idnow_3

Identifikation per Smartphone bieten Startups wie IDnow und WebID

Mehr als ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass sich die Gemüter in der Fintech-Szene erhitzten. Grund für die Aufregung war ein Rundschreiben der Aufsichtsbehörde Bafin, das die jungen Unternehmen auf die Barrikaden brachte. Demnach sollten sich die Regeln für die Videoidentifikation deutlich verschärfen.

Was sich nach einer kleinen, technischen Änderung anhörte, hätte enorme Folgen für die Startups haben können: Denn jeder Kunde, der beispielsweise die Dienste von der Banking-App N26 oder dem Robo-Adviser Scalable Capital verwenden möchte, muss sich über einen Video-Chat identifizieren. Genau dieser Service macht es für Kunden vergleichsweise einfach, von zu Hause aus in einigen Minuten ein Konto zu eröffnen.

Anzeige
Nach den verschärften Regeln hätten die Unternehmen etwa in „sozialen Netzwerken“ nach Informationen über ihre potentiellen Kunden suchen müssen. Außerdem sollten neue Fintech-Kunden – wenn sie ein Konto eröffnen – als zusätzlichen Schritt von einem anderen Konto einen Geldbetrag auf ihr neues Konto überweisen, eine sogenannte Referenzüberweisung. „Demnach könnten junge Kunden, die noch kein Konto haben, manche Fintech-Angebote nicht mehr verwenden“, sagte der Gründer des Robo-Advisers Vaamo Oliver Vins damals gegenüber Gründerszene.

Die neuen Regeln konterkarierten die Bemühungen der Bafin, junge Finanzunternehmen zu fördern. Bereits im vergangenen Sommer legte die Aufsichtsbehörde ihre eigenen Vorgaben auf Eis. Nun geht die Bonner Behörde noch einen Schritt weiter und kassiert die eigenen Regeln wieder. In einem aktuellen Rundschreiben ist nun von einer Referenzüberweisung oder einer Überprüfung in sozialen Netzwerken nicht mehr die Rede.

Die Branche begrüßt den Schritt der Bafin: „Das Rundschreiben ist ein Paukenschlag für die Banken- und Finanzwelt“, lässt sich Frank Jorga, der Gründer von WebID zitieren. Nun gebe es endlich eindeutige Regeln, heißt es weiter. Anbieter wie WebID oder IDnow wickelt die Video-Identifikation etwa für Fintechs und Banken ab.

Verantwortlich für diesen Erfolg sei auch eine Fintech-Arbeitsgruppe mit Vertretern aus dem Ministerium, der Bafin und aus der Fintech-Branche, heißt es von Michael Sittek, dem Geschäftsführer von IDnow gegenüber Gründerszene. „Wir freuen uns sehr, dass das neue Rundschreiben die Sicherheit der Video-Identifikation weiter erhöht, ohne dabei die Nutzerfreundlichkeit einzuschränken“, sagt Sittek weiter. Das Münchner Startup habe an den neuen Regeln mitarbeitet, so Sittek. Laut Schreiben müssen die Mitarbeiter für das Video-Ident etwa regelmäßig geschult werden.

Video-Ident: Bafin und Politik werfen Fintechs Steine in den Weg

Bafin und Politik werfen Fintechs Steine in den Weg

Neue Regeln für eine Video-Identifikation beschäftigen aktuell viele Fintech-Startups. Sie haben einen Brief an die Bafin geschrieben. Was steckt dahinter?

Bild: IDnow/Screenshot