Homeoffice

Viele Mitarbeiter wünschen sich mehr Flexibilität bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes

Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus? Firmen- und Personalchefs suchen seit Jahren nach Antworten auf diese Frage. WordPress-Betreiber Automattic scheint darauf eine Antwort gefunden zu haben: Den Mitarbeitern in San Francisco und an anderen Standorten sei freigestellt, von wo aus sie ihren Job erledigen, heißt es seitens des Unternehmens.

Denjenigen, die lieber von einem anderen Coworking-Space oder einem Café aus arbeiten, gewährt Automattic einen Zuschuss von 250 US-Dollar monatlich. Die Konsequenz: Die angemieteten Büroräume in San Francisco blieben leer, das Office wurde geschlossen, wie Quartz vor Kurzem berichtete. Bisweilen seien lediglich fünf der insgesamt 550 Mitarbeiter in den 1.400 Quadratmeter Fläche anwesend gewesen, begründet Automattic den Schritt. 

Freies Arbeiten also – ein Konzept, das auch in der deutschen Digital- und Gründerszene Befürworter findet, beispielsweise beim Berliner Startup CodeControl, einem Online-Marktplatz für Designer und Entwickler. „Wir sind überzeugt, dass die Top-Leute aus der Branche die volle Flexibilität wollen”, sagt Gründer Marc Clemens im Gespräch mit Gründerszene. Sein Unternehmen wirbt damit, nur diejenigen in ihren Entwickler-Pool aufzunehmen, die ihre Arbeit besonders gut machen. Wer einen Auftrag über CodeControl annimmt, kann sich in einen von 45 Coworking-Spaces in ganz Europa einmieten, die Kosten übernimmt die Firma. Derzeit habe man zwar noch ein eigenes Büro im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg, sagt Clemens. Doch auch das solle Ende des Jahres in einen Coworking-Space umwandelt werden.

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Nur bei einem Viertel steht Homeoffice im Vertrag

Hat das Büro also ausgedient? Nein. Denn Firmenchefs scheint es nicht leicht zu fallen, die Kontrolle über ihre Mitarbeiter abzugeben, zumindest in Deutschland. Zwar haben drei von vier Mitarbeitern in der Digitalbranche die Gelegenheit, von zu Hause aus arbeiten zu können, wie eine aktuelle Umfrage des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW) unter 712 Arbeitnehmern zeigt. Offiziell verankert ist das allerdings nicht. Nur in knapp einem Viertel der Fälle sei eine Homeoffice-Regelung Teil des Arbeitsvertrages, heißt es in der Studie weiter. Offenbar wollen die Chefs ihre Mitarbeiter jederzeit zurück an den Büroschreibtisch holen können. 

Auch unter Berliner Gründern herrscht Skepsis. Gen Sadakane, Co-Founder von der Fotocommunity EyeEm sagt: „Wir lehnen das Arbeiten im Homeoffice ab“. Doch was spricht gegen die Arbeit außerhalb des Büros? Für Sadanake eine ganze Menge, zum Beispiel die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander. „E-Mails und Chatprogrammen sind Zeitfresser“, ist er überzeugt. „Das Miteinander im Büro ist viel effizienter.“ Auch funktioniere die Einarbeitung neuer Kollegen vom Homeoffice aus nicht, dafür müsse man einen Kollegen neben sich haben, sagt er. Außerdem habe die Zusammenarbeit im Büro mehrere Vorteile: Sie ermögliche direktes Feedback und spontanes Brainstorming unter den Kollegen. Dass er sich bei seinen Mitarbeitern damit nicht beliebt macht, nimmt er in Kauf. Intern seien deshalb schon heftige Streits zwischen Mitarbeitern und Chefs entbrannt, gibt Sadakane zu.

Wo sich die Mitarbeiter treffen, ist ihm egal

Ganz lehnt Sadakane die Idee vom flexiblen Arbeitsplatz dann aber doch nicht ab. Er könne sich auch andere Modelle vorstellen – unter einer Bedingung: Das Team solle weiterhin gemeinsam an einem Ort arbeiten. Ob sich die Mitarbeiter dann im Büro, im Café oder bei einem Kollegen zu Hause treffen, sei ihm dann eigentlich egal.

Bild: Getty Images / Thomas Barwick