So wird das nächste Biertrinken zum Brainstorming fürs Business

Ein Beitrag von Matthias Barth, Blogger und Designer.

Es ist ein weiter Weg von der Geschäftsidee zu einem ausgereiften Businessplan. Der Businessplan steht am Ende einer langen Reihe von Überlegungen, zahlreichen Recherchen und hoffnungsvollen Erwartungen.

Oft genug erstellen Startups einen Businessplan auch nur aus der Verpflichtung heraus, um Fördergelder, Partner oder Investoren zu gewinnen. Entsprechend langatmig fallen diese Dokumente am Ende aus.

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Es kostet viel Arbeit, sie zu schreiben. Aber gelesen werden sie danach kaum mehr.

Um das Geschäftsmodell auf einen Blick zu erfassen, braucht es übersichtliche Hilfsmittel. Eine gute Geschäftsidee sollte auf eine Seite passen. Besser noch: auf einen Bierdeckel.

Der Bierdeckel-Businessplan beschränkt sich auf die Grundstruktur des Geschäftsmodells. Und liefert so die größtmögliche Übersicht über

  • die angebotene Lösung
  • den dazugehörigen Kundenwunsch und somit das Wertversprechen
  • die Zielgruppe mit dem größten Nutzen daraus
  • die Verfügbarkeit des Angebots
  • den Wert des Angebots
  • die Kernbotschaften in der Kommunikation

Und all das passt auf einen Bierdeckel?

Es passt:

Der Bierdeckel-Businessplan im Detail

Das kompakte Format eines Bierdeckel lässt nicht viel Raum für lange Erklärungen. Die Herausforderung liegt deshalb darin, all diese Elemente auf den Punkt zu bringen. So können sich Gründer ihr Geschäftsmodell bildhaft vor Augen führen.

Das gibt nicht nur Orientierung vor wichtigen Entscheidungen, sondern hilft auch bei der Entwicklung eines knackigen Elevator-Pitches.

Der Kundenwunsch im Zentrum

Jedes gute Geschäftsmodell dreht sich um einen Kundenwunsch, der bisher noch nicht oder nur unzureichend auf dem Markt bedient wird. Er steht deshalb im Bierdeckel-Businessplan im Zentrum der Grafik. Jede Verbesserung im Geschäftsmodell muss sich daran messen lassen, was sie zur Erfüllung dieses Wunsches beiträgt. Trägt sie nichts oder nur wenig bei, ist sie meist überflüssig.

Die Lösung für den Kunden

Für diesen Kundenwunsch gilt es eine ideale Lösung zu finden. Es muss nicht immer eine radikal neue Lösung sein. Um sich auf dem Markt durchzusetzen, muss sie jedoch in einem für die Zielgruppe relevanten Aspekt besser sein als das bisherige Angebot auf dem Markt.

Der Wunschkunde

Hinter jedem Kundenwunsch steckt auch ein Wunschkunde. Doch hinter dem Wort verbirgt sich mehr: Es geht um die eine spezifische Kundengruppe, die perfekt zu der eigenen Lösung passt. Wer sind die Wunschkunden, die den größten Nutzen aus dem Angebot ziehen? Wer sind voraussichtlich die ersten Käufer?

Die Verfügbarkeit des Angebots

Im Internetzeitalter können Kunden jederzeit alles aus aller Welt bestellen. Insofern liegt die Herausforderung der Verfügbarkeit nicht darin, die Lösung zum Kunden zu bringen. Es geht darum, den Kontakt mit dem Angebot zum Erlebnis zu machen. Deshalb teilt sich der Punkt Verfügbarkeit auf dem Bierdeckel in zwei Hälften.

Das Erlebnis steht auf der rechten Seite: Wie fühlt sich der Kontakt mit dem Angebot an? Welches Gefühl soll dem Kunden in Erinnerung bleiben? Auf der linken Seite steht die dazu gehörige Infrastruktur, um dieses Erlebnis zu schaffen.

Der Wert des Angebots

Auch der Wert der Lösung besteht aus zwei Aspekten. Links steht der finanzielle Wert: Welche Ersparnis, welchen messbaren Gegenwert liefert die Lösung für ihren Preis? Auf der gegenüberliegenden Seite geht es um den emotionalen Wert: Wie fühlt sich der Kunde dank der Lösung? Welche Probleme bleiben ihm erspart, welche Freude gewinnt er dadurch?

Je höher ein Startup den Wert des Angebots gestalten und kommunizieren kann, desto leichter können die benötigen Margen erzielt und Preisvergleiche vermieden werden.

Kommunikation und Inspiration

Nachdem die Eckpfeiler des Geschäftsmodells gesetzt sind, beinhaltet der Businessplan auch die Grundlagen für die Kommunikation.

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Es geht hier noch nicht um die Auswahl passender Kommunikationsmittel und Medien. Als Grundlage für die künftige Markenstrategie ist es zunächst wichtig, die Botschaft festzulegen, wie das Startup vom Kunden wahrgenommen werden soll. Und natürlich dreht sich auch die Botschaft um den zentralen Kundenwunsch.

Sie kann zum einen aus Wissen und praktischer Hilfestellung bestehen, dem Wunsch näher zu kommen. Zum anderen kann sie aber auch aus Inspiration bei der Lösungsfindung bestehen. Oftmals haben Kunden noch keine konkrete Vorstellung davon, wie eine Lösung für ihren Wunsch aussehen könnte. Hierfür die passende Inspiration zu liefern, kann ebenfalls eine sehr wertvolle Information für den Kunden sein.

Der Bierdeckel-Businessplan bildet das Grundgerüst

Ein Businessplan auf einem Bierdeckel kann natürlich nie alle Aspekte eines Geschäftsmodells abdecken. Dieses muss später noch ausgearbeitet werden, sei es mithilfe des Business Model Canvas oder bei der Erstellung eines herkömmlichen Businessplans.

Aber er bietet eine strukturierte Darstellung, um das Gründgerüst einer Idee festzulegen. Und kann bei der Entwicklung des Startups als Kompass dienen, um strategische Entscheidungen zu bewerten.

Bild: Gettyimages / Eugenio Marongiu, Grafik: Startworks