Schoolboy using digital tablet in elementary classroom

iPads in der Grundschule? In Deutschland eine Seltenheit.

„Lernen und Handeln in der digitalen Welt“ – das ist das Thema des zehnten Nationalen IT-Gipfels, der heute in Saarbrücken beginnt. Spätestens seit Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) im Oktober ein Fünf-Milliarden-Euro-Programm für die Digitalisierung der Schulen gefordert hat, ist die Debatte um den digitalen Nachholbedarf des deutschen Bildungssystems voll entbrannt.

Hubertus Porschen , neuer Vorsitzender der JUNGEN UNTERNEHMER e.V. in Duesseldorf am 04.09.2015 -. [ Es gelten meine AGB - Veroeffentlichung nur gegen Honorar (zzgl. 7% MWSt.) und Namensnennung copyright by: Marc-Steffen Unger Tel: 01715353875 Kto.Nr.: 26432245 BLZ: 37050198 S t a d t s p a r k a s s e K o e l n ]

Hubertus Porschen

Laut einer gestern veröffentlichten Studie der Initiative D21 und des Bundeswirtschaftsministeriums sind nur 44 Prozent der befragten Lehrer dafür, die Vermittlung von Programmierkenntnissen zu einem grundlegenden Bestandteil der Schulbildung zu machen. Immerhin 72 Prozent befürworten den Einsatz digitaler Medien als wichtigen Baustein des Unterrichts.

Gegenüber Gründerszene kritisiert Hubertus Porschen, Bundesvorsitzender des Verbands der jungen Unternehmer und Gründer des Kölner Unternehmens App-Arena, den Zustand der deutschen Schullandschaft: „Mit der Schwelle zum Klassenzimmer ist Schluss mit der digitalen Welt für unsere Kinder“, so Porschen. „Das deutsche Bildungssystem ist geprägt von Unbeweglichkeit, IT-Unkenntnis und Investitionsmangel.“

Der Verbandschef erklärt damit auch die noch immer schwach ausgeprägte Gründungsaktivität in Deutschland. „Wir sind von einer Kultur des Gründens weit entfernt. Das größte Problem ist: Unser Bildungssystem bildet die falschen Kompetenzen aus. Es werden überhaupt keine unternehmerischen Fähigkeiten vermittelt.“

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Es reiche nicht aus, „dass unsere Kinder ein Tablet bedienen können“, so Porschen. „Wir sollten ihnen mehr Selbständigkeit sowie Fähigkeiten zur Problemlösung und kritischem Denken mit auf den Weg geben.“ Konkret fordert Porschen die deutschlandweite Einführung des Schulfachs Informatik, das bislang nur in drei Bundesländern Pflichtfach ist. „Unsere Schüler sollen lernen, wie eine App funktioniert, welche Programmiersprachen es gibt und welche Bedeutung Daten heute haben. Wir brauchen zum Beispiel Fähigkeiten und Kompetenzen in Big Data, Profiling oder Targeting. Jeder muss Python, Java oder PHP lernen können.“

Im Gespräch mit Gründerszene greift Porschen die politisch Verantwortlichen scharf an. „Mit der Initiierung von netten Startup-Events und dem Besuch des Wirtschaftsministers bei Gründern ist es nicht getan“, ärgert sich der Verbandsvorsitzende. „Die Politik muss die richtigen Rahmenbedingungen setzen. Das muss nachhaltig sein. Im Moment ist das Vorgehen von kurzfristiger Aktivität geprägt.“ Man müsse die Digitalisierung „wie ein Projekt betrachten“. Das heiße auch: „Ich erwarte, dass dafür eine Strategie entwickelt wird – wie in einem Unternehmen.“

Bilder: Getty Images / Hero Images; DIE JUNGEN UNTERNEHMER / Marc-Steffen Unger