Nach dem sehr bunten Sonntag mit Robotern, Clowns und TV-Stars ging es bei der Bits & Pretzels am nächsten Tag in die Ausschüsse. In etwas kleineren, intimeren Nebensälen der Messe München wurden im Schatten der Hauptbühne digitale Themen vertieft. In einer Veranstaltung von Audi ging es zum Beispiel um die Zukunft der Städte und der Mobilität. Firmen wie Audi oder Airbus bekamen die Gelegenheit, ihre Sicht über die Zukunft des Lebens in Städten darzustellen. Und dabei fehlte es ihnen nicht an Selbstvertrauen. Deutschland sei keineswegs abgeschlagen und durchaus in der Lage, mit den Digitalkolossen aus den USA mitzuhalten, so jedenfalls die Sprecherin Jutta Carina Frisch.

Internet der Dinge bringt Lösungen

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Es ist schon interessant, dass sich die Städte, in denen wir uns heute bewegen, ihrer echten Probleme gar nicht annehmen. In London oder Shanghai bewegen sich Autofahrer mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 16 Kilometer pro Stunde durch das Gewühl. In Berlin oder Hamburg werden die Zahlen nicht dramatisch anders aussehen. Jeden Morgen stehen zum Beispiel alle Pendler aus dem Süden Berlins in Kreuzberg im Stau. Immer an der selben Stelle. Wir nehmen das hin wie eine Naturgewalt. Oder die Behörden denken sich allerlei Verbote aus, die den Autofahrern nicht wirklich weiterhelfen. Ist eben nicht zu ändern. Wirklich nicht?

Kommunikationschefin Frisch, die sich bei Audio mit den Themen Kultur und Trends beschäftigt, sieht das anders. Das Internet der Dinge wird unser Leben und die Art, wie wir uns durch die Städte bewegen, revolutionieren und verbessern, sagt sie. Sensoren sollen in Zukunft Verkehrsströme und autonome Autos intelligent lenken, Abgas, Schmutz und Lärm werden drastisch reduziert. Eine Zahl überrascht: 85 Prozent der Menschen unter 35 Jahren wollen in Zukunft ein eigenes Auto fahren. Um das zu ermöglichen, müssen Städte intelligent und smart werden, sagt Frisch. Wie das geht? Bis 2050 wird die Infrastruktur der großen Städte komplett neu ausgebaut sein. Straßenbeleuchtung wird intelligent und mit Sensoren und Aufladestationen ausgestattet sein. Mit den Daten sei es möglich, den öffentlichen Verkehr in den Griff zu bekommen. Im Sinne der Autofahrer. Ohne Verbote.

Das Auto, das fahrerlos einen Parkplatz sucht

Einige technische Lösungen werden bereits jetzt in Audis getestet. Zum Beispiel der Trafficlight Assistent. Er zeigt dem Fahrer die optimale Geschwindigkeit an, um rote Ampeln zu vermeiden. Das spart Kraftstoff und schont Nerven. In der Testphase sei auch der sogenannte Parkpilot. In der Endausbaustufe steigen wir einfach aus unseren Autos direkt vor unserem Büroeingang aus, das Autos sucht sich anschließend selbstständig einen Parkplatz. Außerhalb der City. So sollen die Innenstädte von den Blechlawinen verschont bleiben, die stundenlang nach einem Parkplatz suchen. Gegen Feierabend bestellen wir uns per Smartphone unser Auto und steigen direkt vor unserer Bürotür wieder ein.

Auch das Thema autonomes Fahren will man bei Audi nicht den US-Konkurrenten überlassen. Ein eigenes, selbstständig fahrendes Auto sei bereits auf der Strecke vom Silicon Valley nach Las Vegas erfolgreich getestet worden, so die Sprecherin. Ein Ride-Sharing-System läuft als Test in Mexico City und in der Bostoner Vorstadt Summerville. Die Pendler sind offenbar bereit, ihre Daten für intelligente Lösungen zur Verfügung zu stellen, wenn sie die Aussicht haben, in Zukunft nicht mehr täglich zweieinhalb Stunden im Stau zu stehen.

Mit dem Personal-Airplane in die Stadt

Bei Flugzeugbauer Airbus will man in Zukunft die Kundschaft mit leichten Flugzeugen in die Zentren der Städte fliegen. Gerade das Silicon Valley sei perfekt für einen Test, sagt Johannes Stuhlberger, Chef des Airbus-Innovationsnetzwerkes. In der Region südlich von San Francisco seien die Menschen bereit für neue Technik und hätten es satt jeden Tag ihre Zeit im Stau zu verschleudern. Noch seien die Kosten für „Personal Airvehicles“ pro Person zu hoch. Aber in Zukunft soll sich das ändern. Auch Airbus arbeitet an Elektromobilität. Erste Hybrid-Flugzeuge oder -Hubschrauber sind bereits im Einsatz. Auch an größeren Verkehrsflugzeugen, die mit Elektroantrieb fliegen, wird geforscht. Die Paketzustellung könne mit E-Fliegern ebenfalls revolutioniert werden, so Stuhlberger. Es gäbe erste Studien, die zeigten, wie so ein Postbote der Lüfte aussehen könnte.

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Die kleinen, persönlichen Flugzeuge sollen natürlich ohne Piloten auskommen. Das sei viel sicherer, erklärt Stuhlberger. Abflugstationen könnten zum Beispiel die Autobahnkreuze vor den Toren der Stadt oder Region sein. Für erfolgreiche Navigation und Sicherheit braucht es natürlich auch genaue Daten und Karten. Dafür will das Startup Terraloupe aus München sorgen. Es erstellt nach eigener Aussage zentimetergenaue 3D-Karten aus der Luft, die nötig sind, wenn man autonome Fahrzeuge sicher durch die Straßen fahren lassen will. „Wir sehen nicht nur die Straße, wie bei Google, sondern auch alles drumherum“, sagt Mitgründerin Manuela Rasthofer. Auch sie sieht sich im Wettbewerb mit den USA noch nicht abgeschlagen: „Ja, Google ist voraus. Aber wir sind auf der Spur.“

Was macht die Vespa im Winter?

Für die Gründerin von Terraloupe ist die Zusammenarbeit von großen Firmen mit Startups essentiell, um den technologischen Rückstand gegenüber den USA aufzuholen: „Startups sind sehr wichtig für neue Mobilität. Wenn Startups mit großen Firmen kombiniert werden, geht alles schneller voran. Erste Schritte in die Startupszene sind wichtig für die großen Konzerne. Innovationslabore sind ein guter Schritt.“ Anschließend präsentiert das etwas bodenständigere Scooter-Sharing-Startup Movoo aus Berlin seine Idee. Mit den knallgrünen Elektrorollern, die man sich wie bei Car-Sharing-Diensten ausleihen kann, soll das Parkplatzproblem in den Städten bereits jetzt gelöst werden. Ein Parkplatz für die Vespa finde sich immer, so die Gründer. Klingt gut. Bleibt eigentlich nur die Frage, wie man im Winter durch die Stadt kommt. Vielleicht doch besser mit dem Airbus-Elektroflieger.

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