Babbel Startup-Helden

„Startup-Helden“ von Babbel im Interview

Eigentlich wollten Thomas Holl (37), Markus Witte (42) und Lorenz Heine (39) (Foto, v.l.n.r.) eine Kollaborationsplattform für Musiker erschaffen. Der Markt für’s Online-Sprachenlernen schien dann aber doch attraktiver. 2007 riefen sie das Lernportal Babbel (www.babbel.com) ins Leben, das sechs Jahre später rund 190 Mitarbeiter sowie rund 17 Millionen Nutzer beschäftigen sollte. 13 Sprachen von Englisch bis Indonesisch bietet Babbel derzeit an. Mittels integrierter Spracherkennung können Nutzer ihre Aussprache testen und trainieren.

Im März erwarben die Berliner nicht nur einen US-Konkurrenten, sondern fuhren auch eine zweistellige Millionenfinanzierung von unter anderem Reed Elsevier Ventures ein. Der Bereich Mobile soll seitdem verstärkt ins Visier genommen werden.

Wer seid Ihr und was macht Ihr?

Wir sind Markus Witte (CEO), Lorenz Heine (Chief Innovation Officer) und Thomas Holl (CTO). Zusammen mit unserem Freund Toine Diepstraten, der inzwischen eine eigene Firma betreibt, haben wir 2007 das Online-Sprachlernsystem Babbel gegründet. Wir wollten damit jedem die Möglichkeit geben, zu jeder Zeit und von überall aus, eine Sprache zu lernen und das ohne CD-ROMs oder Lehrbücher, dafür mit schnelleren Erfolgserlebnissen – auch nach dem ersten Feierabendbier. Sechs Jahre später sitzen wir immer noch in Berlin Kreuzberg, nur das Büro und die Anzahl der Babbel-Lerner ist größer geworden.

Wie seid Ihr auf die Idee zu Babbel gekommen?

Aus eigenem Bedarf. Wir waren eigentlich schon dabei, eine Kollaborationsplattform für Musiker zu bauen. Durch einen Zufall haben wir festgestellt, wie spannend der Markt für Online-Sprachlernangebote ist. Wir wollten Lernen mit einem plattformübergreifenden System radikal vereinfachen, unterhaltsamer und motivierender machen. Die Entscheidung war nicht einfach, aber aus heutiger Sicht richtig: Wir stoßen weltweit auf einen gewaltigen Bedarf. Dennoch sind wir erst am Anfang und haben noch viel vor.

Im März 2013 übernahm Babbel zum Einen den US-Konkurrenten PlaySay und erhielt zum Zweiten eine Zehn-Millionen-Dollar-Finanzierung. Was hat sich seitdem für Babbel getan?

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Die Firma und der Kundenstamm sind weiterhin gewachsen. Neben der Internationalisierung liegt der Fokus auf mobilen Lerninhalten. Wir arbeiten gerade daran, das Produkt kundenindividuell anzupassen. Die Mitarbeiterzahl wächst weiter. Inzwischen sind wir 90 feste und mehr als 100 freie Mitarbeiter. Das ist eine hervorragende Ausgangsbasis dafür, die Marke noch weiter zu verbessern und bekannter zu machen.

Was wünscht Ihr Euch für den Gründungsstandort Deutschland?

Wir brauchen verlässliche politische Rahmenbedingungen und ausreichend Finanzierung für Neugründungen. Deutschland als Startup-Standort muss nachhaltig gestärkt werden. Bürokratische Hürden müssen abgebaut werden. So wird auch die Risikobereitschaft von Unternehmern und Investoren wachsen. Das amerikanische Fördersystem mit Business Angels und der engen Verknüpfung an die Wirtschaft sollte endlich auch in Deutschland ankommen.

Welche Trends seht Ihr im Internet?

Es gibt seit Jahren die Bewegung hin zu Touch Devices. Das Internet wird mobil! Was früher ein großer Austobplatz für Insider war, bestimmt heute unseren Alltag, und die Art und Weise, wie wir uns informieren und fortbilden. Die Tatsache, dass bezahlte Dienste eine immer größere Rolle spielen, belegt das. Die Websites und Apps sind heute vor allem auf eine einfache Benutzung ausgerichtet. Für uns ist es bereits Normalität, dass ein Großteil unserer Nutzer über „mobile devices“ auf Babbel zugreift.

Bild: Babbel