Berners-Lee

Tim Berners-Lee ist der Erfinder von HTML und brachte damit das Internet auf den Weg.

Ein englischer Gentleman sollte spätestens im dritten Satz einer Rede einen Scherz bringen. Alles andere gilt als langweilig und unhöflich gegenüber den Zuhörern. Tim Berners-Lee ist nicht nur einer der Architekten und Erfinder des Internets, sondern darüber hinaus ein Gentleman der alten Schule, der sich an die ungeschriebenen Gesetze hält. Ja, natürlich hätte er damals, als er das Internet auf den Weg gebracht hat, jedes Detail vorausgesehen, berichtete er den versammelten Gästen mit unbewegter Miene. Ihm sei völlig klar gewesen, dass 28 Jahre später 15 Milliarden Personen und Dinge mit dem Internet verbunden sein würden. Auch die Verleihung des Axel Springer Awards hätte er vorhergesehen. Nur im Datum hätte er sich geirrt. Er sei damals vom kommenden Donnerstag ausgegangen.

Er hatte sich einen Abend mit Diskussionen gewünscht

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Tatsächlich war es aber ein Dienstagabend im ehrwürdigen Journalistenclub des Medienhauses Axel Springer. An einer langen Tafel hatten sich Manager, Redakteure des Hauses und Gäste versammelt, um den zweiten Axel Springer Award zu verleihen. Im Vorjahr war Facebook-Chef Mark Zuckerberg in einer aufwändigen Multimedia-Veranstaltung geehrt worden. Für Tim Berners Lee gab es einen eher schlichten Abend mit klassischer Cello-Musik, einem guten Essen und angeregten Diskussionen. Das hatte sich der Mann mit dem staubtrockenen englischen Humor so gewünscht.

Berners Lee ist immer noch beseelt von seiner Erfindung und seiner Vision. Wenn er über die Segnungen des Internets spricht, spürt man seine Leidenschaft, ja seine Liebe zu dem wichtigsten Kommunikationsmedium unserer Zeit. Auch wenn er sich seit zwei Jahren vermehrt Sorgen um den Missbrauch des Netzes macht. „Lügen und Hass verbreiten sich leider oft schneller als das Gute“, sagte Berner-Lee in seiner Ansprache.

Eine offene Plattform für kreative Nutzer

Aber in den Anfangstagen des Internets habe man sich ganz bewusst für eine unregulierte, offene Plattform entschieden, erzählte Berners-Lee. Das Internet habe als Plattform keine eigene Agenda und keine Ideologie. Er und seine Kollegen wollten nicht, dass es so etwas wie ein Chefgremium oder eine Kontrollinstanz gäbe, nach der man sich als Nutzer des Webs zu richten hätte und die das Netz in eine bestimmte Richtung hätte beeinflussen können. Berners-Lee: „Wir wollten eine offene Plattform, die durch die Kreativität der Nutzer lebt.“ Immer wieder sprach sich der Physiker und Informatiker für diese Offenheit aus. Trotz der bedenklichen Entwicklungen der vergangenen Jahre lehnt Berners-Lee auch heute noch jede Regulierung oder Eingriffe in die Netzneutralität ab.

Auch ein hochintelligenter Mann wie Berners-Lee hat natürlich nicht vorhersehen können, was aus seiner Erfindung werden würde. Geld verdient hat er damit auch nicht. Der Anfang für das, was wir heute heute Internet nennen, war eher holprig: Im März 1989 reichte Berners-Lee einen Vorschlag für ein „Informations-Managementsystem“ an seinen damaligen Chef Mike Sendall ein. Der erlaubte Berners-Lee daran zu arbeiten und schrieb handschriftlich einen kurzen Kommentar auf die eingereichte Unterlage: „Vage, aber aufregend.“ Kann man wohl sagen.

Foto: Namensnennung Bestimmte Rechte vorbehalten von Southbank Centre London