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Wem vertraue ich Geld an: Fintechs oder Banken?

Die Deutschen reden sowieso nicht gerne über ihr Geld. Für die Kunden der Comdirect-Bank kam es besonders schlimm: Am heutigen Montagmorgen konnten Verbraucher fremde Konten einsehen. Ein Handelsblatt-Redakteur bewegte sich beispielsweise durch ein fremdes Konto mit 50.000 Euro Guthaben und konnte Kontoauszüge abrufen. Wie viele Kunden betroffen sind, verriet die Bank bisher nicht. Nur so viel: Es handle sich um eine technische Störung. Eine Software-Einspielung in der vergangenen Nacht habe „zu Problemen geführt“, erklärte ein Sprecher. Vormittags war die Kunden-Webseite der Comdirect erst einmal offline.

Ein gravierender Vorfall. Damit hatten nun zwei große deutsche Banken – erst die Deutsche Bank und jetzt die Commerzbank-Tocher – mit schweren Datenpannen zu kämpfen. Welche Ironie – schließlich stehen normalerweise die jungen Fintech-Unternehmen unter Verdacht, schluderig mit den Daten ihren Kunden umzugehen.

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So gab es beispielsweise bei einer Datenpanne von Number26 vor einigen Wochen ein großes Medienecho. Reflexartig heißt es bei solchen Problemen von frustrierten Fintech-Kunden: „Dann wechsel‘ ich halt wieder zu den etablierten Banken.“ Ob das eine gute Lösung ist, stellen die jüngsten Skandale infrage.

Was also bleibt den Verbrauchern? Gerade von Banken erwarten sie Sicherheit. Bei sehr jungen Fintech-Startups fehlen Erfahrungswerte, dadurch fehlt Vertrauen – das schreckt Verbraucher ab, neue Angebote auszuprobieren. Doch die Datenskandale der etablierten Comdirect und Deutschen Bank zeigen: Eine allgemeine Schlussfolgerung ist falsch. Die großen Namen reichen nicht mehr als Garantie für Datensicherheit.

Die Frage für Verbraucher bleibt: Wohin mit dem Geld? Unter die Matratze?

Es wird darauf hinauslaufen, dass Banking-Kunden schauen müssen, wie sich die Institute und Fintechs bei der Fehlerbehebung schlagen. Überwachen die Unternehmen soziale Netzwerke permanent, um auf technische Fehler blitzschnell zu reagieren? Bieten sie in den Krisen einen guten Kundenservice? Teilen sie die Pannen den betroffenen Kunden unverzüglich mit? Und kommunizieren sie öffentlich ihre Fehler?

Nur einem Anbieter, der zeigt, dass er schnell reagiert und lernfähig ist, werden Kunden künftig vertrauen. Denn Fehler wird es in einer digitalen Welt, in der sich Finanzunternehmen an neue technische Funktionen heranwagen, immer geben.

Die Comdirect hat jetzt zumindest gezeigt, wie es nicht funktioniert:

Bild: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von aisletwentytwo