Ampd

Im Labor von Ampd in Hongkong: Brandon Ng wollte eigentlich Elektro-Motorräder herstellen, davon ist nur der erste Prototyp übrig geblieben

Manchmal braucht es einen besonderen Moment für eine Startup-Idee. Ampd-Gründer Brandon Ng wollte eigentlich mit einem Geschäftspartner über sein Elektro-Motorrad-Projekt sprechen. Doch dann fiel plötzlich der Strom aus. Das kommt in Ländern wie Indonesien oder Indien häufiger vor. Erst nach 45 Minuten sprang der Dieselgenerator an. Und in diesen dunklen 45 Minuten kam Brandon die Idee für ein ganz anderes Startup, an dem er seit 2015 im Rahmen des Inkubator-Programmes des Hongkong Science and Technology Parks arbeitet: Wie wäre es, wenn man während eines Stromausfalls das Gebäude mit der Batterie aus dem Motorrad mit Strom versorgen würde, war sein erster Gedanke. Daraus hat sich inzwischen das Startup Ampd entwickelt. Der Prototyp des Elektro-Motorrades steht immer noch im Ampd-Labor, doch jetzt dreht sich hier alles nur noch um Energiespeicherung.

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Fast schon ein Designerstück

Mit einer neuen Energiespeichertechnik will Ampd Dieselgeneratoren überflüssig machen. Der kühlschrankgroße, schneeweiße Akku soll Stromausfälle schnell, sauber und effektiv überbrücken. Brandon gegenüber Gründerszene: „Es kann doch nicht sein, dass weltweit immer noch unzuverlässige, laute und schmutzige Dieselgeneratoren im Einsatz sind!“ Das Gerät von Ampd, genannt Silo, wirkt schon äußerlich zuverlässig und fast wie ein Designerstück. Ampd hat neben der Technik viel Wert auf Design gelegt. Eine Einheit wiegt circa 225 Kilo.

Der Silo funktioniert wie eine Art Zwischenspeicher. Wenn die Stromversorgung in Takt ist, lädt Silo seine Lithium-Ionen-Akkus auf. Im Moment des Stromausfalls übernimmt er dann nahtlos die Versorgung. Brandon: „Die Leute werden gar nicht merken, dass der Strom ausgefallen ist, wenn Silo im Einsatz ist.“ Als Kundschaft hat Ampd im Gegensatz zu Tesla nicht die Privatkunden im Visier. Man richtet sich an den Krankenhäuser, Industrie, Datenzentren, Flughäfen, Infrastrukturmanagement und Unternehmen. Ampd Silo soll ab 10.000 Dollar per Einheit kosten, ein typischer Dieselgenerator kostet um die 8.000 Dollar.

Im April sollen erste Modelle ausgeliefert werden

Die Gründer gehen durch die langen Gänge des Hongkong Science and Technology Park in das neue Büro von Ampd. Das Team ist in der letzten Zeit ständig gewachsen. Die alten Räumlichkeiten haben nicht mehr ausgereicht. Hier im Innovationspark muss das Startup zwei Jahre lang keine Miete zahlen und hat Zeit, sich um sein Produkt und die Markteinführung zu kümmern. In einem Laborbereich steht ein Silo, der für Langzeittests an Messgeräte angeschlossen ist. Eine Menge Föns sind verkabelt, um das Verhalten des Gerätes unter Last zu simulieren. Im April sollen die ersten bestellten Modelle ausgeliefert werden. An der Weiterentwicklung wird jetzt schon gearbeitet. Bald soll es möglich sein, gespeicherte Energie ins Netz zu speisen, um damit Geld zu verdienen.

Luca

CPO und Ampd-Mitgründer Luca neben seinem Produkt

Der Standort des Startups wurde sorgsam ausgewählt. In Hongkong hat man gleichzeitig Zugriff auf Fabriken, die in der Lage sind, die Geräte günstig zu produzieren und außerdem den perfekten Absatzmarkt direkt vor der Tür. In Ländern wie Indonesien, den Philippinen oder Brunei funktioniert die Stromversorgung nicht so reibungslos wie in Westeuropa. Brandon, der in Brunei geboren ist, und sein Mitgründer Luca Valente, der für die Technik zuständig ist, halten acht Patente. Vor Kopierversuchen der Festlandchinesen – die Millionen-Stadt Shenzen liegt gleich hinter Grenze – haben sie durchaus Respekt, gleichzeitig sind die beiden Entrepreneure sicher, dass sie mit ihren Patenten und vielfältigen Kundenbeziehungen einen Vorsprung aufgebaut haben, der nur schwer einzuholen ist.

Elon Musk nutzt mit Powerwall eine andere Technik

Im Gespräch mit Ampd fällt ziemlich schnell der Name Elon Musk. Denn auch Tesla kümmert sich schon etwas länger um Batterien und Geräte, die Energie speichern können. Mit der sogenannten Powerwall von Tesla soll ein durchschnittliches Eigenheim mit zwei Schlafzimmern einen ganzen Tag lang mit Strom versorgt werden können. Hier ist die Zielgruppe also eher der Privatmann, der sich mit Sonnenkollektoren, Speicherlelementen und Elektroauto einen eigenen Energiekreislauf aufbauen will. Ampd zielt auf größere Businesskunden, die ihre veraltete Generatoren-Technik ersetzen wollen. Außerdem sei die Speichertechnik sehr unterschiedlich, betont Brandon Ng.

Ampd hat 11 Mitarbeiter und bis jetzt 3,7 Millionen Dollar Kapital per Seedfunding eingesammelt. Das ist eine der größten Seedfunding-Runden, die es in Hongkong gegeben hat. Derzeit werden Investoren für die Series A und weitere Mitarbeiter für den Standort in Hongkong gesucht. Das Startup ist also ein Vorzeigestartup für die Stadt, die mit Geld und großem Eisatz daran arbeitet, sich als Tech-Hub und Tor zu Asiens Märkten zu etablieren.

Die Reise nach Hongkong wurde unterstützt vom Government of the Hong Kong Special Administrative Region.

Fotos: Frank Schmiechen