Bafin-Präsident Felix Hufeld auf der BafinTech-Konferenz.

Das Timing hätte nicht schlechter sein können. Der Konferenztag am Dienstag sollte eigentlich der weiteren Annäherung zwischen Fintech-Startups und der Bafin dienen. Dafür hatte die Aufsichtsbehörde etwa 200 Vertreter der jungen Finanzbrache nach Frankfurt eingeladen. Auf der Bühne diskutieren Banken und Startups freundlich über Themen wie „Fintechs – Inspiration oder Disruption?“. Ein brisantes Thema kam auf der Bühne jedoch nicht zur Sprache, und doch beschäftigt es die Fintech-Branche gerade massiv – unter der Oberfläche brodelt es.

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Der Grund für den Ärger befand sich in einer Mail, die vor wenigen Tagen von der Bafin verschickt wurde. Der technokratische Titel: „Rundschreiben 04/2016 (GW) – Videoidentifizierungsverfahren“. Es geht dabei, um die technische Möglichkeit sich unkompliziert per Videochat übers Smartphone zu authentifizieren, beispielsweise bei einer Kontoeröffnung. Laut Rundbrief der Bafin verschärfen sich die Regeln für das Verfahren.

Update, 13.7.2016: Die BaFin teilt mit, dass das verpflichtende Rundschreiben bis Ende Dezember dieses Jahres ausgesetzt wird. Ursprünglich sollte es ohne Übergangsfrist gelten. Hintergrund ist, dass zum Jahreswechsel eine neue Europäische Geldwäscherichtlinie in Kraft treten soll, welche ebenfalls veränderte Regeln mit sich bringen wird. In der Fintech-Szene wird der vorläufige Stopp positiv gesehen:

Dieser Artikel erschien zuerst am 29.6.2016 um 9:47 Uhr.

So müssen neue Fintech-Kunden – wenn sie ein Konto eröffnen – als zusätzlichen Schritt von einem anderen Konto einen Geldbetrag auf ihr neues Konto überweisen, eine sogenannte Referenzüberweisung. „Demnach könnten junge Kunden, die noch kein Konto haben, manche Fintech-Angebote nicht mehr verwenden“, sagt der Gründer des Robo-Advisers Vaamo Oliver Vins. Auch Menschen, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen und kein europäisches Konto besitzen, haben ein Problem.

Eine weitere neue Regelung: Die Anbieter sollen bei der Identifizierung des neuen Kunden „das Internet und soziale Netzwerke“ nach Infos zur Person durchsuchen. „Was genau damit gemeint ist, bleibt unklar“, sagt Vins. Und der Geschäftsführer von IDnow, Michael Sittek, fragt: „Was für Schlüsse sollen Finanzinstitute ziehen, wenn sie viel oder wenig Infos über jemanden im Netz finden?“

Eine Änderung, die am Kern der Fintechs rüttelt

Was sich erst einmal nach regulatorischen Feinheiten anhört, rüttelt am Kern der Fintechs: der Usability. Die Startups leben davon, dass der Anmeldeprozess schnell und einfach für möglichst viele Kunden funktioniert. Die Referenzüberweisung erschwert den Prozess deutlich. Robo-Adviser wie Vaamo und Scalable Capital und die Banking-App von Number26 sind auf diese unkomplizierte Anmeldung angewiesen, auch viele etablierte Banken verwenden den Service. „Das könnte ein krasser Conversion-Killer werden“, sagt Vaamo-Mann Vins. Soll heißen: Mehr Kunden springen bei der Anmeldung ab.

Bafin-Präsident Felix Hufeld erklärte auf Gründerszene-Nachfrage: Es gehe darum, Terrorfinanzierung zu bekämpfen. Eine Vorgabe, die von den Sicherheitsbehörden gekommen sei. „Das diese Regel den ein oder anderen unangenehm trifft, ist vollkommen verstanden“, sagt Hufeld. Doch es sei eine „wichtige und legitime politische Perspektive“ zwischen „politischen Prioritäten“ abzuwägen. In einem halben Jahr müssten sie außerdem die 4. EU-Richtlinie zur Geldwäsche-Bekämpfung umsetzen, in diesem Kontext sei die Verschärfung zu sehen.

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Dienstleister wie IDnow und WebID, die das Videoident für Fintechs und Banken übernehmen, teilen mit, sie erfüllen die Auflagen. Michael Sittek von IDnow erklärt, dass sie heute schon für einzelne Kunden Datenbankenabfragen zur Überprüfung von Endkunden machen. Diese Prozesse werden dann über alle angeschlossene Banken und Fintechs ausgerollt. Auch werden sie die zusätzlich geforderte Überweisung anbieten. Doch: Dadurch dauert die Anmeldung länger – was blöd für die Kunden ist – und kostet mehr, was für Fintechs und Banken zum Nachteil wird.

Auch WebID erfülle alle wichtigen Punkte des Schreibens, so das Unternehmen gegenüber Gründerszene. Allerdings heißt es zum Rundbrief: „Aus rechtlicher und aus sicherheitsorientierter Sicht sollten diese neuen Zusatzanforderungen jedoch hinterfragt und angemessen angepasst und ausgelegt werden.“ Die Fachgruppe Fintech aus dem Bundesverband Deutsche Startups hat einen Brief an Felix Hufeld geschrieben. Es geht ihnen vor allem darum, Klarheit zu bekommen.

Der Geschäftsführer von IDnow versteht die Begründung der Bafin nicht. Schließlich sei das Video-Verfahren durch die verschiedenen Überprüfungen bedeutend sicherer als etwa das manuelle PostIdent-Verfahren, das nicht die technische Unterstützung zur Aufdeckung von Betrugsfällen biete und außerdem die Kunden zur Post laufen müssten. Auch Vaamo-Chef Vins sagt: „Ich glaube nicht, dass Terroristen anfangen, über unseren Robo-Adviser ihr Geld anzulegen.“

Bild: Caspar Schlenk / Gründerszene: Bild bei Facebook: Creative RF / Von: Mats Silvan