Zwei der Betahaus-Gründer: Christoph Fahle und Madeleine von Mohl

Vier Betahaus-Standorte in drei Ländern

Das Betahaus feiert Fünfjähriges. Im Januar 2009 starteten die sechs Gründer Tonia Welter, Gregor Scheppan, Stephan Bielefeldt, Madeleine von Mohl, Max von der Ahé und Christoph Fahle in die Betaphase, die offizielle Eröffnung in Berlin fand im April 2009 statt. Schon bald wurde die Fläche von ursprünglich 400 Quadratmeter erweitert, immer mehr Räumlichkeiten kamen hinzu. Heute ist der Berliner Standort 2.500 Quadratmeter groß und hat 350 feste Mitglieder, Tendenz steigend. Bekannte Startups, die in dem Coworking-Space ihren Anfang fanden sind zum Beispiel Coffee Circle, Ezeep, GoEuro und Clue.

Motiviert von den Erfolgen in der deutschen Hauptstadt wurden weitere – nationale und internationale – Standorte eröffnet: in Hamburg, Köln, Sofia und Barcelona. In Köln folgte jedoch Anfang 2013 das Aus: Bereits zu Jahresbeginn musste das dortige Betahaus wegen finanzieller Nöte Insolvenz anmelden. Das Team war ausgebrannt, man fand keine neue Immobilie und entschied sich im März zur endgültigen Schließung. Im gleichen Jahr ging auch das Hamburger Betahaus insolvent. Mithilfe einer neuen Trägergesellschaft und mit einem Umzug einen größeren Standort schaffte der Coworking-Space in der Hansestadt jedoch den Neustart.

Betahaus-Mitgründer Christoph Fahle hat mit Gründerszene über die Höhen und Tiefen der letzten fünf Jahre gesprochen – und über das, was noch kommen soll.

Wie kamt ihr auf die Idee, einen Coworking-Space in Berlin zu starten?

Ganz am Anfang stand ein lockeres Gespräch darüber, was wir nach dem Studium machen wollen – und vor allem, wo wir das dann tun können. Wir hatten aber keine Lust, nur in Laptop-Cafés herumzuhängen, um unsere Projekte zu machen. Auch die Vorstellung von Gemeinschaftsbüros hat uns eher deprimiert. Also haben wir uns 2008 zu sechst zusammengefunden, um das Projekt anzugehen.

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Woran habt ihr euch dabei orientiert?

Also ganz am Anfang dachten wir tatsächlich, wir hätten das Konzept des Co-Working selbst erfunden (lacht). Dann haben wir ein bisschen recherchiert und gesehen, dass es das, was wir machen wollten, im Silicon Valley schon gab: Eine Community, die mehr miteinander teilt, als nur den Büroraum. Eines der Vorbilder war der Citizen Space in San Francisco. Ich habe mir allerdings immer vorgestellt, dass das dort ein Riesending ist. Als wir in Berlin schon auf zwei Etagen waren, habe ich erst gecheckt, dass das in Wirklichkeit nur ein Raum mit zwanzig Schreibtischen ist.

Ursprünglich hattet ihr aber gar nicht vor, so einen großen Space aufzumachen.

Wir wollten schon mehr machen als ein Gemeinschaftsbüro, aber wir hätten nicht gedacht, dass das alles so schnell so groß wird. Wir haben dann aber schon nach dem ersten Monat gemerkt, was für ein Riesenthema das ist: Wir wurden von Anfragen förmlich überrollt und kamen kaum hinterher, höhere Datenraten fürs Internet zu ordern und Flächen dazuzumieten. Davon waren wir so ermutigt, dass wir beschlossen haben, das Ganze richtig groß zu machen – auch außerhalb von Berlin.

Das Betahaus in Köln musste 2013 allerdings schließen, das in Hamburg war im gleichen Jahr insolvent. Welche schwierigen Phasen gab es in Berlin?

Ich muss ehrlich sagen: Es war ganz schön verrückt, wie wir das in Berlin hochgezogen haben. Wir waren zwar super fokussiert, aber wir hatten uns auch unfassbar viel vorgenommen. Ganz am Anfang ist uns mal das Geld ausgegangen – da haben wir eine Party gemacht, damit wir ein bisschen Cash reinbekommen und uns über die Runden retten können. Auch Anfang 2011 gab es zwei, drei Wochen, in denen wir kurz davor standen, Insolvenz anmelden zu müssen. Wir hatten in dieser ganzen Euphorie eine neue Etage dazu gemietet, es dann aber nicht geschafft, den Umbau schnell genug umzusetzen, um sie entsprechend auslasten zu können.

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Was habt ihr aus den Krisen mitgenommen?

Es gibt immer neue Herausforderungen, aber nach fünf Jahren wissen wir, wie das Business funktioniert und haben das Know-how dafür. Unsere Learnings konnten wir auf jeden Fall in Barcelona und Sofia sehr gut einbringen. In Hamburg und in Köln haben wir vielleicht auch etwas zu früh losgelegt – ein bisschen Pech war dort aber auch dabei. In Köln hatten wir außerdem eine schlechte Immobilie ausgesucht und auch in Hamburg war der Space anfangs zu klein. Jetzt, wo das Hamburger Betahaus umgezogen und größer ist, läuft es dort super.

Wenn du auf die vergangenen Jahre zurückblickst – worauf bist du besonders stolz?

Am Anfang stehst du da und versuchst irgendwie, die Reparatur für die Kaffeemaschine zu finanzieren – und hörst du von den Leuten aus den Startups: „Bäm, Finanzierungsrunde bekommen!“ und „Ashton Kutcher hat investiert!“ Und zwei Jahre später kommen die gleichen Leute rein und sagen „Mist, hat nicht geklappt, ich mach jetzt was anderes“. Ich bin total stolz darauf, dass wir immer noch da sind und ein profitables Geschäftsmodell haben, das vielen Leuten hilft.

Was habt ihr euch für die nächsten fünf Jahre Betahaus vorgenommen?

Hier in Berlin wollen wir einfach noch weiter wachsen und unser Angebot stetig ausbauen. Konkret wollen wir zum Beispiel ein Electronic Lab für Hardware-Startups aufmachen. Abseits von Berlin möchten wir den Netzwerkgedanken noch größer machen – durch interessante Kooperationen und Programme und durch die Zusammenarbeit mit Spaces, die nicht Betahaus heißen. Am Ende steht da in unserer Vorstellung ein europaweites Netzwerk, das gemeinsam handelt, anstatt, dass dort jeder sein eigenes Ding macht.

Danke für das Gespräch, Christoph.

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Der erste Betahaus-Raum: Mit dem fing alles an.

Bild: Betahaus