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Paul Thelen von Big Fish im Interview

Das US-Spiele-Unternehmen Big Fish (www.bigfishgames.com) ist einer der Großen in der Branche und sieht sich selbst als der „größte Anbieter von Premium-Casual-Spielen auf dem PC“, so Gründer und Chairman Paul Thelen im Interview mit Gründerszene. Das Unternehmen ist seit 2002 am Markt und bietet derzeit über 3.000 PC- und 300 Mobile-Titel an. Dabei muss sich das Spiele-Unternehmen – wie auch die restliche Branche – den ständig wechselnden Bedingungen der Spiele-Industrie wie Mobile, Free-to-play und Co stellen.

Hallo Paul. Thema Mobile: Eher Fluch oder Segen für Big Fish?

Auf eine andere Plattform zu wechseln, speziell iOS, hat sich für Big Fish ausgezahlt. Wir konnten damit nicht nur Neukunden für unsere Produkte gewinnen, sondern auch Langzeitkunden, die zu iOS – speziell iPad – als ihre primäre Spieleplattform gewechselt sind. Mobile hat zudem die Türen für weitere Monetarisierungs-Systeme geöffnet, welche eine breitere Masse an Nutzern mit einem weit gefächertem Angebot ansprechen.

Big Fish hat diese Systeme aktiv eingeführt. Auch wenn der technische Wechsel für uns und unsere Partner nicht immer einfach war, lohnt es sich durch das Umsatzpotenzial der mobilen Plattformen dennoch. In den letzten zwei Jahren haben wir uns von einem PC-Spiele- zu einem Cross-Plattform-Unternehmen entwickelt, das mehr als 60 Prozent seiner Umsätze mit Mobile generiert.

Wo lassen Nutzer am meisten Geld?

Big-Fish-Kunden geben seit zwölf Jahren Geld für eine breite Spanne an hochqualitativen Premium-Casual-Spielen – Spiele werden kostenfrei als Demo angeboten und über Up-Front-Kauf akquiriert – verschiedener Genres aus. In den letzten Jahren begann Big Fish, Free-to-play-Casual-Spiele – kostenfreie Spiele mit In-App-Kauf-Möglichkeiten – für iOS und das eigene PC-Portal zu veröffentlichen. Free-to-play-Casual-Spiele erlauben es Kunden, sich in ein, zwei oder sogar drei Spiele zu vertiefen, während Premium-Casual-Spieler auf eine Vielzahl an Spielen zurückgreifen.

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Während sich unsere Kunden immer mehr an Free-to-play-Inhalte gewöhnen, registrieren wir, wie sie mehr Zeit und Geld in diese Spiele stecken. Mittlerweile sind wir ein richtiges Business-Modell-diversifiziertes Unternehmen, das die Hälfte seines Umsatzes mit bezahlten Premium-Games und die andere Hälfte mit In-App-Käufen in Free-to-play-Spielen generiert.

Unser Spiel Big Fish Casino ist ein Evergreen in den Top 10 Grossing Games des App Stores und die größte mobile Social-Casino-App weltweit. Während Big Fish mit Big Fish Casino starke Umsätze fährt, knüpfen auch Titel wie Fairway Solitaire – ursprünglich ein Premium-Titel, der über die Zeit auch den In-App-Kauf einführte – an diese Perfomance an.

Was kommt nach Mobile?

Mobile ist für Big Fish in Bezug auf Umsatz und Konsumenten eine wichtige Plattform, aber es ist nicht die einzige Plattform von Bedeutung. Während viele die PC-Plattform als sterbend oder bereits tot sehen, startete Big Fish mit dem Vertrieb von Premium-Casual-Spielen auf dem PC-Portal und wir sehen unser Portal immer noch als existenzfähig an und dank der Free-to-play-Inhalte sogar mit wachsendem Umsatz.

Im Gegensatz zu Facebook oder dem App Store, wo es Dinge gibt, die den potenziellen Kunden ablenken können, hat Big Fish Millionen zahlender Kunden, welche unsere Seite seit über elf Jahren besuchen, einzig um Spiele zu kaufen. Diese PC-Kunden haben ein gesteigertes Interesse an Free-to-play-Inhalten gezeigt und wir versorgen sie mit mehr von dem, wonach sie fragen. Big Fish unterstützt Free-to-play-Spiele seit einigen Jahren und bringt diese Inhalte auf die eigene PC-Plattform. Der PC ist vielleicht eine Plattform der Vergangenheit, aber er repräsentiert auch immer noch eine aufregende Umsatz-Mögllichkeit für unsere Zukunft.

Welches Monetarisierungs-Modell ist die Zukunft?

Es ist kein Geheimnis, dass das In-App-Kauf-Modell von Dauer und ein sehr wichtiger Punkt ist, um ein Spiel zu monetarisieren. Mit je dem halben Umsatz über Premium- und Free-to-Play-Spiele glauben wir, dass wir die richtigen Optionen für unsere Kunden, die verschiedene Präferenzen haben, anbieten. Wir werden im kommenden Jahr weiterhin eine Balance zwischen Premium- und Free-to-play-Spielen für PC und Mobile anbieten.

Wo steht der Spiele-Markt derzeit allgemein?

Die Spiele-Industrie hat in den – mindestens – fünf letzten Jahren nicht gerade kleine Veränderungen durchmachen müssen und kann aufgeteilt werden in diejenigen, die die Veränderungen mitgemacht haben und diejenigen, die es nicht konnten. Es wird erst schwieriger werden, in dieser Industrie Erfolg zu haben, bevor es leichter wird. Und die diejenigen, die bestehen werden, sind diejenigen, die adaptionsfähig sind und Veränderungen annehmen.

Nimmt man nur die Veränderungen, die das Free-to-play-Modell brachte – Spiele agieren als Service und Studios benötigen große Live-Teams und finanzielle Stabilität, um Monate iterativer Veränderungen am Spiel zu überstehen, während gleichzeitig Millionen in Werbung fließen, um Spiele in die Charts zu bringen –, so sind diese enorm. Agil und am Puls des Marktes zu bleiben, hat uns erlaubt, mit Big Fish nicht nur diese Veränderungen anzunehmen, sondern auch schwierige strategische Entscheidungen zu treffen, die notwendig sind, um in einer Branche erfolgreich zu sein, die sich so schnell verändert.

Wo wird Big Fish in fünf Jahren stehen?

Als Big Fish 2002 gegründet wurde, war es unser Ziel, der weltweit größte Anbieter von Premium-Casual-Spielen auf dem PC zu werden. Wir sind stolz darauf, dieses Ziel erreicht zu haben und die gesammelte Erfahrung kann in vielerlei Hinsicht auf Free-to-play angewendet werden, dem wir weiterhin agressiv in den kommenden Jahren nachgehen werden. Wir planen aber nicht fünf Jahre im Voraus. Wir sind Nachfrage-gesteuert. Damit meine ich, dass wir die Genres und Spielemechaniken liefern, die unsere Kunden wollen – und wir liefern diese auf den Plattformen, die die Kunden annehmen.

Bild: Big Fish; Hinweis: Text ins Deutsche übersetzt von Georg Räth