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Journalistin und Podcasterin Manoush Zomorodi

Die Journalistin und Podcasterin Manoush Zomorodi war immer unterwegs, ständig beschäftigt. Doch dann kam ihr erstes Kind auf die Welt, geduldig schob sie den Kinderwagen kilometerweit durch die Gegend – und war dabei völlig gelangweilt, wie sie selbst berichtet. Ihre Rettung schien das iPhone zu sein, das damals auf den Markt kam. Die vielen Apps ließen keine Langeweile mehr zu, sie konnte plötzlich alles parallel erledigen. „Ich konnte Mutter und Journalistin gleichzeitig sein“, berichtet sie stolz. „Ich war auf dem Spielplatz und zeitgleich auf Twitter.“

Das Problem: Manoush Zomorodi war zwar permanent beschäftigt, nie gelangweilt – aber plötzlich völlig unkreativ. Ihr kamen keine guten Ideen mehr. Ihr fiel auf, dass sie ihren freien Minuten mit dem iPhone füllte, indem sie Schlagzeilen las, ihren Kalender aktualisierte oder Nachrichten an Freunde oder Kollegen schrieb. „Ich stellte fest, dass ich nie mehr gelangweilt war“, erzählt sie. „Da habe ich mich gefragt: Was passiert eigentlich, wenn wir uns langweilen?“

Sie sprach mit Neurowissenschaftlern und Psychologen. Diese Dinge fand sie (unter anderem) bei den Gesprächen heraus: 

  1. Wissenschaftlerin Dr. Sandi Mann bestätigt, dass das Gehirn erst bei Langeweile und Tagträumen richtig aktiv wird, Ideen verbindet und kreative Lösungen sucht. 
  2. Das Ziel vieler Manager und Gründer ist: „Getting things done“, sie wollen ihre To-do-Liste möglichst schnell abarbeiten. Dr. Daniel Levitin sagt aber, diese Vorgehensweise sei schädlich. Denn das Gehirn sei zu Multitasking nicht in der Lage. Bei jeder neuen Aufgabe muss das Gehirn also umswitchen, was extrem anstrengend ist und nur begrenzt möglich ist.
  3. Professorin Dr. Gloria Mark hat herausgefunden, dass sich Arbeitnehmer noch vor zehn Jahren im Büro alle drei Minuten auf ein anderes Thema fokussieren mussten, heute sei es alle 45 Sekunden. 74 Mal täglich checken wir unsere Mails, 566 Mal täglich wechseln wir die Taps auf unserem Computer. 
  4. Dr. Gloria Mark fand ebenso heraus, dass Menschen häufiger Facebook checken, wenn sie nicht genügend geschlafen haben. 
  5. Wissenschaftler der University of Southern California fanden heraus, dass Teenagern, die viel Zeit mit ihrem Smartphone verbringen, zwei Jahre später die Kreativität fehlt, um zu überlegen, was sie im Leben erreichen wollen oder wie sie sich engagieren können.
  6. Gleichzeitig gaben CEOs in einer Umfrage des Unternehmens IBM an, dass Kreativität die wichtigste Kompetenz von Führungskräften ist. 

Basierend auf diesen Erkenntnissen startete Manoush Zomorodi ihr Projekt „Gelangweilt und Genial“. Das Ziel: Die Zeit reduzieren, die man am Smartphone verbringt. Zehntausende Menschen nahmen teil. In ihrem Ted Talk erzählt Zomorodi, was bei diesem Experiment passierte und wie die Teilnehmer ihr Leben verbessern konnten: