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Berlin, Rotes Rathaus: Wohin mit der Delivery Unit?

Streit um Ansiedlung der Startup-Zentrale

Es scheint, als hätten die Berater von McKinsey den Ärger bereits gerochen. Fünf Vorschläge hatten sie in ihrer Studie über den Gründerstandort Berlin unterbreitet – für deren Umsetzung seien „fundamentale Veränderungen“ nötig. „Manche bestehenden Aktivitäten sind aufzugeben, übliche Strukturen müssen durchbrochen und beteiligte Interessengruppen laufend vom gemeinsamen Nutzen der Initiativen überzeugt werden“, schreiben die Autoren.

Tatsächlich kam der Ärger schnell. So stoßen zentrale Vorhaben der McKinsey-Studie zwei Wochen nach ihrer Veröffentlichung auf deutliche Kritik in der Berliner Gründerszene. Und im Senat herrscht Uneinigkeit über künftige Zuständigkeiten und Kompetenzen, um die Macht und das Geld, die mit der Einrichtung jener zentralen Steuerungseinheit winken, die für die Planung und Umsetzung der Vorschläge sorgen soll.

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New York und London als Vorbild

Abgeschaut haben sich die Berater das Konzept einer solchen Delivery Unit bei Berlins großen Vorbildern: In New York steuerte eine ähnliche Planungszentrale das Wirtschaftsförderprogramm NYC Digital, in London den Aufbau des Technologie-Hubs East London Tech City. Wichtig, glaubt McKinsey, sei dabei eine „hohe administrative Aufhängung“: In New York war Bürgermeister Michael Bloomberg Schirmherr, in London der britische Premierminister David Cameron. Und: Die Unit müsse agil, schlagkräftig und von allen Beteiligten akzeptiert sein, sie sei an eine bestehende Organisation anzugliedern, aber „von bestehenden Strukturen klar zu trennen“.

Könnte also für Berlin heißen: Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) übernimmt die Schirmherrschaft für eine fünf bis zehn Mann starke, ausreichend unabhängige Einheit. Wer aber eignet sich als Trägerorganisation? In Wowereits Senatskanzlei wird Berlin Partner, die Wirtschaftsfödergesellschaft des Landes präferiert. Die Behörde von Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU), so ist aus Verwaltungskreisen zu hören, hat da andere Vorstellungen – gut möglich, dass man sich dort selbst als geeigneten Ort für die Ansiedlung der Delivery Unit sieht.

Offiziell heißt es aus dem Wirtschaftsressort nur, man befinde sich „in einem sehr konstruktiven Dialog mit der Senatskanzlei“. Die Abstimmung könnte sich noch einige Zeit hinziehen – denn neben Wirtschaftsverwaltung, Senatskanzlei und Berlin Partner reklamieren auch die landeseigene Investitionsbank sowie die Industrie- und Handeskammer (IHK) entsprechende Kompetenzen für sich. Immerhin: „Über die Zielsetzung gibt es keinen Dissens“, sagt Thomas Letz von der Senatskanzlei. „Nur über die konkrete Ausgestaltung sind wir noch am Diskutieren.“ Man sei sich „einig, dass wir die Kernideen der McKinsey-Studie umsetzen.“

Kritik an McKinsey-Plänen

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Nur: In Berlins Gründerszene besteht selbst darüber kein Konsens. Es sei ein Denkfehler, jetzt mit einer „Superstruktur“ kommen zu wollen, sagt Günter Faltin, Gründer der Teekampagne und Initiator der Stiftung Entrepreneurship. „Der derzeitige Erfolg beruht auf vielen einzelnen, oft kleinen Initiativen und ihrer Kenntnis ihres Feldes. Eine culture of entrepreneurship kann man schlecht von oben aufsetzen.“

Ähnliche Zweifel äußert Researchgate-CEO Ijad Madisch: „Ein Startup-Ökosystem entsteht nicht, weil es politisch gewollt ist.“ Was Berlin wirklich brauche, sei ein großer Durchbruch: „Wenn gute Leute aus einem solchen extrem erfolgreichen Unternehmen wiederum ihre eigenen Ideen hier umsetzen, andere unterstützen und die nächste Generation von Startups gründen – erst dann haben wir ein Ökosystem.“

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