Berlin Startup Unit

Berlin-Partner-Geschäftsführer Stefan Franzke und Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer stellten heute in Berlin die neue Startup Unit vor.

Viele Angebote, wenig Transparenz

21.000 Gründungen gab es im ersten Halbjahr 2014 in Berlin, längst nicht alle digital natürlich. Darauf ist die Stadt stolz, ihre Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer weist auch immer wieder gerne darauf hin. Wenn sie heute formulierte „wir haben nicht alles falsch gemacht“ will sie eigentlich sagen: „Die Startupszene hilft Berlins Image schon sehr“.

Und die Stadt hat wirklich einiges zu bieten. Öffentliche Einrichtungen wie der Kapitalgeber IBB Beteiligungsgesellschaft, die Wirtschaftsförderer von Berlin Partner oder sogar die Messe Berlin wollen Startups helfen, betont die Senatorin. Und seit dieser Woche sogar eine Innovations-Suchmaschine. Auch auf die „privaten Stakeholder“ weist Frau Yzer hin und meint damit etwa VCs, Inkubatoren oder Accelerator-Programme oder Veranstaltungen.

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Die Senatorin meint das etwas unübersichtliche Startup Ökosystem in Berlin, das eine Menge an jungen Unternehmen aller Branchen beherbergt. Einige davon etwa im Technologiezentrum Adlershof, in Dahlem entsteht zudem ein Zentrum für den Medizinbereich. Für junge Digital-Unternehmen habe man das alte Flughafengelände Tempelhof auf dem Radar, sagt Yzer. Jedes zweite Berliner Unternehmen wolle in den kommenden Monaten eine Innovation auf den Markt bringen, hieß es vor wenigen Tagen.

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Das Problem für diejenigen, die sich für die zahlreichen Angebote interessieren: Man findet sie nur schwer – allein die IBB bietet mehr Förderprogramme als vielen Gründern bewusst ist. Dieses Dickicht soll nun gelüftet werden, wie es einst McKinsey in einer Studie vorschlug. Die Beratung hatte auf andere Startup-Hotspots geschielt und für Berlin relevante Maßnahmen gesammelt.

Als ein Element daraus wurde nun die – branchenübergreifende – Berlin Startup Unit gestartet, deren offizielle Geschäftsstelle bei Berlin Partner angesiedelt ist. Die Unit will vor allem gezielt Ansprechpartner vermitteln. Denn ein eigenes Angebot hat sie nicht. Sie soll insbesondere, das betonen die Beteiligten, auch zwischen Old und New Economy vermitteln.

Geleitet wird die neue Unit von Christian Herzog, der bei Berlin Partner den Geschäftsbereich Digitale Wirtschaft leitet. Für die Unit werden alle 200 Mitarbeiter der Wirtschafts- und Technologieförderung bereit stehen, verspricht Herzog. Hinzu kommt Unterstützung aus der Szene: iPotentials-Gründerin Constanze Buchheim hilft mit dem „Unternehmensservice Startup“ die Angebots-Übersicht zu verbessern, Groupon-Europachef Emanuel Stehle beim Aufbau einer Willkommenskultur, Exozet-Geschäftsführer Frank Zahn bei der Kooperation mit der Wirtschaft, Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg beim Aufbau internationaler Kontakte, die IBB und Factory-Gründer Simon Schäfer beim Venture Capital. Auch 6Wunderkinder-Chef Christian Reber wolle sich einbringen, verriet Yzer. Der Bundesverband Deutsche Startups und das Hochschul-Gründernetzwerk B!gründet sind ebenfalls involviert.

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Beim Thema Geld hatte es in der „Core Group“, die die Startup-Unit konzipierte, im Vorfeld Spannungen gegeben. Denn was das das McKinsey-Papier ebenfalls vorsieht, ist ein 100-Millionen-Fonds, der Anschlussfinanzierungen sicherstellen und der Unit zur Seite gestellt werden soll. Der Planungsprozess hatte einigen der Mitwirkenden nicht gefallen – einen „offiziellen“ Unit-Fonds werde es auch nicht geben, sagte Wirtschaftssenatorin Yzer heute. Dafür heiße man privatwirtschaftliche Initiativen willkommen. Eine davon soll von Factory-Macher Simon Schäfer kommen. Der ist gerade dabei, verrät er, das zugehörige Geld aufzutreiben.

Dass die Unit und ihr Auftritt derzeit noch nicht ganz das Wahre ist, wissen die Beteiligten. Ganz Startup-gemäß sei man mit einem frühen Produkt an die Öffentlichkeit gegangen um Meinungen dazu einzusammeln und es zu verbessern. Das wird auch nötig sein, denn bislang lässt der Webauftritt mehr Fragen offen, als er beantwortet. Immerhin: Unit-Geschäftsstellenleiter Herzog präsentiert sich direkt als Ansprechpartner – mit einem offenen Ohr für Anregungen, verspricht er. Egal ob sie innovativ oder ganz bodenständig sind.

Bild: Alex Hofmann / Gründerszene