Berlin als Sprungbrett für israelische Tech-Startups - EXIST

Innovationsbrücken schlagen: Startschuss für „EXIST Start-up Germany“

Im Juni letzten Jahres initiierte das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) das Projekt EXIST Start-up Germany, mit dem  auch ausländische Startups die Chance auf EXIST-Fördermittel erhalten. Das Programm vernetzt in der ersten Runde israelische Gründerteams mit der deutschen akademischen Gründungslandschaft. Diese neue internationale Ausrichtung soll den globalen Transfer von wissenschaftlichen Ergebnissen in innovative Geschäftsmodelle unterstützen und damit die Entwicklung von neuen Mechanismen der internationalen Zusammenarbeit stärken. EXIST Start-up Germany wird zunächst in der Hauptstadtregion durchgeführt – in der ersten Runde werden insgesamt fünf israelische Gründerteams für ein Jahr in das Startup-Ökosystem aufgenommen.

„Wunsch nach Wissen“ – Minister Gabriel über die Zusammenarbeit

Die Israelis wurden Anfang Februar von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel begrüßt. Was sich der Wirtschaftsminister von der Kooperation erhofft? „Ich finde, dass wir von Israel auch eine Menge lernen können. Israel gilt neben den Vereinigten Staaten zu Recht als eines der erfolgreichsten Länder im Startup-Bereich IT und Biotech.“ Daher setzt der Bund auf den Wissenstransfer der Israelis, die für ihre „Macher-Mentalität“ und ihre blühende Startup- und Tech-Szene bekannt sind.

Ärmel hochkrempeln, loslegen: Startup-Nation Israel

Die Hands-on-Mentalität der Israelis ist einer der Gründe für ihre ausgesprochen hohe Affinität zum Gründen. „Startup-Nation“ Israel hat die höchste Dichte an technologie- und wissensorientierten Unternehmensgründungen. Es gibt dort das meiste Risikokapital und die höchsten Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Israelis sind in der Regel extrem gut ausgebildet, stark vernetzt und verfügen über äußerst profunde Kenntnisse, was neueste Technologien betrifft.

Dass viele israelische Startups zunehmend Deutschland als Gründungsstandort für sich entdecken, ist für die Szene hierzulande ein Zeichen der Professionalisierung. Allein in Berlin leben derzeit um die 30.000 Israelis. Oft werden sie als „Stützpfeiler“ der Startup-Szene betitelt. „Besonders wichtig ist uns der Austausch zwischen den israelischen Teams und der Startup-Community hier vor Ort in Berlin. Wie interessiert beide Seiten hieran sind, konnten wir mehrfach während des Besuchs der israelischen Teams beobachten, wenn es spontan zu angeregten Gesprächen mit anderen Startups kam“, so Lisa Breford, die Projektleiterin von EXIST Start-up Germany an der TU Berlin. „Darüber hinaus haben uns vor allem das Commitment und die Qualität der Präsentationen der eingeladenen Teams beeindruckt.“

EXIST Start-up Germany

Über Märkte, Rechtssysteme und Schnelligkeit: Gründer im Interview

Die Startups PANZA und Truck-E sind zwei der Teams, die es in das EXIST Start-up Germany Programm geschafft haben. PANZA entwickelt eine B2B-Anwendung für Kundenloyalitätsprogramme; Truck-E arbeitet an einer cloudbasierten Plattform, die in Echtzeit die Auslastung und die Streckenführung von LKWs optimiert. Die beiden Gründer Aviel Eliza und Barak Fuchs sprechen im nachfolgenden Interview über die deutsch-israelische Zusammenarbeit, von der Akteure der Berliner Startup-Region und die israelischen Startups gleichermaßen profitieren.

Warum habt ihr euch für ein deutsches Startup-Projekt beworben?

Barak: Deutschland hat eine starke Wirtschaft und zieht Talente von überall her an. Als Unternehmer können wir hier also die richtigen Leute finden und die gut ausgebaute Infrastruktur nutzen, um unser Business voranzubringen. Außerdem gibt es hier ein modernes, vernünftiges Rechtssystem, was extrem wichtig für High-Tech-Entwicklungen ist. Hinzu kommt, dass Israel und Deutschland kürzlich ihr 50-jähriges Jubiläum der Aufnahme ihrer diplomatischen Beziehungen feierten – Grund genug, um die Beziehungen auch in wirtschaftlicher Hinsicht zu stärken.

Aviel: Für uns ist ebenfalls das deutsche Wirtschaftssystem ein solider und vielversprechender Ausgangspunkt für Innovationen und Early Adopters. Der deutsche Einstiegsmarkt bietet zudem gute Chancen für Kooperationen mit der Industrie.

Was erwartet ihr vom Programm?

Aviel: Wir wollen auf jeden Fall mehr über den deutschen Markt sowie das hiesige Kundenverhalten lernen, damit wir unser Produkt verbessern und zielgruppenspezifischer entwickeln können.

Barak: Wir hoffen, dass wir starke Beziehungen zur lokalen Business Community aufbauen können. Wir wünschen uns zudem Support in puncto Business Development auf dem deutschen Markt, aber auch Türöffner in den EU-Markt.

Was können die israelische und die deutsche Startup-Szene voneinander lernen?

Barak: Die Deutschen sind bekannt für ihre Ordnung und für ihren Hang zur Planung und Organisation. Israelis sind wiederum bekannt für innovatives Denken und ihr schnelles Tempo. Beides zusammen erscheint eine gute Kombination.

Aviel: Jede einzelne Kultur bringt ganz eigene Visionen und Herangehensweisen für die Lösung von Problemen mit sich. Warum also nicht noch besser werden, indem man dies gemeinsam in Angriff nimmt?

Warum sind Projekte wie EXIST Start-up Germany so wichtig?

Aviel: Obwohl Israel als Startup-Nation betitelt wird, ist unser Markt einfach zu klein. Groß avisierte Projekte können nicht ganz so einfach umgesetzt werden. Programme wie EXIST Start-up Germany bieten uns demnach die Möglichkeit, unsere doch recht ambitionierten Ziele tatsächlich zu erreichen.

Barak: Die Welt rückt immer näher zusammen – auch im Startup-Kosmos. International ausgerichtete Projekte wie das von EXIST ermöglichen den Transfer von Know-how, fördern Business-Kooperation und festigen damit die Beziehungen aller beteiligten Länder.

Berlin als Tor nach Europa: Über EXIST Start-up Germany

Die Hightech-Strategie und Digitale Agenda der Regierung sind mit ein Hintergrund für das Projekt. Mit der Initiative EXIST Start-up Germany wird letztlich die Notwendigkeit der Vernetzung in Zeiten des globalisierten und komplexen Wettbewerbs betont. Das Pilotprojekt wird zunächst in der Hauptstadtregion durchgeführt. Für die fünf ausgewählten israelischen Gründerteams stehen jetzt das Matching mit einer passenden Hochschule, einem geeigneten Mentor sowie ggf. die Suche nach deutschen Teammitgliedern an. Die Teams werden anschließend intensiv bei der Antragstellung für ein EXIST-Gründerstipendium oder EXIST-Forschungstransfer betreut. EXIST fördert seit 2007 Studierende, Absolventen und Wissenschaftler in der Vorgründungsphase innovativer Technologiegründungen.

Mehr Infos dazu gibt es hier.

 

Artikelbild: EXIST