Ryan&Johannes

Die Führungskräfte von Oolipo: Ryan Mullins (links) und Johannes Cornady

Die vergangenen Monate waren für den Verlag Bastei Lübbe aus Köln nicht gerade rosig: Das Unternehmen musste seine Bilanzen korrigieren, der Börsenkurs fiel kräftig. Und auch der geplante Start der Digital-Plattform Oolipo verzögerte sich deutlich. Eigentlich sollte diese im April 2016 starten – und eine Art Netflix für Bücher sein. Nun, fast ein Jahr später, geht stattdessen eine Geschichten-App für Millennials live.

In der App finden Nutzer Stories, die für Smartphone-Nutzer aufbereitet sind. Die Texte sind angereichert mit Fotos, Videos, Audio-Dateien oder Gifs und schicken dem User zum Beispiel Pushnachrichten als Teil der Geschichte. „Bisher ignorieren viele digitale Medien mobile Technologie, sie packen ihre Inhalte auf Handys, ohne sie wirklich für mobile zu optimieren“, glaubt Ryan Mullins, der das App-Geschäft führt und zuvor die E-Book-Plattform Readfy gründete. „E-Bücher auf dem Handy zu lesen ist zum Beispiel schwierig. Wir haben deshalb eine neue Plattform fürs Mobile Storytelling geschaffen.“ Nach einer Testversion im Herbst 2016 ist diese nun im App-Store verfügbar.

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Screenshot der App

Zum Start befinden sich rund zwölf Geschichten in der App, die es bislang nur als iOS-Version gibt. In wenigen Wochen soll es eine Android-Version geben. Es sind Inhalte, die extra für die App hergestellt wurden, so Mullins. So etwa eine gemeinsame Kreation mit dem englischen Youtuber SuliBreaks.

Noch sind diese Geschichten nur auf Englisch verfügbar, der Grund sei der parallele Start in Großbritannien und Deutschland. Mit den ersten Geschichten aus dem Produktsortiment von Bastei Lübbe sollen auch deutsche hinzukommen. „Später werden dann auch Stories von anderen Verlagen oder Autoren aufgenommen“, sagt Mullins. „Allerdings sind wir sehr erpicht darauf, die Qualität der Geschichten zu gewährleisten.“ Er glaubt: „Wenn du eine Plattform für jeden öffnest, kannst du die Qualität nämlich nicht mehr sichern.“

Die Stories – Oolipo nennt sie Serien – sind in Episoden unterteilt. Während die erste meistens kostenlos ist, muss der Nutzer für weitere Folgen zahlen. Vorab kauft er sogenannte Credits, die dann für Teile der Story eingetauscht werden können. „Es ist eine verbreitete Annahme, dass Millennials für nichts zahlen wollen“, sagt Mullins. „Dennoch glauben wir, dass sie für Inhalte zahlen, wenn sie qualitativ hochwertig und relevant für sie sind.“

Das ursprüngliche Konzept der Bücher-Flatrate gab der Verlag auf, weil man glaube, „dass E-Bücher die Bedürfnisse der Leser nicht mehr befriedigen“, so Mullins. „Es gibt eine neue Art von Leser, der nicht nur liest.“ Vielmehr wolle der Leser interaktiv unterhalten werden und die Möglichkeit bekommen, interessante Dinge zu teilen, glaubt der Oolipo-Chef.

Bilder: Oolipo