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Ruhe vor dem Besucher-Sturm: Das Tech Meetup findet regelmäßig im Coworking-Space MobileSuite statt

Das war das Entwickler-Event Berlin Tech Meetup

Eines wird gestern Abend ganz schnell klar: Business-Gequatsche ist auf diesem Tech-Event – gelinde gesagt – unerwünscht. Eine Publikumsfrage nach der Monetarisierung des gerade präsentierenden Startups würgt der Moderator einfach ab: „So etwas beantworten wir nicht!“ Zehn Minuten zuvor saßen hier im Berliner Coworking-Space MobileSuite noch junge Menschen an Tischen oder in der angedeuteten Kaminecke an ihren Projekten. Dann ist der Raum plötzlich von etwa 100 Entwicklern bevölkert, die sechs Tech-Startups bei der Präsentation ihres Produkts folgen.

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Wer beim Berlin Tech Meetup an pickelige Programmier-Nerds denkt, wird schnell enttäuscht – vom Szene-typischen Hipster mit Brille und Jutebeutel bis hin zum Normalo-Gründer ist alles vor Ort. Hier trifft sich keine Randgruppe, die sich in abgedunkelten Räumen vor der Öffentlichkeit verkriecht – sondern die heimlichen Helden der Szene.

Auf dem Event erzählen sie von ihrem Produkt, von technischen Herausforderungen, zeigen Lösungen auf. Insgesamt präsentieren an diesem Abend in je zehn Minuten sechs Startups ihre Projekte. Ungewöhnlich: Im Gegensatz zu vielen anderen Events ist das Publikum kein stiller Beobachter, sondern aktiver Gesprächspartner. Nach fünf Minuten Präsentation folgen fünf Minuten Fragerunde – die meist damit endet, dass der Moderator diese trotz offener Fragen wegen des straffen Zeitplans abbrechen muss, um zum nächsten Startup überzuleiten.

Die sechs Startups im Überblick.

Der Präsentations-Primus an diesem Abend ist Crate. Das Startup wurde von Ex-StudiVZ-CTO Jodok Batlogg mitgegründet und konnte kürzlich 1,5 Millionen Euro einsammeln. Der Open Source Data Store präsentiert in einer Live-Demo, wie man seinen Cluster in einer Minute erstellen kann. Anschließend verspricht Moderator Gabriel Matuschka vom VC Partech, dass es für jede smarte Frage eine Mozartkugel gibt – eine Anspielung auf den Zweitsitz von Crate im österreichischen Dornbirn. Es werden drei.

Snapclip ist ein Videoschnitt-Programm dreier Entwickler, die versprechen, ein iMovie oder Windows Movie Maker für den Browser zu bauen. Bei der Tech-Meetup-Live-Demo wird der Rohclip bei Snapclip hochgeladen und dann anhand von Bildvorschau und Waveform zugeschnitten. Das anschließende Rendering geschieht in der Cloud und der fertige Clip kann direkt bei Youtube hochgeladen werden. Derzeit befindet sich das Produkt noch in der private Beta.

Als Jörg Fehlinger, CEO von Artist Radar, die Bühne betritt, entschuldigt er sich zu allererst dafür, nicht der CTO zu sein. Sein Startup ist ein One-Stop-Shop für Musik und Serien und aggregiert Daten von Amazon, iTunes, Eventim, Audible, Ticketmaster und Co. Fehlinger präsentiert den Prototypen, bei dem er nach einem Musiker sucht und von der App News und Releases zurückerhält. In der nächsten Version soll bereits der Ticketkauf integriert sein.

Der nächste Präsentations-Slot gehört Payfriendz. Per Swipe lässt sich mit dieser iOS-App Geld an Freunde senden und mit einer Nachricht versehen. Das ganze erinnert an das Startup Venmo, unterstützt aber im Vergleich mehrere Währungen, derzeit Euro, US-Dollar und Pound. Weitere Währungen sollen folgen, darunter auch Bitcoin, wie das Startup bei der Präsentation witzelt. Bis vor kurzem befand sich Payfriendz noch im Stealth-Mode.

Als vorletzter Sprecher geht das Startup Wundercar ans Rednerpult. Die Hamburger werkeln an einem Carsharing-Modell für private Fahrer – und machen sich dieser Tage damit nicht gerade beliebt, wie der gestrige Streik gegen Uber und Co deutlich zeigt. Unbeirrt dessen präsentiert Wundercar sein Produkt in einer Live-Demo, spricht über GPS-Lokalisierung, das Fahrer-Gast-Verhältnis, Bewertungen und Trinkgeld. Noch befindet sich das Produkt in der Beta.

Den Präsentationsabschluss bildet ein Deep-Tech-Thema. Data Virtuality verspricht, verschiedenartige Daten miteinander zu verbinden. Als da wären Google Adwords, Analystics, Magento, Salesforce und Co. Der Clou: All diese Daten können mit Data Virtuality per SQL Queries durchsucht und analysiert werden. Zudem sucht das Programm nach Optimierungspotenzial und lädt die Daten in eine zentrale Datenbank. Von den Fachbesuchern gibt es dafür an diesem Abend den größten Applaus.

Weitere Bilder vom Event in der Galerie.