweist. „Man ist immer positiv und hat den Leuten geholfen. Aber man will sich ja nichts gefallen lassen”, sagt Hesse dazu und deutet damit wahrscheinlich in Richtung Gutscheinpony. „Es gibt kaum Ratgeber ,So schützt du dich in deiner Firma, die du aufgebaut hast’“.

Das Buch ist aber nicht nur eine persönliche Aufarbeitung, sondern soll vor allem einen Mehrwert für Junggründer darstellen, sich in schwierigen geschäftlichen wie auch privaten Situationen zurecht zu finden. „Zur Jahreswende blende ich mich komplett aus und gehe nach Asien und schreibe das Buch einfach in einem Rutsch runter. Es wird eine Mischung aus positiver Energie, Motivation, Ratgeber und Erfahrungsbericht“.

Bild: Georg Räth